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Samstag, 26. Oktober 2013
Chef, wir müssen reden
Das Buch ist ein bunter Blumenstrauß von fast 40 (!) Auszeiten, ergänzt um eine medizinische Betrachtung (Burnout-Prävention) und viele praktische Tipps zur Planung einer Auszeit. Wer das Buch liest, wird träumen, was ihm in seinem Leben noch wichtig ist.
"Chef, wir müssen reden" von Alexander Reeh ist gerade im Druck und wird Mitte November erscheinen.
Sonntag, 30. Januar 2011
Allein unter Frauen
Als Kind hatte ich lange Haare. Es waren die 70er Jahre und ich habe mich mit 10 Jahren im Aussehen an meine älteren Brüder gehalten. Auf dem Klassenfoto bin ich das Mädchen mit den langen blonden Haaren oben in der Mitte stehend. Für das Umziehen zum Sport hat mich der Hallenwart manchmal in die Mädchenumkleide geschickt. Nach dem ersten peinlichen Mal habe ich meine Anfrage "Wo ist denn hier bitte die Umkleide?" ergänzt um das Wort "Jungen-Umkleide?".



Montag, 14. Juni 2010
Trauer
Dann ging alles ganz schnell: Am Freitag nachmittag war die Beerdigung. Wir waren gerade in Ambato, als ich ueber Internet davon erfahren hatte, und so stieg ich am Freitag frueh alleine in den Bus von Ambato nach Guayaquil, um die sechsstuendige Fahrt von der regenkuehlen Sierra in die tropisch heisse Costa zu unternehmen. Silvia und Melissa blieben in der Sierra, da Melissa das heisse Klima nicht vertraegt.
In Guayaquil kuemmerte sich Felix (Annikas Freund) und seine Familie (bei der ich uebernachten durfte) ganz ruehrend um mich, holte mich vom Busbahnhof ab, fuhr mit mir zum grossen Trauersaal, den ich schon von der Beerdigung von Richards Vater 2006 kannte. Richard lag vorne im aufgeklappten Sarg unter einer Glasscheibe. Viele Angehoerige und Freunde hielten Reden, in denen sie sich erinnerten, wie sie Richard erlebt und wie er ihnen immer geholfen hatte. Die Mitarbeiter seiner Firma Mash zeigten eine Multimedia-Diashow, ausserdem wurden grosse Fotos von ihm gezeigt. Nach einem Gottesdienst erfolgte dann die Kremation.
Vor meiner Rueckfahrt am Samstag mittag schaute ich noch in Richards Haus vorbei. Sein Bruder, seine Schwester und Teresa kamen gerade mit der Urne vom Krematorium und fuhren spaeter gemeinsam zum Strand, wo dem letzten Willen gemaess Richards Asche im Meer verstreut werden sollte. Mash wird zukuenftig von Richards Bruder geleitet werden, der seit zwei Jahren auch im Haus wohnt.
Richard 2006
Sonntag, 13. September 2009
Ein ungewöhnlicher Brief

- Die Angst vor der neuen Sprache Spanisch war unbegründet, am Schluss konnte ich mich gut verständigen, selbst wenn ich oft nachfragen musste.
- Als blonder Riese ist man tatsächlich überall aufgefallen, das Selbstbewusstsein ist gestiegen, siehe die Filmstar-Artikel.
- Anderes Zeitgefühl? Eigentlich nicht, sehe aber viele Termine inzwischen entspannter.
- Andere Prioritäten im Leben? Vielleicht, ich genieße das Leben jetzt in vollen Zügen, man lebt es ja schließlich nur einmal. :-)
- Verarbeitung der Erfahrungen? Hatte ich keine Probleme, bestimmt hat mir auch dieses Blog dabei sehr geholfen.
- Südamerika / Afrika: Es war kein starker Bruch beim Übergang, viele Dinge sind ähnlich und in Ecuador habe ich mir eine gewisse Gelassenheit angewöhnt, die Dinge einfach auf mich zukommen zu lassen.
- Integration in die Gastfamilien: Mehr als Onkel denn als Kind, hat gut funktioniert.
- Das Wichtigste in meinem Leben? Gesundheit und viele schöne Erlebnisse in unterschiedlichsten Kulturen :-)
- Sozialere Einstellung? Ja, es macht Spaß sich zu engagieren, ob mit der IBM in der e-Week an Berliner Schulen oder für ICJA als Mentor für Austausch-Freiwillige. Nur eines habe ich dabei gemerkt: man muss sehr genau mit seiner Zeit haushalten und kann sich leider nicht überall engagieren.
