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Sonntag, 26. August 2018

Urlaub in Uganda 4

Tourismus

Botanischer Garten

Botanischer Garten

Uganda macht es Touristen nicht leicht. Das Potenzial wird schon erkannt, aber man möchte nicht viel dafür tun. Der Zoo in Entebbe kostet mit 15$ für Ausländer fast soviel wie der artenreichste Zoo der Welt in Berlin (15,50€). Man sieht aber nicht, wofür das Geld außer für Futter verwendet wird, die Anlagen wirken schon ziemlich baufällig. 15$ werden auch bei den Itanda Falls am Nil fällig mit spektakulärer Aussicht. Dafür wird einem außer einer Latrine noch einiges geboten, aber alles kostenpflichtig:

  • Volkstänze, der Korb für das Trinkgeld wird einem sehr aufdringlich hingehalten
  • ein Führer bietet sich an, für weitere 15$ schwimmen zwei Männer durch die Fluten, der Führer selbst erwartet auch ein Trinkgeld
  • einen Imbiß oder etwas zu Trinken sucht man dagegen vergeblich, zum Glück haben wir uns morgens Chapatis vom Hotel mitgeben lassen.
Der Botanische Garten in Entebbe ist nicht ganz so teuer und man kann mit dem Auto durchfahren. Hier waren in den dreißiger Jahren die Dreharbeiten zu Tarzan mit Johnny Weißmüller. Im Zoo wird uns die Fahrt zur Schimpanseninsel Ngamba Island vermittelt, mit dem Schnellboot über den Viktoriasee für 88$ pro Person. Dafür sieht man dort Schimpansen hinter einem Zaun, und auf einmal wirkt der Zooeintritt eigentlich doch ganz günstig...

Schüler betrachten Schimpansen (und den Fotografen) im Zoo

Stummelaffe (der Schwanz unten gehört zum Tier!)

Schimpansen im Zoo

Löwin im Zoo

Giraffe

Ngamba Island am Affenzaun

Donnerstag, 23. August 2018

Urlaub in Uganda 3

Miracle Center Kathedrale

Am ersten Sonntag haben wir in Entebbe eine Art Taufgottesdienst (Dedication) für Steves Tochter Michelle und einen Dankesgottesdienst für die überstandene schwere Erkrankung von Steves Vater erlebt. Das Miracle Center ist inzwischen eine Kathedrale (eingeweiht 2011 mit Präsident Museveni) und Pastor Aaron Mutebi ist noch aktiv und lautstark wie vor elf Jahren. Zum zweiten Mal stehe ich hier auf der Bühne, diesmal mit Steves Familie. Das Thema des Gottesdienstes ist diesmal "Arbeit mit deinen Händen, der Schlüssel zum Erfolg". Er zeigt als Beispiel Fotos, wie er selbst mit Freiwilligen 1998 die erste Kirche gebaut hat und wie erfolgreich er und seine Kirche inzwischen sind, allein durch die Arbeit seiner Hände. Nicht schlecht. Besser als sich nur auf Entwicklungshilfe zu verlassen.

Vor der Kirche

Auf der Kirchenbühne bei der Taufe von Michelle
Die Kirche betreibt auch ein Internat, so tanzen die Schüler beim Gottesdienst

Verkehr

Der Verkehr hat in den letzten elf Jahren deutlich zugenommen. Zwischen den Sammeltaxis und Boda-Bodas gibt es nun auch viele Privatautos. Die Moftaxis fahren in Entebbe weiter ohne Helm, in Kampala meist mit, auch für den Beifahrer. Um sechs Uhr abends kommt der Verkehr im Zentrum Kampalas fast völlig zum Erliegen, außer den Boda-Bodas, die sich überall vorbeidrängen. Man muss dann die Autotür verriegeln, um im Stau nicht von Passanten beraubt zu werden. Zwischen Kampala und Entebbe gibt es jetzt die erste Autobahn, bald mautpflichtig, von Uganda. Die ist noch ganz leer, die Leute müssen sich damit noch vertraut machen.

