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Samstag, 31. März 2007

Alltag in Uganda III

Heute will ich mal auf den letzten Druecker meinen Monatsrekord von 11 Artikeln aus dem letzten Juli toppen mit diesem 12. Artikel im Maerz. Gleichzeitig ist dies schon wieder mein Halbzeitsdatum fuer den Aufenthalt hier in Uganda, wie schnell doch die Zeit vergeht!

Fotoapparate

Die Ugander sind ganz verrueckt nach Fotos. Praktisch keiner hat eine Kamera, und so wurden die beiden Digitalkameras von mir und der anderen Voluntaerin Iðunn Ása (die inzwischen nach Island zurueckgekehrt ist) von Anfang an als Gemeineigentum des Africa Mentoring Institutes betrachtet. Was einerseits ganz praktisch ist, so bin ich wenigstens auf vielen Fotos zu sehen, wenn die anderen fotografieren. Manche Kollegen wollen am liebsten taeglich fotografiert werden und bei Einladungen muss ich die Kamera immer dabei haben, sonst gibt es lange Gesichter. Oft wird die Kamera in Selbstbedienung von jemandem benutzt, inzwischen habe ich auch allen beigebracht, dass man nicht mit den Fingern auf das Objektiv fasst. Als ich die Kamera meinen Informatik-Schuelern im Unterricht beim Thema "Eingabegeraete des Computers" gezeigt hatte, hat das ein kleines Erdbeben ausgeloest. Ich habe die Klasse mehrfach fotografiert und alle wollten natuerlich das Ergebnis gleich auf dem LCD-Display begutachten.

Muellentsorgung


Wilde Muellkippe und ein Termitenhuegel zwischen zwei Doerfern

Die Muellentsorgung in Ecuador war schon anders als in Europa, ich glaube, ich habe nie darueber berichtet. Es gab dort keine Muelltonnen, man hat seinen Muell in Supermarkt-Plastiktueten verknotet, die man an bestimmten Tagen an den Strassenrand gelegt hat (manchmal auch in 1 Meter ueber dem Bordstein angebrachte Drahtkoerbe, wohl um die Ratten fernzuhalten), und ein Muelllaster hat die Tueten dann eingesammelt. Manchmal mitten in der Nacht, wenn der Laster durch unsere kleine Strasse gepoltert kam, wackelten die Waende und die Alarmanlagen einiger Autos sprangen an.

In Entebbe habe ich im ganzen Haus bisher noch keinen Muelleimer oder Papierkorb gesehen. Bananenschalen (es gibt oft abends Bananen zum Tee auf der Veranda) werden z.B. einfach irgendwo neben die Feuerstelle geschmissen, das Hausmaedchen sammelt diese dann irgendwann auf und legt sie auf einen kleinen Abfallberg hinter dem Haus. Der Abfallberg wird dann alle paar Tage angezuendet und verbrannt. Jeder hat also seine eigene Muellkippe am Haus. Meine Mineralwasserplastikflaschen werden von der Familie wiederverwertet (dort wird das abgekochte Wasser eingefuellt, was danach als Trinkwasser in den Kuehlschrank wandert) und dann gibt es noch in jedem Dorf ein, zwei Stellen auf einem zentralen Platz, wo der Muell in groesserem Stil auf und um einen Muellcontainer herum gelagert wird. Dort werden z.B. die grossen Matooke-Staemme entsorgt, die uebrig bleiben, wenn man die Kochbananenstauden verarbeitet hat.

Rauchen und Trinken

Es gibt keine Raucher in Uganda, das ist komisch, weil es einem erst nach einer Weile auffaellt. Es ist aber wirklich so, ich habe in 3 Monaten noch keinen einzigen gesehen (ausser einmal einer weissen Frau aus Daenemark...). Verboten ist es nicht, vielleicht zu teuer? In Ecuador war Rauchen weit verbreitet.

Auch Alkohol wird hier nur in Maszen getrunken, auf einer der beiden Hochzeiten gab es ausser dem selbstgebrauten Hirsebier nur Limonade, auf der anderen Hochzeit gab es einige verschiedene Biersorten. Wein oder Schnaps ist purer Luxus.

Generell gibt es wegen der Trinkwasserproblematik hier Getraenke nur in verkronkorkten Flaschen. So ist die in Deutschland laengst vergessene klassische Coca-Cola-0,3l-Glasflasche hier gang und gaebe, und wird kistenweise gekauft, 24 Stueck fuer 4,50 Euro, oder eine Flasche fuer 22 Eurocent im Laden, 45 Eurocent im Restaurant. Aber auch das ist Luxus und wird nur Gaesten manchmal angeboten, das uebliche Getraenk in der Familie ist Wasser - und Chai (suesser Tee mit Milch). Auch bei den Limonaden hat England hier seine Spuren hinterlassen, ausser Cola, Fanta, Sprite gibt es Krest (Bitter Lemon) und Stoney (ein recht scharfes, aetzendes Ginger Ale), alles in den 0,3l-Flaschen.