Donnerstag, 8. März 2007
Affentheater in Ecuador
Meine Arbeit im Zoo von Guayaquil hat die ersten Fruechte getragen, die gespendeten Japanmakaken (Affen) und Wallabys (Kaenguruhs) vom Tiergarten Schoenbrunn aus Wien sind wohlbehalten in Ecuador eingetroffen. Hier die ersten Fotos aus den neuen Gehegen in El Pantanal, die mir geschickt wurden. Ich wuensche den Tieren alles Gute bei der Klimaumstellung, einen gesunden Hunger scheinen sie ja nach der langen Reise schon zu haben! Vielen Dank an den Zoo aus Wien fuer die Spende und die unkomplizierte Zusammenarbeit!
Sonntag, 24. Dezember 2006
Mit der Bahn zur Teufelsnase
Hauptattraktion war dabei die Bahnfahrt um die Teufelsnase von den Anden zur Küste herunter. Die Strecke wird als die schwierigste der Welt bezeichnet und hat ursprünglich Quito in den Anden mit Guayaquil (Duran) an der Küste verbunden. Nach mehreren Unterspülungen ist jetzt allerdings nur noch ein kleines Teilstück zwischen Riobamba und Sibambe befahrbar. Die Teufelsnase selbst ist ein Berg mit 2 Spitzkehren, bei dem der Zug ein Stück rückwärts fährt und dabei in wenigen Minuten 100 Höhenmeter überwindet. Früher ein wichtiges Transportmittel für Ecuadorianer, fährt der Zug heute nur noch mittwochs, freitags und sonntags und wird fast ausschliesslich von Touristen aus Europa und den USA benutzt. Ausser Yuli haben wir an Ecuadorianern nur noch einen kleinen vielleicht 10-jährigen Jungen gesehen, der sich neben uns gesetzt hat und wie ein Wasserfall erzählt hat. In unserem Fall fuhr kein Zug, sondern drei Schienenbusse, und die Mehrzahl der Reisenden hat sich traditionell auf das Dach gesetzt, dort hat man einfach die beste Aussicht auf die herrliche Berglandschaft.
Es geht frühmorgens um 7:00 los, da ist es noch kalt auf dem Dach und die Händler im Bahnhof bieten einem aufdringlich ihre Waren an: Neben Kaffee und Frühstück auch Handschuhe, Mützen und Schals aus Alpaka-Wolle, sowie "Poncho Rain" (sprich: Rein), die englisch-spanische Bezeichnung für einen Regenponcho. Der Zug hält zwischendurch zweimal in Guamote und Alausi, wo man sich bei Kaffee/Tee aufwärmen und die sonstigen Bedürfnisse erledigen kann. Kurz nach Alausi, um 11:00, dann ein unplanmässiger Halt: Die Gleise sind in einer grossen Pfütze nicht mehr zu sehen, und hinter der Pfütze dann ein meterhoher Erdrutsch mit Steinbrocken. Mit Schaufel und Spitzhacke versuchen einige Arbeiter, die Erdmassen wegzuräumen, und wir Schaulustigen auf dem Dach schliessen Wetten ab, ob und in welcher Zeit wohl das Gleis wieder befahrbar gemacht werden kann. In Deutschland wäre ich jetzt wahrscheinlich sehr unruhig, da jede Verzögerung in der Regel alle nachfolgende Pläne durcheinander bringt. Hier dagegen haben wir noch keine nachfolgenden Pläne gemacht und die ecuadorianische Lässigkeit lässt uns einfach nur interessiert zugucken und ruhig abwarten, was jetzt passiert. Einige Touristen verlassen das Zugdach, um selbst mit Hand anzulegen und rollen grössere Steine aus dem Weg. Nach und nach kann die Pfütze abfliessen und wird der Erdhügel immer kleiner. 1 - 1,5 Stunden später sieht man das Gleis wieder und unter dem Beifall der Passagiere für die Arbeiter rollt der Zug wieder an. Dann kommt endlich die Teufelsnase, der Zug fährt vorwärts, rückwärts und wieder vorwärts den Abhang hinunter und auf dem Dach wird einem dabei ganz schwindelig. Unten steht eine Bahnhofsruine ohne Dach, früher war hier der Abzweig nach Cuenca, in einem Dreieck wendet der Zug und wir warten auf die Rückfahrt nach Alausi, von wo aus wir mit dem Bus zurück nach Riobamba fahren. Es soll einen Plan geben, dass die restliche Bahnstrecke ab 2008 wieder instand gesetzt wird, hoffentlich wird das wirklich durchgeführt.
Fotos im Internet von der Strecke, die eigenen Fotos von Annika werden nachgeliefert (im Hotel Tren Dorado haben wir ebenfalls übernachtet, zum Weiterblättern im Link rechts die kleinen Fotos anklicken)!
Am nächsten Tag haben wir noch einen Ausflug nach Baños am Fusse des Vulkans Tungurahua unternommen, der erst am 17.8.2006 und 16.10.2006 das letzte Mal ausgebrochen war. Baños ist das Tor zum Dschungel von Ecuador und von hier aus kann man viele Aktivitäten wie Rafting, Canyoning, Bungee-Jumping, Wandern, Mountain-Biking, Klettern usw. unternehmen. Leider hatten wir nicht viel Zeit, um 1 Uhr mittags traten wir schon die 7,5-stündige Busfahrt nach Guayaquil zurück an.