Auto ohne Nummernschild

Fast wären wir eine halbe Stunde vor diem Ziel umgedreht, da wir inmitten von Sandbuckelpisten keinen Weg zum Wasserfall mehr erwarteten

Wir haben diesmal einen Van mit Fahrer gemietet, eine sehr gute Wahl. Tagsüber muss man auf den Straßen den Schlaglöchern ausweichen oder durch die Buckelpisten surfen, abends sieht man nichts (praktisch keine Straßenbeleuchtung) und wird von entgegen kommenden Autos mit Fernlicht geblendet. Dazu kreuzen ständig Fußgänger, Radfahrer und Mofas den Weg. Am ersten Tag bleibt der Fahrer auf einmal in Kampala stehen und steigt aus. Nach einer Weile merken wir, dass er den Reifen wechselt. Nach einer Viertelstunde geht es mit Notrad weiter zu unserer Party, nach der Party ist der richtige Reifen schon wieder repariert und montiert.

Während des Biers mit den Onkeln wird der Reifen repariert.

Der Weg nach Jinja und zu den Itanda Falls war unsere längste Autofahrt, 4 Stunden hin und 5 Stunden zurück. Zwischen Kampala und Jinja kamen wir in eine Polizeikontrolle. Unser Fahrer stieg aus und nach einer Weile gibt es einen lauten Knall am Heck. Der Polizist hat das hintere Nummernschild abgerissen. Ein anderer Fahrer war mit dem Auto mal zu schnell unterwegs und hat die Strafe nie bezahlt. Jetzt hat der Autovermieter eine Woche Zeit, die Strafe nachzuzahlen. Zehn Minuten später kamen wir in die nächste Straßensperre. Die Polizistin erkundigt sich zuerst nach dem Baby, ob es ihm gut gehe und fragt dann, warum wir kein Nummernschild hinten haben. Der Fahrer erzählt die Geschichte. Die Polizistin will wissen, ob wir eine Quittung für das Nummernschild bekommen haben, haben wir nicht. Dann lässt sie uns weiterfahren. Der Fahrer hat am nächsten Tag keine Lust mehr auf das Auto ohne Nummernschild und holt uns in einem anderen Van ab. Das alte Auto sehen wir nicht wieder.

Dienstag, 21. August 2018

Urlaub in Uganda 2

Fionas Familie

Fionas Familie ist in der ganzen Welt verstreut, u.a. USA, Kanada, Frankreich, England, Deutschland, Australien und natürlich Uganda. Fionas Vater ist in den 70ern vor Idi Amin nach Berlin geflüchtet und lebt bis heute dort. Entsprechend groß war eine Feier bei ihrer Tante in Kampala am ersten Samstag unserer Reise, bei der fast alle Cousins dabei waren. Sogar ein Däne hat sich eingeheiratet, sich mit uns auf Englisch, Spanisch und Deutsch unterhalten (er wohnt in Frankreich, arbeitet in Genf) und dann mit den Kindern das Kartenspiel Uno in allen Sprachen gespielt. Meine paar Luganda-Kenntnisse (Bantu-Sprache) wurden von den anderen Verwandten mit Erstaunen zur Kenntnis genommen.
Eine Woche später waren wir in ähnlicher Runde zu einer Taufe und 40jährigen Hochzeit eingeladen. Fionas Mutter selbst lebt mit ihrem Partner in einem großen Anwesen in Entebbe mit Café/Bar, Wohnhaus und sogar einem Kuhstall.

Uno-Spiel
Ein kleiner Teil Fionas Familie im Haus einer Tante
Bei der Taufe sitzen wir im Zelt des Vaterclans, gegenüber das der Mutter

