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Sonntag, 4. März 2007

Der letzte Koenig von Schottland

Das ugandische Parlament, von Amins Vorgaenger Milton Obote 1966 de facto, von Idi Amin 1971 offiziell abgeschafft, dient im Film als Veranstaltungsort fuer einen Empfang.

Gestern habe ich ihn nun im Kino gesehen, den Oscar-gekroenten Film ueber den schottischen Leibarzt von Idi Amin. Und fand ihn ganz spannend, da er in Kampala und Entebbe gedreht wurde, den beiden Staedten, die ich am besten kenne von Uganda. Obwohl die Story fiktiv ist (Amin hatte meines Wissens nach keinen schottischen Leibarzt), sind die historischen Rahmendaten alle authentisch:

Machtergreifung Amins 1971: Hier beginnt die Handlung in Uganda, Amin nutzt den Auslandsbesuch von Praesident Obote beim Commonwealth Treffen in Singapur, um sich selbst als Staatsoberhaupt zu deklarieren. Die Bevoelkerung feiert Amin frenetisch, denkt schlimmer als unter Obote kann es nicht werden. Weit gefehlt...

Schneider in Uganda: Als der junge schottische Arzt Garrigan von Amin zum Empfang eingeladen wird und keinen Smoking hat, wird er von Amin zum indischen Schneider geschickt, der ihm den Anzug fuer den Abend massschneidert. Massgeschneiderte Anzuege und Kleider werden auch heute noch von Schneidern hergestellt, zu guenstigeren Preisen als die importierte Stangenware (Beispiel: ein Anzug massgeschneidert kostet hier ca. 100 Euro, von der Stange 150-200 Euro).

Inder in Uganda: Wo kommen die ganzen Inder in Uganda her, die im Film gezeigt werden? Die Antwort ist einfach: Anfang des 20. Jahrhunderts haben die Briten eine Eisenbahn im britischen Ostafrika gebaut, die von der Kueste Kenias bis nach Kampala fuehrte. So wollte man das Inland erschliessen und die fruchtbare Region um den Viktoriasee und die Quelle des Nils in Jinja. Der Bau der Eisenbahn war hart, Briten kamen dafuer nicht in Frage und Afrikaner konnte man nicht als Arbeiter animieren, da sie den Begriff des Geldes nicht kannten. Also hat das Britische Imperium kurzerhand Arbeiter aus Britisch Indien zum Eisenbahnbau nach Ostafrika abkommandiert. Die sind dort geblieben, haben sich als Haendler betaetigt und praktisch die ganze Wirtschaft Ugandas betrieben.

Ausweisung der Inder 1972: Um die Staatskasse zu fuellen wurden alle ca. 70.000 Inder 1972 enteignet und des Landes verwiesen, sie hatten dafuer 90 Tage Zeit. Der ugandischen Wirtschaft hat das eher geschadet als genuetzt. Inzwischen sind viele Inder wieder nach Uganda zurueckgekehrt, ich goenne mir oefters mal ein indisches Essen in Kampala...

Huegellandschaft um Kampala: In der Szene, in der Garrigan mit seiner schwangeren Geliebten (einer Ehefrau Amins) im Auto sitzend die Zukunft beratschlagt, sieht man im Hintergrund saftig gruene Huegel mit Wohnhaeusern. Diese Huegellandschaft ist typisch fuer die Umgebung von Kampala, Kampala selbst ist auf sieben Huegeln errichtet.

Geiselnahme am Flughafen Entebbe 1976: Die PLO hatte ein israelisches Flugzeug entfuehrt, Amin sich als "neutraler" Vermittler angeboten, alle Welt wusste, dass er mit der PLO sympathisiert. In einer Befreiungsaktion wurde das Terminal in Entebbe von israelischen Elitesoldaten gestuermt, drei Geisel, 7 Terroristen und 45 ugandische Soldaten kamen dabei ums Leben. Hier endet der Film.

"Der letzte Koenig von Schottland" laeuft in Deutschland ab dem 15. Maerz im Kino an.

Die Perle Afrikas (Winston Churchill) wurde 1962 von den Briten in die Unabhaengigkeit entlassen.