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Sonntag, 29. April 2007

Die grosse Politik

Nun muss ich auch mal was ueber die Politik in Uganda schreiben, da hier einiges los war in den letzten Wochen. Aber keine Sorge zuhause, es hoert sich aus der Ferne immer schlimmer an, als es wirklich ist. Fangen wir an mit dem

Praesidenten Yoweri Museveni.

Er ist seit ueber zwanzig Jahren an der Macht, hat 1979 erst den Praesidenten Idi Amin, dann seinen Nachfolger Milton Obote bekaempft, bis er im Januar 1986 mit seiner Guerilla National Resistance Army (NRA) die Hauptstadt Kampala erobert hatte und sich zum Praesidenten erklaerte. Er beendete damit die 20 Jahre Buergerkrieg und Schreckensherrschaft unter Obote und Amin in Uganda, brachte wieder Ruhe in das Land, startete vorbildliche Aufklaerungskampagnen gegen AIDS und fuehrte 1997 erst die kostenlose Grundschulausbildung (UPE - Universal Primary Education), dann 2007 die kostenlose Oberschulausbildung (USE - Universal Secondary Education) ein. UPE und USE existieren zwar nur auf dem Papier (in der Praxis gilt das nur fuer die staatlichen Schulen, die sehr duenn gesaet sind), haben aber trotzdem merklich die Schulgaengerrate in Uganda erhoeht. Museveni hat erst ein Einparteiensystem (die NRM, National Resistance Movement), seit der letzten Wahl dann ein Mehrparteiensystem eingefuehrt. Uganda ist zum Musterland Afrikas geworden, und richtet 2007 zum ersten Mal das Commonwealth-Treffen CHOGM aus, bei dem neben anderen Staatsoberhaeuptern auch die Queen erwartet wird. Alles in allem ein wohltaetiger Diktator, aber jetzt hat er sich in eine Situation hereinmanoevriert, aus der er schwer wieder herauskommen wird.

Mabira

Mabira ist einer der letzten tropischen Regenwaelder Ugandas, gelegen am Viktoriasee zwischen den beiden grossen Staedten Kampala und Jinja. Dem Wald wird eine hohe Bedeutung fuer das Klima und die Regenfaelle in Uganda zugeschrieben. Im letzten Dezember hat nun offensichtlich Museveni ein Drittel dieses Waldes einem indischen Unternehmer versprochen, der dort nach der Abholzung Zuckerplantagen errichten will. Er hat das Parlament und die Oeffentlichkeit nicht davon unterrichtet, vielleicht hielt er es nicht fuer noetig, weil normalerweise alle Entscheidungen durch seine Partei NRM, die die absolute Mehrheit stellt, abgesegnet werden. Diesmal gibt es aber erheblichen Widerstand. So haben die Oppositionsparteien am Donnerstag nach Ostern eine Demonstration in Kampala organisiert. Die Demonstration eskalierte, aufgeheizt durch eine ungeschickte Polizeifuehrung (die geforderte Strecke am Parlament vorbei wurde auf eine Nebenstrasse verlagert, es wurde unverhaeltnismaessig schnell Traenengas gegen die Demonstranten eingesetzt und die Polizei begann in die Menge zu schiessen) und ein Inder, der vorher offensichtlich Schulkinder mit einem Motorrad angefahren hatte, wurde von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Nun wandelte sich die Demo in einen Krawall gegen Asiaten im Allgemeinen, weitere Asiaten wurden angegriffen und asiatische Geschaefte demoliert und gepluendert. Vier weitere Ugander kamen ums Leben, wohl von der Polizei und mysterioesen Sicherheitskraeften erschossen.