Kindergeburtstag (Favours Sohn Sam wird ein Jahr alt) mit Limonadenflaschen, gesponsert von "Uncle Tim"

Das Pfandflaschensystem ist aehnlich undurchsichtig wie in Ecuador. Man kann zwar hier die Flaschen ohne Probleme kaufen und aus dem Geschaeft mitnehmen und bekommt auch ein geregeltes Pfand berechnet (200 USh fuer die kleinen Flaschen, 600 USh fuer die grossen). Bei der Rueckgabe muss man aber jedesmal extra darauf hinweisen, dass man Geld fuer die leeren Flaschen haben moechte. In einem Supermarkt war das angeblich nur in Verrechnung mit neuer Ware moeglich (ich wollte die Flasche einfach nur abgeben, nix neues kaufen), nach langer Diskussion habe ich das Pfand dann ausgezahlt bekommen. In anderen Geschaeften wird das immer einfach nur "vergessen", vielleicht will man pruefen, ob der Muzungu noch weiss, dass er mal Pfand fuer die Flasche bezahlt hat...

Hochzeitstreffen

Ende April heiratet Florence Favour, Steves Schwester. Wie wird eine Hochzeit hier organisiert? Mitte Januar, als Steve noch in Uganda war, begannen die ersten Planungen: das Budget wurde professionell in Excel auf dem PC erstellt, und sogenannte Plegde Cards gedruckt. Damit wird einerseits der Termin bekanntgegeben, andererseits gibt es einen Abschnitt, auf dem man ausfuellen muss, wie viel man zur Hochzeit beitragen/spenden moechte. Ach ja, und dann stehen die Termine fuer die Hochzeitstreffen auf der Karte: jeden Sonntag, 17:00, in Entebbe. Diese Treffen haben anscheinend zwei Gruende:
  1. Man will die Spendenbekundungen einsammeln (Pledge Cards), und spaeter dann natuerlich auch das tatsaechliche Bargeld.

  2. Die Hochzeit soll organisiert werden, und dabei haben alle Gaeste und Anwesenden bei den Hochzeitstreffen Mitspracherecht.
Die Qualitaet und Effektivitaet dieser Treffen haengt stark vom jeweiligen Chairman, dem Vorsitzenden ab. In der Regel ist das ein Junior-Pastor aus der Kirche. Also die erste Stunde vom Meeting erstmal eine Predigt, was fuer eine schoene Sache doch die Ehe ist und dass man dafuer ordentlich spenden soll, Gott wird es einem schon irgendwann danken, er verbucht und vermerkt alles. Die danach eingehenden Spendenbekundungen werden oeffentlich vorgelesen und beklatscht. Dann wird das Budget Punkt fuer Punkt durchgegangen, die Kosten dafuer hinterfragt, ueberlegt, ob es schon einen Spender fuer diesen Punkt gibt, ob man nicht hier oder dort etwas sparen koennte und wie das Ganze wohl am besten organisiert wird. Einige Teilnehmer geben Sachspenden, stellen z.B. die Fahrzeuge fuer den Transport zwischen Kirche und Strand, wo die Party stattfindet, zur Verfuegung. Es wird ein Protokoll gefuehrt, das aber beim naechsten Meeting (und meist einem anderen Chairman) nicht beachtet wird, und alle Punkte werden in jedem Meeting von Neuem besprochen.

Irgendwann ist mal einer sehr guten Chairwoman aufgefallen, dass ja zwei Hochzeitstreffen immer parallel stattfinden, naemlich das von der Familie des Braeutigams und das von der Familie der Braut. Sie meinte, das muesse koordiniert werden, es koenne ja sein, dass unser Treffen zum gleichen Punkt so entscheidet und das andere Treffen eben anders. (Auf meine Frage spaeter an Steves Mutter, warum man nicht ein Treffen macht mit beiden Parteien zusammen, kam nur ein verstaendnisloser Blick, das gehe auf keinen Fall, vor der Hochzeit kann man nicht beide Familien zusammen bringen). Raunen und Zustimmung. Beim naechsten Treffen hat sich aber nicht viel geaendert, das hat wieder der Junior-Pastor geleitet. Steves Mutter beklagt sich, dass bisher nur Spendenbekundungen, aber noch kaum Bargeld eingegangen ist. Wieviel wirklich schon zusammen ist, wieviel noch fehlt, und ueberhaupt die Summe der ganzen Kosten (die Summenzeile wurde im Budget vergessen) hat aber glaube ich noch keiner ausgerechnet, zumindest nicht kommuniziert. Naja, ich habe meine Spende bezahlt und sogar schon mein massgeschneidertes Jacket vom Schneider abgeholt - im zweiten Anlauf, der erste Versuch war zu eng geschnitten...

Gebete

Gebete sind hier gang und gaebe, vor und nach jedem Arbeits- oder Familientreffen wird gebetet, oft auch zu den Mahlzeiten. Die meisten Vortraege werden mit "Praise God!" eroeffnet. Am Sonntag geht jeder zur Kirche, die Moslems (15% der Bevoelkerung) am Freitag.