Traditionen

Zwischen den 52 Clans (Großfamilien) gibt es in Buganda (das größte und namensgebende von vier Köngreichen in Uganda) ein paar Regeln: 
  • Bei großen Festen (Hochzeiten, Taufen) gibt es getrennte Zelte für den Clan der Frau und den des Mannes (Hochzeit) bzw. der Mutter und des Vaters (Taufe).
  • Der Schwiegersohn darf den Schwiegereltern nicht die Hand zur Begrüßung geben (gegrüßt wird aber trotzdem). Die Schwiegertochter schon. Steve streckte einmal schon aus Versehen die Hand zu Fionas Mutter aus und zuckte im letzten Moment wieder zurück.
  • Der Schwiegersohn darf nicht bei den Schwiegereltern übernachten.
  • Frauen knien bei der Begrüßung ihres Vaters oder eines ranghöheren Mannes.
  • Die meisten Familien haben zwei Hausmädchen. Die Hausmädchen kochen und waschen für die ganze Familie. Das Essen des Vaters muss aber immer von seiner Frau bereitet werden.

Die dritte Regel ist der Grund, warum Fiona und Steve in Uganda immer im Hotel wohnen, obwohl es bei Fionas Mutter genügend Schlafmöglichkeiten gibt und sie die auch anbietet. Mehr zum Hotel in einem späteren Blog Post.

Die wichtigsten Frauen des Mutterclans werden vorgestellt
Das Buffet wird vom Catering aufgebaut, links ein Wasserbecken zum Händewaschen vor dem Essen. Ist weiterhin Tradition, auch wenn man heute mit Gabel isst (war vor elf Jahren die Ausnahme).

Das Catering transportiert die Stühle wieder ab (es gibt nichts, was man nicht auf einem Fahrrad oder einem Boda Boda (Mofa-Taxi) transportieren kann).

Montag, 20. August 2018

Urlaub in Uganda 1

Elf Jahre nach meinem Sabbatjahr in Ecuador und Uganda kehre ich zum ersten Mal für zwei Wochen nach Uganda zurück. Diesmal nicht alleine sondern zu siebt mit Steves und meiner Familie. Was hat sich verändert, wo kommen Erinnerungen hoch? Im Nachblick hier meine Eindrücke.

Die Reisegruppe am Nil

Steves Familie

Steves Familie hat uns wieder herzlich willkommen geheißen. Die Zahl der eigenen und angenommenen Enkelkinder hat sich von drei auf zehn erhöht, neben Paul, Maria und Samuel sind Tim (!!), Chris, Elijah, Isaak und Mayra hinzugekommen, sowie in Berlin Mia und Michelle bei Steve und Fiona. Steves Vater hat gerade eine schwere Krankheit und einen Motorradunfall knapp überstanden.

Mit Steves Eltern und Mayra

Die fünf Jungs tanzen cool, machen alles zusammen und sorgen für Stimmung, auch Mia und Melly hält es nicht mehr
Die vier Schwestern Stella, Favor, Silvia und Carol
Bruder und Schwester mit den Muzungus
Fiona und Silvia schneiden ihre Geburtstagstorte an

Freitag, 25. August 2017

Alltag in Ecuador 2

Unser Urlaub neigt sich dem Ende zu, am Samstag geht es über San Francisco - Quito - Panama - Frankfurt - Berlin wieder zurück nach Teltow. Zeit, ein letztes Mal über den Alltag zu berichten.
Franciscos Geburtstagstorte

Geburtstag
Francisco hatte heute Geburtstag. Angestoßen wird hier mit champán (Sekt, es gibt in Baños nur die gängigste Marke Grand Duval), der mit Champagner sehr wenig gemein hat und übersüß schmeckt. Dazu wird ein Löffelbiskuit gereicht. Der Kuchen wird anschließend mit schwarzem Tee, nicht mit Kaffee gegessen.
Pilsener, Hauptsponsor vieler Fußballmannschaften, hier Emelec

Bier
Bier kauft man hier nicht am einfachsten im Supermarkt,  sondern im Tante-Emma-Laden gegenüber. In unserem Fall ist das bei Rosita. Rosita hat immer mindestens 15 Bierflaschen im Kühlschrank, 0,5l Pilsener für 1,50$, im Supermarkt kosten die mit 1,35$ warm nur unbedeutend weniger. Da Rosita immer auf hat, kann man just in time kaufen und bei Bedarf später noch nachkaufen. Ein super Service!
Natürlich gab es auch diesmal wieder Humitas: gemahlener Maisbrei mit Käse in Maisblättern gekocht