Museveni nutzte die Gelegenheit, namhafte Oppositionspolitiker zu verhaften. Sie haetten die Demo ja schliesslich organisiert. Er haelt weiterhin stur an seinem Plan fest, Mabira an die indische Firma zu verkaufen, auch wenn Umfragen zu Folge inzwischen 80% der Parlamentarier gegen den Verkauf sind. Inzwischen ist die Sicherheitslage aber wieder sehr ruhig in Kampala, wie frueher nach dem 1. Mai in Berlin-Kreuzberg hat sich das Leben schnell wieder normalisiert. Museveni darf sich nun keine weiteren Krawalle erlauben, will er das Prestige-Objekt CHOGM im November nicht gefaehrden. Die Vorbereitungen fuer das Commonwealth-Treffen laufen auf Hochtouren, aehnlich einer Olympiade: die Schlagloecher in Kampala sind beseitigt worden, die Strasse zwischen Entebbe (Flughafen und Bankett-Ort) und Kampala wird seitlich bepflanzt, eine Sauberkeitskampagne fuer Kampala gestartet, das Staatshaus in Entebbe restauriert und so weiter. Uganda will sich der Queen im besten Lichte praesentieren...

Inder in Uganda

Inder sind in Uganda ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, betreiben viele Hotels und Geschaefte. Unter Idi Amin enteignet und vertrieben, kamen sie unter Museveni wieder nach und nach nach Uganda zurueck. Es gibt in Luganda einen eigenen Namen fuer sie, waehrend weisse Europaer und Nordamerikaner als Muzungu bezeichnet werden, heissen sie hier Muyindi. Da sie wirtschaftlich sehr erfolgreich sind, sind sie unter vielen Afrikanern nicht so beliebt. Die Integration bleibt schwierig.

Samstag, 28. April 2007

Hochzeit

Die Brautjungfern (unter den Kopftuechern versteckt die am naechsten Tag praesentierten Frisuren) vergnuegen sich auf dem Kasiki des Braeutigams

Gestern hat sie nun statt gefunden, die seit drei Monaten in aufwaendig geplanten Treffen vorbereitete Hochzeit von Florence Favor und John Bosco. Dem voraus gingen zwei Kasiki, das sind die Junggesellenabschiede der Braut und des Braeutigams. Jede dieser drei Veranstaltungen bestand zum Grossteil aus:
  1. einem grossen ugandischen Buffet-Essen,
  2. einem oder mehreren Party-Zelten mit Reihen der hier universell verwendeten weissen Plastikstuehle,
  3. einem DJ, der afrikanische und internationale Musik auflegt
  4. und vorher einer Messe, Gebeten bzw. dem Hochzeitsgottesdienst.
Kasiki: eine Jugendkirchengruppe tanzt, als haetten sie keine Knochen.

Ich wohne ja im Haus der Brautfamilie, das die letzte Woche ueber taeglich voller wurde: die Schwestern (und Brautjungfern) Lydia und Carol kamen aus dem Internat / der Uni zurueck, das neben Maria zweite Blumenmaedchen Princess wurde mit einquartiert und jede Menge anderer Jungfern, Kinder und Helferinnen.

Carol und Lydia verpacken in der Hektik des Hochzeitstages noch schnell ein Geschenk

Am Freitag morgen kommen dann zwei Friseusen und bauen im Wohnzimmer einen Salon auf: mit Trockenhaube und einem grossen Buendel der hier bei den Damen so beliebten schwarzen (oder braunen) Kunsthaare, die in die Zoepfe oder die Frisur eingeflochten werden. An diesem Tag werden alle Damen (Mutter, Brautjungfern, Blumenmaedchen) gestylt, am naechsten Tag dann die Braut selbst. Letztere ist immer noch etwas schwach, sie hatte sich gerade von einer Malaria-Atacke erholt, als sie mit Kopf- und Nackenschmerzen in der Woche vor der Hochzeit fuer eine Nacht ins Krankenhaus gebracht wurde.

Gruppenbild der Familien der Brautpaare nach der kirchlichen Hochzeit.

Am Samstag frueh kommt dann noch ein Mann fuer die Mani- und Pedikuere aller Damen vorbei, in Uganda wird dieser Service komischerweise hauptsaechlich von Maennern angeboten. Waehrend die Frauen sich fein machen, gehe ich ins Internet-Cafe und drucke noch schnell eine Nachricht von Steve aus Berlin fuer seine Schwester aus, die auf der Hochzeit vorgetragen werden soll. Wieder zurueck, fragt mich Steves Mutter, ob ich eigentlich einen Kanzu haette. Ein Kanzu ist das traditionelle weisse Maennergewand in Uganda, ueber dem man ein Jacket traegt. Vorher wurde mir immer gesagt, fuer eine Hochzeit braucht man das nicht, aber ich finde die Idee gut und lasse mir einen Kanzu des Vaters geben.

