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Donnerstag, 15. März 2007

Toyota

Toyota Land-Cruiser der UN

Irgendwann fiel mir auf, dass 80% des Autoverkehrs in Uganda von Toyota abgewickelt wird. Da gibt es zuerst einmal die Sammeltaxis, allesamt Minibusse des Typs Toyota Hiace. Dann die Fahrzeuge der Vereinten Nationen, die man hier oft sieht. Entweder ebenfalls weisse Hiace-Busse oder Toyota Land Cruiser. Die UN hat ihre Uganda-Zentrale in Entebbe, nahe des Flughafens. Und dann gibt es noch die Privatautos auf den Strassen, zum groessten Teil Toyota Corolla. Zum Test habe ich in Kampala mal die naechsten 10 Autos am Strassenrand gezaehlt: 8 Toyotas und zwei andere Japaner...

Ich habe meine Kollegen gefragt, warum hier so viel Toyota gekauft wird. Es konnte keiner so richtig sagen, vielleicht weil der Unterhalt und die Wartung so einfach ist. Die meisen Reparaturen kann man selbst durchfuehren ohne Computerdiagnose oder so. So sieht man hier viele Minibusfahrer, die auf der Strasse unter ihrem Taxi liegen und herumwerkeln. Toyota produziert im Nachbarland Kenia und in Suedafrika innerhalb Afrikas.

Samstag, 10. März 2007

Projektmanagement in Uganda

Computer-Grundkurs im Africa Mentoring Institute

Vor fuenf Wochen hatte ich mir ueberlegt, dass Projektmanagement-Kurse den Leuten hier helfen wuerden, z.B. bei den Schulbau- und anderen Entwicklungsprojekten. Gesagt, getan, nachdem ich mit Paul, dem Chef des Africa Mentoring Institutes, gesprochen und die Rahmendaten abgesteckt (2 Wochen-Abend-Kurs, 10 Kurseinheiten a 2 Stunden) hatte, wurden bunte Flyer gedruckt und sogar viermal taeglich im Radio Werbung fuer diesen Kurs gemacht. "Tim Mukisa aus dem IBM Konzern Deutschland haelt einen Praktischen Projektmanagement-Kurs". Zwischendurch bekam ich schon Muckensausen, ob ich dem Erwartungsdruck auch gerecht werden kann. Ich sollte auch ein Radiointerview von 15 Minuten geben, das dann allerdings im letzten Moment verschoben wurde.

Projektmanagement-Kurs im Africa Mentoring Institute

Als Vorlage fuer das Kursskript habe ich mir dann ein Projektmanagementbuch aus der Buecherei des British Council in Kampala ausgeliehen. Die Erstellung des Skripts war nicht einfach, da der einzig benutzbare PC im Institut einen Word-Virus hatte, der mir immer mal wieder mein gerade erst eingetipptes Kapitel geloescht hat... Der Kurs laeuft nun seit dieser Woche mit 15 Teilnehmern und wir hatten schon am Anfang lebhafte Diskussionen, was denn ueberhaupt ein Projekt ist. Der Begriff wird hier oft gleichbedeutend mit der Schaffung seiner eigenen Arbeitsstelle verwendet. Aber das ist ja nicht falsch, der Einstieg in die Selbstaendigkeit ist ja auch eine Art Projekt. Beispiel-Projekt im Kurs ist die Errichtung einer Grundschule. Die kann man hier fuer 20 Millionen Uganda Shilling bauen, das sind 9.000 Euro, ist eigentlich nicht viel. Das Africa Mentoring Institute leitet ein solches Projekt hier in der Nachbarschaft und sucht noch Spender fuer weitere Projekte.

Meinen ersten Techniker-Einsatz hatte ich auch schon in einem Internet-Cafe. Die Vertretung wusste nicht, wie man den Linux-Server hochfaehrt und den Monitor umstoepselt. Sie war froh, als ich ihr helfen konnte. Letztendlich hat sie alles richtig gemacht, nur ganz am Schluss die Eingabe mit der Enter-Taste vergessen... Danach hatte das Cafe wieder Internet.