Müllabfuhr
Silvias Eltern haben jetzt auch eine Müllabfuhr, die mittwochs und samstags vorbei kommt. Früher wurde viel im Garten verbrannt oder verbuddelt, das ist nun nicht mehr nötig. In Puyo kommt die Müllabfuhr sogar jeden Tag vorbei.
Starkregen hinter dem Abzweig zum Wasserkraftwerk

Postadresse
Auch Post kommt nun in San Francisco an, Rubén hat es ausprobiert und sich zum Test selbst einen Brief geschickt. Anschrift: San Francisco, Kanton Baños de Agua Santa, Straße nach Puyo hinter dem Abzweig zum Wasserkraftwerk. Hausnummern gibt es hier auf dem Land weiterhin nicht.
Ecuador first: "Kauft ecuadorianische Produkte", gesehen im Mega-Supermarkt von Ambato

Politik
Ecuador wurde zehn Jahre lang von Raffael Correa regiert, einem sozialdemokratisch populistischen Politiker, der dem Land Stabilität gegeben hat. Seine sieben Vorgänger seit 1996 sind alle nur zwischen 0,5 und 3 Jahren im Amt gewesen und durch Amtsenthebung wegen "geistiger Unfähigkeit, das Amt auszuführen" (Klasse, endlich eine Lösung für die USA...), Putsch, vorgezogene Neuwahlen oder Absetzung abgelöst worden oder waren selber nur Teil einer Übergangsregierung. Die Meinungen über Correa gehen trotzdem stark auseinander, neben vielem Guten (Ausbau der Straßen, Bildung) hat er auch die Pressefreiheit stark eingeschränkt und die Importsteuern erhöht (analog Trumps Idee "America first"). Nach zwei Amtsperioden trat er nicht mehr an, sein Nachfolger Lenín Moreno gewann die Wahl in diesem Jahr. Unser Taxifahrer aus Baños ist überzeugt, dass die Wahlen gefälscht wurden und Ecuador nun vor einem Scherbenhaufen steht, da die korrupten Politiker dem Volk das Kapital geraubt hätten.
Eingang zum Friedhof Puyo, hinten sieht man die oberste Reihen von Schiebegräbern. Spruch über dem Eingang: "Hier endet der Stolz und beginnt die Gleichheit"

Friedhöfe
Wir haben diesmal zwei Friedhöfe in Mera und Puyo besucht, wo eine Cousine und eine Tante von Silvia beerdigt sind. Beide sind wie hier üblich oberirdisch in Schiebegräbern begraben, die Gräber ähneln einer Schließfachanlage aus Stein. Das "Schließfach", in dem der Sarg steht, hat vorne eine Wand und eine individuell gestaltbare Nische: Grabstein, Foto oder die Wand nur mit Farbe beschrieben, davor Blumen, optional eine Scheibe und/oder ein schmiedeeisernes Gitter. Das Grab von Silvias Cousine ist in der obersten Etage, wo man nur mit Leiter oder einem Tritt herankommt. Eine Erklärung, warum in Lateinamerika hauptsächlich Schiebegräber benutzt werden, habe ich nicht gefunden. Es gibt Mythen wie sumpfige oder felsige Untergründe (trifft hier nicht unbedingt zu), Platzersparnis (das ist ein Argument) oder halt einfach Tradition. Verwesungsgeruch ist nicht zu bemerken, die Gräber sind also gut abgedichtet.
Don Daniel (links), hier mit Francisco und Don Edmundo, genießt seit drei Jahren seine Rente mit 60.

Rente
In Ecuador geht man mit 60 in die Rente, wenn man vorher mindestens 30 Jahre gearbeitet hat, ein Traum! Das hat uns Onkel Daniel erzählt, er und seine Frau waren Lehrer und sind seit drei Jahren Rentner. Bis 2035 wird das Renteneintrittsalter allerdings auf 65 Jahre angehoben. Correa hat 2015 die Rente auch auf Hausfrauen ausgedehnt.