Auf der Hochzeitsfeier am Lido-Strand mit meinem massgeschneiderten Jacket und dem traditionellen Kanzu

Dann warten wir auf die Autos, die uns zur Kirche bringen: Die Braut und die Brautjungfern in zwei dunklen Limousinen (ein Toyota, klar, und, Ueberraschung, ein BMW), die Familie in einem Taxi-Bus, den einer der Gaeste als Spende fuer die Hochzeit kostenlos zur Verfuegung stellt. Als wir abends wieder heimkehren, wollen die Taxifahrer Geld fuer den Service haben, sie wissen nichts von einer Spende. Der Spender (ihr Chef) selbst ist telefonisch nicht erreichtbar, legt auf, sobald er die Stimme von Steves Mutter hoert. Wir sind nur bereit, wie vereinbart das Benzingeld, nicht das Auto selber zu bezahlen.

Die Hochzeitstorte besteht aus lauter Bandas, den ugandischen Huetten.

Die Hochzeit findet zuerst in einer Kirche in Entebbe statt, danach wird am Lido Beach, nahe des Flughafens Entebbe gefeiert. Auffaellig ist neben den ganzen Brautjungfern, zwei Blumenmaedchen und einem Blumenjungen (wie nennt man den auf deutsch, auf english heisst er peg boy?), dass der maennliche Trauzeuge (best man) genau die gleiche Kleidung traegt wie der Braeutigam.

Das Hochzeitspaar haelt Einzug in Lido Beach und durchschneidet das Band.

Im Lido warten die ueblichen Zelte, nette Einweiserinnen (die ich schon von den Hochzeitstreffen kannte), Limonadenflaschen und weissen Plastikstuehle (diesmal mit einem weissen Stoffueberhang bedeckt) auf uns. Dann einige, zum Glueck sehr kurze Reden, der Einmarsch des Brautpaares mit Trauzeugen, Brautjungfern und Blumenkindern und schliesslich ein koestliches Buffet (diesmal sogar mit Gabeln, bei den Kasikis haben wir traditionell mit der Hand gegessen).

Fototermin mit zwei Hostessen, Groessen durch die Stufen angepasst...

Zum Schluss werden, teilweise tanzend, die Geschenke uebergeben (bei ca. 400 Gaesten kommt einiges zusammen) und der Kuchen (in Form von Bandas = Huetten) angeschnitten: einige der Bandas werden gleich gegessen, andere wichtigen Familienoberhaeuptern mit nach Hause gegeben, unsere Familie erhaelt zwei Kuchen. Recht frueh, gegen 21:00, loest sich die Gesellschaft dann auf, ich darf im Brautpaar-BMW mitfahren. Das Kasiki vom Vortag (manche haben die ganze Nacht durch getanzt), hat anscheinend Spuren bei der Ausdauer hinterlassen.

Samstag, 21. April 2007

Ausflug zum Lake Nkuruba

Nachdem ich die letzte Zeit nicht zum Schreiben gekommen bin, weil abends gerade mein zweiter Projektmanagement-Kurs laeuft und ich am Wochenende immer verreist bin, hier zumindest ein paar Bilder der letzten Woche:

Ostermontag in Kasenyi, einem kleinen Fischerdorf nahe Entebbe. Von hier aus fahren ebenfalls Fischerboote in Richtung Ssese-Inseln ab, die haben wir aber nicht genommen. Hier der Reisebericht einer Muzungu, gefunden im Internet.

Auf einem Huegel nahe dem Lake Nkuruba, Fort Portal, in der Naehe der kongolesischen Grenze. Das Wochenende nach Ostern verbrachte ich hier mit Rashmi und Jonas.

Auf unserem Campingplatz direkt am Lake Nkuruba sehen wir viele dieser Affen mit langem Schwanz in den Baeumen herumspielen. Sie gehoeren zur Gattung der Meerkatzen.

Rolex, das ist in Uganda keine noble Uhrenmarke, sondern ein zusammengerollter Chapati (indischer Mehlfladen), in dem ein Ruehrei steckt. Schmeckt sehr lecker und wird an jeder Strassenecke angeboten. Die Zubereitung wirkt immer etwas schmuddelig, aber die heisse Pfanne toetet alle Keime ab...

