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Samstag, 17. März 2007

Arbeiten in Uganda

Diese Woche hatte ich interessante Gespraeche mit zwei Kollegen ueber den Arbeitsalltag in Uganda. Fangen wir an mit

Immaculate, um die 30, Lehrerin fuer Informatik und Wirtschaftskunde: Ein Lehrergehalt betraegt hier um die 170.000 USh, das sind 75 Euro. Fruehstueckstee und Mittagessen wird in der Schule gestellt, aber zieht man ihre Miete (60.000 USh) und das taegliche Fahrgeld (40.000 USh) ab, bleibt schon nur noch weniger als die Haelfte uebrig. Das Gehalt in dieser privaten Schule (Bishop Sisto Mazzoldi) wird nur unregelmaessig gezahlt, in den Ferien zwischen Anfang Dezember und Anfang Februar gab es z.B. keine Zahlung. Unter den Kollegen werden die Zahlungen in Wassermengen ausgedrueckt: Nieselregen fuer eine kleine Zahlung, Regen fuer eine normale Zahlung und Tsunami, falls die Zahlung sehr hoch ist (um die mageren Vormonate auszugleichen). Am Anfang war ich irritiert, als dauernd ueber die naechsten Regenfaelle gesprochen wurde, dann wurde ich eingeweiht. Der letzte Tsunami war im November. Nur die Lehrer an staatlichen Schulen sollen ihr Gehalt (350,000 USh) regelmaessig bekommen, manchmal sogar Sonderzahlungen in Naturalien (Zucker, Weizenmehl usw.). Eine staatliche Kranken- oder Rentenversicherung gibt es nicht, zum Arzt geht man halt nur selten, und die Alten sind auf die Gnade ihrer Familie angewiesen und wohnen bei ihren Kindern. Die gerade eingefuehrte freie Schulbildung auch fuer Oberschulen existiert nur in der Theorie: Grund- und Oberschulen, zu denen man seine Kinder umsonst schicken kann, sind duenn gestreut, in der Regel muss man also auch noch Schulgeld fuer die Kinder zahlen. Klar, dass bei diesen Ausgaben keine Moeglichkeit fuer Sparen bleibt. Die Intelligenz versucht daher ihr Glueck im Ausland, unter anderem in Dschuba im Suedsudan. Trotz Buergerkrieg sollen dort die Loehne und Arbeitsmoeglichkeiten besser sein.

Henry mit seiner Freundin Angella (beide arbeiten im AMI)

Mein Kollege Henry, 20, Cheforganisator und Finanzminister im Africa Mentoring Institute (AMI): Nach Abschluss der Bishop Sisto Mazzoldi Schule vor zwei Jahren hat er in der Tankstelle Fuel-Ex angefangen zu arbeiten. Monatslohn 70,000 USh (32 Euro), minus Abzuege bei Fehlern, die am Anfang haeufig waren. Zusaetzlich hat er taeglich 2,000 USh fuer Mittagessen bekommen. Er wohnt noch zu Hause, wenn ich das richtig verstanden habe in einer 18-koepfigen Familie, der Vater hat vier Frauen. Irgendwann wurde in der Tankstelle das ganze Team verdaechtigt, Diesel aus den Tanks abgepumpt und gestohlen zu haben, um einer Verhaftung zu umgehen, ist Henry dann nicht mehr auf der Arbeit erschienen. Um sich weiterzubilden, hat Henry danach im AMI den Kurs "Job Creation and Business Start-Up" besucht. Er hat dort so ernsthaft mitgearbeitet, dass Paul ihn hinterher gefragt hat, ob er nicht fuer das AMI arbeiten will. Dort ist er nun seit letztem Juli. Die Mentoren (=Teilhaber) im AMI geben sich kein regelmaessiges Gehalt, Henry bezeichnet sich deshalb auch als Voluntaer. Wenn Geld da ist, weil gerade Kurse angeboten werden, wird das aufgeteilt, sonst gibt es eben nichts. Echte Voluntaere sind auch noch Habibah und Flavia, die im Institut kochen und putzen. Sie bekommen nichts dafuer ausser Bildung, sie koennen kostenlos an allen Kursen teilnehmen. Das alleine macht die Arbeit interessant fuer sie, spaeter wollen sie sich selbstaendig machen.
Derweil liest man ueber die Geldgier in der Politik in den Zeitungen:
  • Eine Bedingung vom nun James-Bond-bekannten LRA-Rebellenfuehrer Joseph Kony fuer die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen im Norden Ugandas war die Erhoehung der Spesen fuer seine Delegationsmitglieder waehrend der Verhandlungen. Seine Leute haben bisher zusammen 70$ taeglich bekommen (ein Lehrermonatslohn, s.o.). Im Dezember war sein Begehren auf Weihnachts(aus)fluege nach London, Stockholm und Koeln abgelehnt worden, im Januar wurden die Verhandlungen abgebrochen...
  • Die ugandischen Parlamentarier haben sich gerade aufgeregt, dass sie jeder nur 35 Mio USh (16.000 Euro) fuer die Anschaffung eines Dienstwagens bekommen, statt 69 Mio USh wie urspruenglich geplant. Die Abgeordneten bekommen das Geld so ausgezahlt, es bleibt ihnen ueberlassen, ob sie sich davon wirklich ein Auto kaufen oder nicht...