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Mittwoch, 2. August 2006

Alltag in Ecuador

Nach 12 Tagen in Ecuador schreibe ich heute mal ueber die Tuecken des Alltags, an die man sich erstmal gewoehnen muss. Fangen wir an mit dem

Verkehr

In Ecuador wird sehr viel mit der Hupe gefahren und ohne jede Ruecksicht auf Fussgaenger. Gehupt wird u.a. eigentlich immer, wenn man jemanden ueberholt. Es besteht Gurtpflicht, woran sich aber kaum jemand haelt, es sei denn, man faehrt an der Polizei vorbei.
Fuer Busse gibt es keine Fahrplaene oder Liniennetze, Haltestellen auch fast nicht. Man fragt am besten einen Kollegen oder seine Familie, welchen Bus man am besten nimmt. Nur nicht den Busfahrer fragen, der kennt z.B. den Zoo von Guayaquil in der Regel nicht, obwohl er dran vorbei faehrt. Man geht also an die von den Freunden genannte Strasse, schaut wo eine groessere Gruppe von Wartenden steht, gesellt sich zu denen und wartet. In der Regel kommt der naechste Bus der gewuenschten Linie nach spaetestens 5 Minuten. Man muss die Nummer nur schnell finden, bevor der Bus wieder vorbei gefahren ist. Da es die unterschiedlichsten Busgesellschaften gibt, stehen die Busnummern auch an den unterschiedlichsten Stellen. Hat man die Nummer gesichtet, macht man eine Handbewegung mit der Handinnenflaeche nach unten, die in Deutschland eher bedeuten wuerde: "Nun bleib mal auf dem Teppich, immer ruhig." Hier heisst diese Bewegung "Komm her zu mir!" oder einfach nur "Anhalten, ich will mitfahren". Nun muss man sehr sportlich sein, zumindest wenn man als einziger oder zu zweit einsteigt. Der Bus haelt dann naemlich nicht an, sondern bremst nur etwas ab. Man greift an die Stange an der immer offenen Vordertuer (die Hintertuer ist bei allen Bussen verschlossen), springt auf wie frueher in London und hat in der anderen Hand schon abgezaehlt die Muenzen fuer das Fahrgeld. Bloss keine Scheine, die wechselt der Fahrer einem nicht! Der Fahrpreis betraegt meist 25 Centavos, manchmal auch nur 18 und steht gross an der Frontscheibe dran.
Im Bus kriegt man fast immer einen Sitzplatz und muss nun mitdenken, wo man etwa aussteigen will (es gibt ja keine Haltestellen...). Waehrend der Fahrt steigen oft Haendler jeden Alters (die juengste war vielleicht 10) ein, die einem Bonbons, Eis am Stiel, Wasser in Plastiktuetchen (so welche, als ob man seinen Aquariumfisch transportieren will), Kokosnuss oder Lotterielose verkaufen wollen. Das Papier vom Eis wird am einfachsten aus dem Fenster entsorgt. So sieht der "Gruenstreifen" an der Schnellstrasse dann auch aus, ein durchgehender 2-4 m breiter Muellstreifen... Zum Aussteigen laeuft man wieder nach vorne zum Fahrer, der dann nach Gutduenken bei der naechsten Moeglichkeit abbremst. Nun muss man entscheiden, wann und wie man durch die offene Vordertuer herausspringt. Je frueher man springt, desto mehr muss man darauf achten, nach der Landung gleich in Fahrtrichtung weiterzulaufen. Sonst faellt man durch den Impuls einfach nach vorne um. Ist wohl schon einigen hier passiert, u.a. auch einem meiner 9 Gastbrueder.

Essen und Trinken

Das System mit den Pfandflaschen habe ich noch nicht ganz verstanden. Es gibt welche, Bier und Wasser in Glasflaschen. Will man die allerdings in einem kleinen Geschaeft kaufen, wird man mit einem Schwall von Fragen ueberhaeuft, die darauf abzielen, wo man die Flaschen trinken will. Vielleicht trinkt man hier Glasflaschen immer gleich im Laden aus und gibt sie dann sofort wieder ab? Wenn man sie mitnehmen will, muss man jedenfalls versprechen, sie auch mañana wieder zurueckzubringen und bekommt dafuer wohl ein Pfand berechnet, das man aber nie erstattet bekommt. Also Wasser immer in Plastikflaschen, Bier in Dosen kaufen. Komisches System...
Zum Essen besteht hier hier jede warme Mahlzeit erstmal zu zwei Dritteln aus Reis. Meist gibt es dann noch eine andere Beilage, z.B. Kartoffeln dazu. Dazu ein Stueck Fleisch oder Gulasch/Frikassee, Sosse und auf dem Reis ein grosses Stueck Kochbanane. Mir wurde schon zweimal Caldo de Salchicha bzw. nur Salchicha angeboten. Eine Wuerstchenspezialitaet, weil ich doch Deutscher bin, die Wuerstchen lieben! Caldo steht fuer Suppe. Die Wurst selber ist wie eine japanische Sushi-Reis-Rolle und schmeckt ganz gut, bis einem gesagt wird, dass das Rotbraune im Reis Schweineblut ist. Blutwurst halt, die schmeckt mir aber auch in Deutschland nicht. Dazu gibt es dann noch Innereien wie Leber aber auch Schweinefuesse und -haut. Naja, man muss halt alles mal probieren :-)

Sicherheit

Ich bin in Suedamerika, und da ist man ja schon irgendwie vorgewarnt. Zum Busfahren nehme ich z.B. nichts mit wie Kamera, i-Pod oder Kreditkarte. Nur ca. 10 Dollar und mein Handy (was hoffentlich nie waehrend der Fahrt klingelt!). Ich habe uebrigens jetzt eine ecuadorianische Handynummer: 00593-(0)84200813. Die Geschaefte sind meist bewacht und viele Haeuser und Wohnungstueren massiv mit Mauern und/oder Eisengittern geschuetzt. Gleich bei der Ankunft in Guayaquil kam ich mit meiner Gastfamilie in eine Polizeikontrolle. Alle Autos wurden angehalten und von maschinengewehrbestueckten Beamten nach Waffen durchsucht. Bei der Identifizierung hatte ich Probleme. Mein Reisepass ist noch irgendwo in Quito bei der Botschaft oder bei AFS, weil man nach der Einreise das Visum registrieren lassen muss. Die Kopie des Reisepasses von AFS reichte nicht aus, mein Fuehrerschein und die Flugtickets auch nicht. Kurz bevor ich nun offensichtlich abgefuehrt werden sollte fiel mir ein, dass ich ja noch eine zweite Kopie meines Passes hatte, diese in Farbe und noch wichtiger mit der Seite des Visums. Nun entspannte sich das Gesicht des Beamten, der vorher schon per Funk viel herumtelefoniert hatte. Ich durfte wieder in das Auto einsteigen, puh!
Das hoert sich jetzt wahrscheinlich alles viel schlimmer an, als es ist. Wenn man bestimmte Sachen beachtet und sich nicht wie ein Tourist verhaelt, lebt man hier ganz in Ruhe, also keine Angst haben zu Hause!!

So das war es erstmal, demnaechst schreibe ich mehr ueber meine Arbeit im Zoo!