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Sonntag, 5. April 2015

Osterfischsuppe und hohe Politik

Fanesca im Kreise der Familie
Fanesca

Die Fanesca ist das ecuadorianische Osternationalgericht, auch wir haben sie am Karfreitag wieder gegessen. Um diese Suppe polarisiert sich dieses Jahr sogar die Politik. Die Regierung Correas (seit 2007 an der Macht) hat nach anfänglich vielen guten Dingen (z.B. Ausbau der Landstraßen und freiem Universitätsstudium) in letzter Zeit einige unpopuläre Maßnahmen getroffen, u.a. die Anhebung der Einfuhrzölle. Statt die heimische Wirtschaft zu schützen, hat das vor allem einen erheblichen Preisanstieg in praktisch allen Bereichen bewirkt, da Ecuador ziemlich abhängig von ausländischen Rohstoffen und Produkten ist. So sind auch die Preise für den Klippfisch (Trockenfisch, spanisch bacalao) gestiegen, der Hauptzutat für die Fanesca. Hinzu kommt der "normale" Preisanstieg für Fisch durch die weltweite Überfischung. Hat eine Fanesca im Restaurant vor zehn Jahren noch etwa 3$ gekostet, waren es vor zwei Jahren 6$, letztes Jahr 8$ und dieses Jahr schon 10$. Über Facebook beschweren sich die beiden großen Oppositionspolitiker Jaime Nebot (Bürgermeister von Guayaquil) und Mauricio Rodas (Bürgermeister von Quito) über die hohen Fanescapreise, während Präsident Correa ebenfalls über Facebook den Preisanstieg nicht sieht und schreibt: "3,50$ delikate Fanesca in Santo Domingo. Wo essen die Reichen, die viermal so viel bezahlen?" Die Polarisierung der Politik stellt meines Empfinden nach auch lange Freundschaften hier auf eine harte Probe, wenn einer Regierungs- und der andere Oppositionsanhänger ist. Vor einigen Jahren hat das noch kaum eine Rolle gespielt.

Facebook 1: "Nach der Arbeit (...) essen wir eine sehr leckere Fanesca, (...) teuer wie nie zuvor"

Facebook 2: Die Antwort vom Präsidenten Correa

Heute am Ostersamstag haben wir auch Fisch gegessen, die einheimischen Forellen (bezahlbar für 5$ das Stück) lecker gegrillt. Da wir neun Personen waren und die Busse wegen des Osterverkehrs nur voll vorbeigefahren sind, haben wir einen Pick-Up organisiert. Frauen, kleine Kinder und Silvia Eltern saßen in der Kabine, während ich mit John und seinen schon großen Kindern auf der Ladefläche stand (es regnete, deshalb konnte man sich nicht hinsetzen). Durch den Regen war aber auch das Geländer zum Festhalten sehr glipschig,, der Regen wurde immer stärker, peitschte mit 80 km/h ins Gesicht und der Fahrer hatte in den Kurven offenbar vergessen, dass er noch Ladung hintendrauf hatte. Der Fisch hinterher hat doppelt so lecker geschmeckt. Hinterher kam dafür die Sonne hervor und brannte mir mit voller Wucht beim Spazierengehen auf den Kopf (ich hatte die Mütze vergessen). Naja, so haben wir alle ecuadorianischen Jahreszeiten an einem einzigen Tag erlebt.

Silvia und John pflücken Berros (Feldsalat, Brunnenkresse) am Fluss
Forellenessen
Eine Seilbahn über den Pastaza, fast fertig, wird nie vollendet.
Skulptur in Mera