Sport-Tag fuer die Schueler der Hilltop Academy am Internationalen Frauentag
(offizieller Feiertag in Uganda)

Donnerstag, 8. März 2007

Affentheater in Ecuador

Wallaby-Kaenguruh

Kaenguru-Gehege

Makaken-Weibchen

Japanmakaken

Meine Arbeit im Zoo von Guayaquil hat die ersten Fruechte getragen, die gespendeten Japanmakaken (Affen) und Wallabys (Kaenguruhs) vom Tiergarten Schoenbrunn aus Wien sind wohlbehalten in Ecuador eingetroffen. Hier die ersten Fotos aus den neuen Gehegen in El Pantanal, die mir geschickt wurden. Ich wuensche den Tieren alles Gute bei der Klimaumstellung, einen gesunden Hunger scheinen sie ja nach der langen Reise schon zu haben! Vielen Dank an den Zoo aus Wien fuer die Spende und die unkomplizierte Zusammenarbeit!

Sonntag, 4. März 2007

Der letzte Koenig von Schottland

Das ugandische Parlament, von Amins Vorgaenger Milton Obote 1966 de facto, von Idi Amin 1971 offiziell abgeschafft, dient im Film als Veranstaltungsort fuer einen Empfang.

Gestern habe ich ihn nun im Kino gesehen, den Oscar-gekroenten Film ueber den schottischen Leibarzt von Idi Amin. Und fand ihn ganz spannend, da er in Kampala und Entebbe gedreht wurde, den beiden Staedten, die ich am besten kenne von Uganda. Obwohl die Story fiktiv ist (Amin hatte meines Wissens nach keinen schottischen Leibarzt), sind die historischen Rahmendaten alle authentisch:

Machtergreifung Amins 1971: Hier beginnt die Handlung in Uganda, Amin nutzt den Auslandsbesuch von Praesident Obote beim Commonwealth Treffen in Singapur, um sich selbst als Staatsoberhaupt zu deklarieren. Die Bevoelkerung feiert Amin frenetisch, denkt schlimmer als unter Obote kann es nicht werden. Weit gefehlt...

Schneider in Uganda: Als der junge schottische Arzt Garrigan von Amin zum Empfang eingeladen wird und keinen Smoking hat, wird er von Amin zum indischen Schneider geschickt, der ihm den Anzug fuer den Abend massschneidert. Massgeschneiderte Anzuege und Kleider werden auch heute noch von Schneidern hergestellt, zu guenstigeren Preisen als die importierte Stangenware (Beispiel: ein Anzug massgeschneidert kostet hier ca. 100 Euro, von der Stange 150-200 Euro).

Inder in Uganda: Wo kommen die ganzen Inder in Uganda her, die im Film gezeigt werden? Die Antwort ist einfach: Anfang des 20. Jahrhunderts haben die Briten eine Eisenbahn im britischen Ostafrika gebaut, die von der Kueste Kenias bis nach Kampala fuehrte. So wollte man das Inland erschliessen und die fruchtbare Region um den Viktoriasee und die Quelle des Nils in Jinja. Der Bau der Eisenbahn war hart, Briten kamen dafuer nicht in Frage und Afrikaner konnte man nicht als Arbeiter animieren, da sie den Begriff des Geldes nicht kannten. Also hat das Britische Imperium kurzerhand Arbeiter aus Britisch Indien zum Eisenbahnbau nach Ostafrika abkommandiert. Die sind dort geblieben, haben sich als Haendler betaetigt und praktisch die ganze Wirtschaft Ugandas betrieben.

Ausweisung der Inder 1972: Um die Staatskasse zu fuellen wurden alle ca. 70.000 Inder 1972 enteignet und des Landes verwiesen, sie hatten dafuer 90 Tage Zeit. Der ugandischen Wirtschaft hat das eher geschadet als genuetzt. Inzwischen sind viele Inder wieder nach Uganda zurueckgekehrt, ich goenne mir oefters mal ein indisches Essen in Kampala...

Huegellandschaft um Kampala: In der Szene, in der Garrigan mit seiner schwangeren Geliebten (einer Ehefrau Amins) im Auto sitzend die Zukunft beratschlagt, sieht man im Hintergrund saftig gruene Huegel mit Wohnhaeusern. Diese Huegellandschaft ist typisch fuer die Umgebung von Kampala, Kampala selbst ist auf sieben Huegeln errichtet.

Geiselnahme am Flughafen Entebbe 1976: Die PLO hatte ein israelisches Flugzeug entfuehrt, Amin sich als "neutraler" Vermittler angeboten, alle Welt wusste, dass er mit der PLO sympathisiert. In einer Befreiungsaktion wurde das Terminal in Entebbe von israelischen Elitesoldaten gestuermt, drei Geisel, 7 Terroristen und 45 ugandische Soldaten kamen dabei ums Leben. Hier endet der Film.

