Translate

Montag, 13. April 2015

Die Teufelsnase


Die Basilika von El Cisne
Melly freut sich über ihr neues Kleid
Den letzten Tag in Loja haben wir in El Cisne, einem zwei Stunden entfernten Wallfahrtsort, verbracht. In der dortigen Basilika wird eine Marienstatue (Virgen de El Cisne) verehrt, die einmal jährlich in einer Prozession von hier zur Kathedrale nach Loja getragen wird. Der Glanz der Basilika scheint dem kleinen Bergdorf nicht zu nützen, die Häuser um die Basilika wirken sehr arm. Und das obwohl von den tausenden Touristen täglich doch jeder bestimmt 15$ für Parkplatz, Essen und Andenkenkauf da lässt.
El Cisne
In Europa hat es die Lobby verhindert, hier ist sie schon Realität: die Lebensmittel-Ampel (Cola: Zucker hoch, Salz niedrig, kein Fett)
Melly sitzt auf einem Lama an der Teufelsnase
Am nächsten Tag haben wir uns auf den mühsamen Rückweg im Bus gemacht: Abfahrt um 5:00 nach Cuenca, 20 Minuten Frühstück und von dort um 10:00 weiter nach Alausi. Koffer abgeben im Hotel, 10 Minuten für ein Sandwich und dann Fahrt mit der in den letzten Jahren für Touristen wieder eröffneten Eisenbahn zur Teufelsnase. Im Vergleich zu 2006 hat sich einiges getan: Nach einem tödlichen Unfall mit zwei Touristen sitzt man nicht mehr auf dem Dach von Güterzügen, sondern in restaurierten oder neugebauten Waggons. Die Bahnhofsgebäude sind restauriert und als Café und Souvenirmarkt genutzt. In jedem Waggon erklärt eine Zugbegleiterin auf spanisch und englisch die Sehenswürdigkeiten und Geschichte der Eisenbahn. Im nicht unbeträchtlichen Fahrpreis von 25$ ist Kaffee und Kuchen (z.B. Quimbolitos) enthalten, ebenfalls eine traditionelle Tanzeinlage am Bahnhof Sibambe an der Teufelsnase. Die Fahrten sind nicht nur dreimal wöchentlich sondern nun dreimal täglich. Die Tickets sind in Spitzenzeiten (Wochenende) schon Wochen vorher ausverkauft und können über Internet und Kreditkarte reserviert werden. Vor Ort werden sie dann mit einem großen personellen Aufwand, vergleichbar mit dem Einchecken bei einem internationalen Flug, administriert: das elektronische Ticket wird vor Ort am ersten Schalter noch einmal ausgedruckt, am zweiten Ausdruck werden alle Tickets mit dem Ausweis/Reisepass des Inhabers verglichen und abgestempelt und beim Betreten des Zuges erfolgt schließlich die dritte Kontrolle.

Der neue Zug: Diesellok aus Frankreich, erster Wagen restaurierter historischer 1.-Klasse-Waggon, zweiter Wagen Neubau aus Baños
Die Teufelsnase mit den zwei Spitzkehren
Der restaurierte Bahnhof Sibambe

Donnerstag, 9. April 2015

Im Tal der Hundertjährigen?

Loja, Blick vom Stadtor
Loja, Altstadtgasse Lourdes
Loja, Kathedrale
2013 hatten wir es nicht mehr geschafft, nun haben wir im zweiten Anlauf Loja, die südlichste Metropole Ecuadors, erreicht. Es erinnert an das schöne Cuenca, vom spanischen Kolonialstil von schachbrettmäßig angeordneten Einbahnstraßen her bis zum milden Klima in 2.400 m Höhe. Wir haben ein schönes Hotel in der Altstadt mit Tiefgarage, Kofferträger und Schwimmbad. Heute ist uns aufgefallen, dass nur Männer hier arbeiten und sehr zuvorkommend sind, alleine beim Frühstücksbuffet wird man von mehreren Männern beraten und bedient, wo man sich in Deutschland alles selber auf den Teller tun würde. Bei der Ankunft am Dienstag sagte man uns, der Pool wäre offen, aber nicht geheizt, das würde man nur am Wochenende tun. Wir waren trotzdem schwimmen, vor allem Melly hat es genossen. Am zweiten Tag war das Wasser noch etwas kälter und hat stärker nach Chlor gerochen, nach 5 Minuten sind wir wieder raus gegangen. Zum Glück, denn der Portier erzählte uns hinterher, dass das Wasser gerade mit Chlor und Aluminiumsulfat behandelt wurde, zur Reinigung für das Wochenende. Natürlich war keine Warnschild oder dergleichen aufgestellt...
Loja, Stadttor
Vilcabamba, sind die Menschen hier wirklich älter als anderswo?
Kirche von Vilcabamba
Eine Stunde südlich im Tal liegt der Ort Vilcabamba, wo angeblich mit die ältesten Menschen der Welt leben ("Tal der Hundertjährigen"). Obwohl Untersuchungen festgestellt haben, dass die Bewohner ihr Alter sehr großzügig nach oben gerundet haben und das Durchschnittsalter nicht groß anders ist als anderswo, gibt es hier ein Zentrum der Geriatrie und der Ort übt eine magische Anziehungskraft auf Hippies und Esoteriker aus. Der kleine Ort von 4.200 Einwohnern hat an seinem Hauptplatz (und einzigem Platz) eine Sushi-Bar, einen Mexikaner-Italiener und ein kalifornisches Café mit glutenfreien Waffeln. Erst nach langem Suchen haben wir in einer Ecke des Platzes doch noch ein ecuadorianischen Restaurant gefunden, Spezialität ist hier Cecina, ein Schweinebraten.
Vilcabamba, Schweinebraten, Pansen und (echte) Limonade (Zitronensaft)
Nationalpark Codoparcus
Wäschewaschen am Fluss