Der Westen Ugandas ist sehr gebirgig und geht in das Rwenzori-Gebirge ueber. In diesen Hoehen waechst Tee, rechts eine Teeplantage.

Ein paar Sekunden, nachdem ich dieses Foto gemacht habe, platscht es laut fuenf Meter weiter rechts im Wasser. Wir koennen gerade noch den Kopf eines abtauchenden Nilpferdes erkennen, das davon schwimmt. Unser erstes "Hippo" in freier Wildbahn!

Das Rwenzori-Gebirge im Hintergrund, hier wird auch Mineralwasser abgefuellt. Das Gebirge ist eins der hoechsten Afrikas.

Maria (links) und ihre Freundin haben sich fuer das Kasiki fein gemacht, den Jungesellenabschied von Florence Favor aus meiner Gastfamilie, die am naechsten Samstag heiratet. Maria ist eine suesse Nervensaege und wohnt waehrend der Schulzeit bei uns.

Montag, 9. April 2007

Das Osterwochenende in Bildern


Karfreitag frueh ist schon Osterverkehr auf der Strasse vor meiner Haustuer.


In Entebbe treffe ich mich mit Jonas (daenischer Voluntaer) und Rashmi (englische Voluntaerin mit nepalesischen, indischen und tibetischen Wurzeln).


Die einzige Faehre auf die Ssese-Inseln sollte um zwei ablegen, um eins sehen wir sie nur noch von hinten. Was nun? Auch in Afrika laesst man sorglos alles auf sich zukommen, es geht schon immer irgendwie weiter. Ein grosses, einfaches Fischerboot springt ein und bringt die ca. 50 wartenden Fahrgaeste auf die Inseln.


Die Rettungsweste hat sich dieser Mann selbst mitgebracht. Waehrend der fuenf Stunden Ueberfahrt (die Faehre benoetigt drei Stunden) unterhaelt uns ein Gospel-Chor.


Auf Ssese-Islands uebernachten wir auf dem Campingplatz eines Hollaenders, statt einer morgendlichen Dusche laufen wir lieber die zehn Meter zum Strand!


Die drei Farben rot, gruen und blau (Erde, Baeume, Himmel) werden mir immer fuer Uganda in Erinnerung bleiben. Im Hintergrund der typische Nebel am Waldhang.


Muzungu! Bye, Muzungu!


Was machen die Maenner am Samstag nachmittag, waehrend die Frauen kochen? Na klar, es wird englische Premiership Fussballliga geguckt, hier Chelsea mit Michael Ballack gegen Tottenham! Eintritt in die Holzhuette: 1000 Shilling (45 Eurocent) pro Spiel.


Rueckfahrt auf einer anderen Route, unsere Sammeltaxe wartet auf die Faehre nach Masaka, vergeblich, wie sich bald herausstellt, die Faehre hat einen Motorschaden. Was nun? Diesmal setzt uns ein kleines Holzboot innerhalb von einer halben Stunde ueber.


In der Gegenrichtung ist ein Matooke-Laster gestrandet, gibt es heute noch eine Ueberfahrt?


Die zweite Aequator- Ueberquerung an diesem Wochenende erfolgt auf dem Landweg, die erste erlebten wir im Boot. Der Aequator verlaeuft ein paar Kilometer suedlich von Entebbe durch den Viktoriasee, Entebbe liegt auf 0 Grad und 4 Winkelminuten noerdlicher Breite.

Donnerstag, 5. April 2007

Satellitenbilder von Google Maps

Danke fuer ueber 3000 Besuche auf dieser Seite und frohe Ostern!

Der Taxi Park von Kampala: die weissen Ameisen sind die Toyota-Minibusse, die als Sammeltaxen den gesamten Verkehr Ugandas abwickeln.





Flughafen und Stadt Entebbe auf einer Halbinsel im Viktoriasee







Bishop Sisto Mazzoldi Oberschule mit katholischer Kirche (oben links) und Schlafsaelen (oben rechts).






Ssese Islands, Ferienparadies im Viktoriasee, wo ich mit anderen Voluntaeren Ostern verbringe.