"Der letzte Koenig von Schottland" laeuft in Deutschland ab dem 15. Maerz im Kino an.

Die Perle Afrikas (Winston Churchill) wurde 1962 von den Briten in die Unabhaengigkeit entlassen.

Samstag, 3. März 2007

Ueber Schuster und Schneider

Paul und ich (mit meinem neuen Hemd) nach der ersten Projekt-Management-Stunde

Dies ist kein Artikel ueber ehemalige und aktuelle deutsche Fussballer, wie der Titel vermuten laesst. Obwohl man darueber auch viel schreiben koennte, die Berichterstattung der ugandischen Zeitungen ueber die britische Premiership, aber auch die deutsche Bundesliga ist ausfuehrlicher, als ueber die ugandische Liga und nimmt jedes Wochenende ein eigenes beiliegendes Journal ein. Weltklasse! Mein Herz schlaegt heute natuerlich fuer Hertha im Spiel gegen Bayern!

Nein, heute moechte ich mal ueber traditionelle ugandische Berufe berichten. Schon in den ersten paar Tagen in Uganda deutete sich bei meinen braunen Ausgehschuhen ein kleines Loch in der Ledersohle an. Nun gut, die sind auch schon bestimmt 2-3 Jahre alt und hatten Ecuador prima ueberstanden. Also habe ich meine Familie nach einem Schuster gefragt, mit der Idee, die Schuhe neu besohlen zu lassen. In Ecuador hatte ich mit dem Festkleben der Sohle bei anderen Schuhen bei einem Schuster gute Erfahrungen gemacht, es hatte dort 2 Dollar gekostet und haelt immer noch. Schuster sitzen in Uganda an fast jeder Strassen- oder Marktecke, im Freien, mit einem Berg zu reparierender Schuhe vor sich, die teilweise in Reisetaschen auf dem Boden verstaut werden. Am naechsten Tag hatte mich Lydia aus der Gastfamilie dann zu einem Schuster gebracht, der schaute die Schuhe an, nickte, sagte, er wuerde aber eine Gummisohle besohlen, ich dachte, umso besser bei den Strassenverhaeltnissen hier, nannte mir den Preis von 10.000 USh (4,50 Euro), ich solle am naechsten Tag wieder kommen. So weit so gut, Ergebnis war, dass Lydia die Schuhe am naechsten Tag abholte, der Schuster angeblich keine Sohle in meiner Groesse (46) gefunden hatte, dafuer aber der eine Oberschuh halb von der Sohle abgetrennt war (was man auf Anhieb nicht gesehen hat). Geld gab es wenigstens zurueck. Mir wurde dann gesagt, die Schuster in Entebbe taugen nichts, ich solle es in Kampala versuchen.

2. Anlauf mit meinem Kollegen Ronnie bei einem Schuster in der Ecke vom Old Taxi Park Kampala: Nur noch 7.000 USh (3,10 Euro), Besohlung, Kleben des Oberschuhs plus neue Absaetze fuer beide Schuhe. Ergebnis: nach dem ersten Tag Laufen loesen sich beide angeklebten neuen Sohlen an den Ecken wieder ab. Reklamation beim gleichen Schuster, er bringe das natuerlich in Ordnung, am Abend sind die Sohlen zusaetzlich zur Verleimung in den Ecken mit Naegeln befestigt. Nach zwei weiteren Tagen faellt der eine Absatz wieder ab. Wieder zurueck, man kennt mich hier inzwischen schon (als Muzungu sowieso), ich brauche gar nichts mehr zu sagen, er bringe das bis zum Abend in Ordnung. Ok, einen Abend spaeter will ich die Schuhe gerade ausziehen, ziehe dabei etwas an der Sohle, woraufhin sich die Verklebung des Oberschuhs wieder von der Sohle abloest. Ich ueberlege frustiert, die Schuhe endlich wegzuschmeissen, inzwischen habe ich mir bei der einzigen Schuhkette Bata hier (die kommen bestimmt aus Suedafrika, wie viele Ketten in Uganda) fuer 70.000 USh (31 Euro) ein Paar schoene schwarze Schuhe gekauft. Die Mutter meiner Gastfamilie macht einen letzten Anlauf: ihr Mann kenne einen guten Schuster, der das richtig verleimen und naehen werde, ob sie ihm die Schuhe mitgeben solle? Na gut.