Sonntag, 5. April 2015

Osterfischsuppe und hohe Politik

Fanesca im Kreise der Familie
Fanesca

Die Fanesca ist das ecuadorianische Osternationalgericht, auch wir haben sie am Karfreitag wieder gegessen. Um diese Suppe polarisiert sich dieses Jahr sogar die Politik. Die Regierung Correas (seit 2007 an der Macht) hat nach anfänglich vielen guten Dingen (z.B. Ausbau der Landstraßen und freiem Universitätsstudium) in letzter Zeit einige unpopuläre Maßnahmen getroffen, u.a. die Anhebung der Einfuhrzölle. Statt die heimische Wirtschaft zu schützen, hat das vor allem einen erheblichen Preisanstieg in praktisch allen Bereichen bewirkt, da Ecuador ziemlich abhängig von ausländischen Rohstoffen und Produkten ist. So sind auch die Preise für den Klippfisch (Trockenfisch, spanisch bacalao) gestiegen, der Hauptzutat für die Fanesca. Hinzu kommt der "normale" Preisanstieg für Fisch durch die weltweite Überfischung. Hat eine Fanesca im Restaurant vor zehn Jahren noch etwa 3$ gekostet, waren es vor zwei Jahren 6$, letztes Jahr 8$ und dieses Jahr schon 10$. Über Facebook beschweren sich die beiden großen Oppositionspolitiker Jaime Nebot (Bürgermeister von Guayaquil) und Mauricio Rodas (Bürgermeister von Quito) über die hohen Fanescapreise, während Präsident Correa ebenfalls über Facebook den Preisanstieg nicht sieht und schreibt: "3,50$ delikate Fanesca in Santo Domingo. Wo essen die Reichen, die viermal so viel bezahlen?" Die Polarisierung der Politik stellt meines Empfinden nach auch lange Freundschaften hier auf eine harte Probe, wenn einer Regierungs- und der andere Oppositionsanhänger ist. Vor einigen Jahren hat das noch kaum eine Rolle gespielt.

Facebook 1: "Nach der Arbeit (...) essen wir eine sehr leckere Fanesca, (...) teuer wie nie zuvor"

Facebook 2: Die Antwort vom Präsidenten Correa

Heute am Ostersamstag haben wir auch Fisch gegessen, die einheimischen Forellen (bezahlbar für 5$ das Stück) lecker gegrillt. Da wir neun Personen waren und die Busse wegen des Osterverkehrs nur voll vorbeigefahren sind, haben wir einen Pick-Up organisiert. Frauen, kleine Kinder und Silvia Eltern saßen in der Kabine, während ich mit John und seinen schon großen Kindern auf der Ladefläche stand (es regnete, deshalb konnte man sich nicht hinsetzen). Durch den Regen war aber auch das Geländer zum Festhalten sehr glipschig,, der Regen wurde immer stärker, peitschte mit 80 km/h ins Gesicht und der Fahrer hatte in den Kurven offenbar vergessen, dass er noch Ladung hintendrauf hatte. Der Fisch hinterher hat doppelt so lecker geschmeckt. Hinterher kam dafür die Sonne hervor und brannte mir mit voller Wucht beim Spazierengehen auf den Kopf (ich hatte die Mütze vergessen). Naja, so haben wir alle ecuadorianischen Jahreszeiten an einem einzigen Tag erlebt.

Silvia und John pflücken Berros (Feldsalat, Brunnenkresse) am Fluss
Forellenessen
Eine Seilbahn über den Pastaza, fast fertig, wird nie vollendet.
Skulptur in Mera

Donnerstag, 2. April 2015

Dem Himmel nah

Blick in die Anden
El columpio - die Schaukel

Gestern waren wir in Baños am Fuße des Vulkans Tungurahua, für mich das erste Mal in diesem Urlaub. Nachdem wir letztes Mal vom Himmelscafé begeistert waren, haben wir diesmal einen Ausflug zum noch höher gelegenen Casa de Árbol (Baumhaus) gemacht. Hoch ging es in einer Chiva, dem Lastwagen mit offenem Holzaufbau, der früher als Bus im Dschungel eingesetzt wurde. Oben angekommen sieht man zwei große Schaukeln am Baumhaus festgemacht, die über den Abgrund schwingen. Jetzt lieber nicht zuviel nachdenken über fehlenden TÜV, eventuelle Gewichtsbeschränkungen, nicht vorhandene Fangnetze. Der vor mir ist nicht viel leichter als ich und bei ihm hält die Schaukel noch. Melly weint, weil sie nicht schaukeln darf, wird aber mit einer Seilbahn ähnlich denen auf unseren Spielplätzen entschädigt. Leider sieht man den Vulkan gegenüber nicht, nur eine Spitze schaut kurz durch die Wolken durch. Trotzdem ist es ein tolles Gefühl der Freiheit und natürlich ein beliebtes Fotomotiv.

Ein bisschen Tungurahua

Silvia traut sich

In der Chiva, sucht den Fotografen!