Am selben Abend stehen die Schuhe frisch poliert und neu verleimt, zusaetzlich sogar vernaeht, vor meinem Zimmer. 2.000 USh (90 Cent), bisher haben die Schuhe immerhin eine Woche ueberlebt...

Hemdenkauf: In den Geschaeften stehen hier ja nie die Preise ausgeschrieben (ausser in wenigen grossen Supermaerkten), also weiss man nie, ob man z.B. beim Hemdenkauf gerade wieder ueber's Ohr gehauen wird, oder nicht. Natuerlich kann man mit den Preisen in Deutschland vergleichen, dagegen ist hier alles ganz billig. Aber wenn man dann die Preise hoert, die Einheimische angeblich zahlen, hat man doch zu viel gezahlt. Mein Kollege Paul sagt, ein Oberhemd kostet zwischen 8.000 und 20.000 USh (3,60 Euro - 9,10 Euro), vielleicht habe ich mich ja verhoert. Jedenfalls wurde ich ganz leise, weil ich fuer mein erstes Oberhemd hier 45.000 USh (20 Euro) bezahlt hatte. Ich hatte es schon geahnt, als die Verkaeuferin sich hinterher so gefreut hatte... Also machte ich das naechste Mal, jetzt mit den Preisen im Kopf, einen neuen Anlauf in einem anderen Geschaeft. Ein Baumwollhemd im Leinen-Look, made in Thailand. Der Kragen war sehr schlicht, kein doppelt gelegter Stoff, also fing ich mit dem Bieten an: 8.000 USh, unterstes Gebot der Hemdenskala. Der Verkaeufer blickt sehr ernst und leidend, nein, das koenne er nicht machen, das Hemd sei zwischen 25.000 und 30.000 USh wert, weil er mich so mag (er hat mich ja gerade erst kennengelernt!), verkaufe er es mir fuer 25.000 USh. Ich gehe bis auf 15.000 hoch, er auf 20.000 runter, aber ehrlich gesagt, finde ich das Hemd gar nicht so toll und verlasse den Laden wieder, inzwischen hatte eine Russin ein Hemd fuer ihren Mann gekauft, fuer 25.000 USh.

Ein anderer Mann hat mich gesehen und fragt mich beim Rausgehen, ob er mir traditionelle Hemden, hergestellt in Uganda, zeigen duerfe. Ich willige ein, Gucken kostet ja nichts. Er fuehrt mich ein paar Strassenecken weiter, durch enge belebte Gassen, ich halte krampfhaft meine Tasche fest, vielleicht will er mich ja entfuehren, fuer einen Weissen bekommt man bestimmt ein gutes Loesegeld... Wir landen in einem typischen Schneidergeschaeft: vor dem Raum auf der Strasse sitzt ein Mann mit Naehmaschine, hinter ihm haengen auf Buegeln afrikanische Hemden mit schoenem Stickmustern. Er zeigt mir ein weisses Hemd, aber ich interessiere mich viel mehr fuer ein dunkelblaues mit braunem Stickmuster. Auch hier fange ich wieder mit 8.000 USh an, er mit 25.000. Ich sage, ich haette im anderen Geschaeft ein Hemd ja schon fuer 20.000 bekommen koennen, er antwortet, das sei aber nicht so ein schoenes afrikanisches Hemd gewesen, selbst geschneidert. Er verhandelt hart, auch immer mit Traenen in den Augen, dass ja kein Gewinn mehr fuer ihn uebrig bleibe, fuer meine Gebote koenne er mir gerne andere, schlichte Hemden verkaufen, aber nicht dieses Schoene. Ich will aber nunmal DAS Hemd haben. Schliesslich bietet er es mir fuer 19.000 an, ich gebe ihm 17.000, und er akzeptiert. Das Ganze hat bestimmt eine halbe Stunde gedauert, aber was ist schon Zeit hier in Afrika?

Als ich das Hemd in den naechsten Tagen trage, hagelt es Komplimente von allen Seiten. Na bitte, hat sich doch gelohnt!

Der aktuelle Kabaka (Koenig) Mutebi II des Koenigreichs Buganda vor seinem Verwaltungstrakt, der an den Flughafen Berlin-Tempelhof in klein erinnert.