Alltag in Ecuador VI
Armbänder aus Stoff, Leder oder Tagua sind in Ecuador weit verbreitet und auf allen Märkten zu Preisen zwischen 25 Centavos und 2$ zu erwerben. Im Laufe der Zeit habe ich vier Armbänder (s. Foto) und eine Halskette geschenkt bekommen von Teresa, Narcisa (gleich 2), Priscilla und Yuli. Sie sind eine nette Erinnerung, auch wenn das Auf- und Zuknoten (z.B. vor und nach dem Duschen) immer sehr mühselig ist.
Weihnachten und Silvester
Weihnachten wird in Ecuador ähnlich wie bei uns in der Familie verbracht, zu Essen gibt es Huhn, Truthahn oder Schwein. Die Geschenke werden erst Heiligabend um Mitternacht übergeben, dann wird auch der Braten gegessen. Zum Truthahn gab es bei uns die typische relleno de pavo, einen hellbraunen Brei mit Nüssen, Rosinen und Truthahnstücken. Vor dem Mitternachtsessen werden den ganzen Nachmittag schon bis um 12:00 SMSen mit allen Freunden ausgetauscht, bei denen man sich alles Gute wünscht, teils sehr religiös formuliert. Es gibt Weihnachtsbäume, aber keine echten, da hier keine Tannen wachsen. Die werden dafür meist schon einen Monat vorher aufgestellt, sie nadeln ja nicht... Der Advent mit Adventskranz, 4 Kerzen, Schoko-Adventskalender und Weihnachtsgebäck ist hier nicht bekannt und wird nicht gefeiert, Weihnachtsmärkte und Glühwein gibt es bei 30°C auch nicht, dafür wie in den USA Weihnachtsläden, die das ganze Jahr über geöffnet haben.
Zu Silvester werden Figuren aus Pappmaché gebastelt, die schon 1-2 Wochen vorher aufgestellt werden. Dies sind berühmte Personen (z.B. der noch amtierende Präsident Alfredo Palacio) oder nur lokal bekannte (im Zoo El Pantanal ist es dieses Jahr der Zoo-Biologe Marcos), die im vergangenen Jahr eine mehr oder weniger schlimme Bedeutung hatten. Auf die Figuren werden noch passende Texte geschrieben mit charakteristischen Eigenschaften, und bei der Ausstellung der Figuren wird Geld gesammelt (ich nehme an für die spätere Silvesterfeier). Am Silvestertag kommt es dann um Mitternacht zur Verbrennung der Figur, die Witwe (eine von einem Mann gespielte Frau) hält eine lustige Trauerrede. Schade, dass ich Silvester nicht mehr hier bin, das hätte ich mir gerne angesehen. Auf der anderen Seite soll dann ganz Guayaquil eine einzige Rauchwolke sein, weil alle Figuren gleichzeitig verbrannt werden.
Donnerstag, 21. Dezember 2006
Bilder Quito und Galapagos
Frohe Weihnachten wünscht Kathi aus Österreich!
Dienstag, 19. Dezember 2006
Abschiedsstimmung
Der Galápagos-Urlaub war typisch ecuadorianisch gestaltet: Als Deutscher würde man sich wahrscheinlich einen Reiseführer (Buch) kaufen, Flug und Hotel buchen und dann selber Ausflüge unternehmen, in Restaurants essen, usw. In Ecuador gibt es keine Reiseführer, und wenn, werden sie nicht gekauft. Stattdessen hat man die ganze Zeit einen Guia (Reiseführer in Person) und kauft ein All-Inclusive-Angebot ein (Flug, Hotel, Führer, Mahlzeiten, Ausflüge). Das nimmt einem natürlich jede Menge Arbeit ab. Unser Führer hiess Jacinto, hat uns manchmal etwas rücksichtslos durch Erdtunnel robbend gehetzt oder auf schattenlosen Wegen nicht auf zurückbleibende, ausgetrocknete und entkräftete Teilnehmer geachtet, war aber ansonsten ganz nett. Ich glaube, das ist die typische ecuadorianische fehlende Anteilnahme. Die Inseln sind zum Teil bewohnter als ich dachte, auf Santa Cruz haben wir in einem richtigen kleinen Ferienort mit Geschäften, Internet-Cafés, Bars und Diskotheken gewohnt. Als wir abends von einem Café aus die vorbeifahrenden Autos beobachtet haben, haben wir nur weisse Pickups gesehen. Ich dachte schon, dass andere Autos hier nicht zugelassen sind. Hinterher erzählten uns die Männer aus der "Drogen-Ecke", dass das die Taxis auf Galápagos sind. Die Drogen-Ecke haben wir so getauft, weil dort nachts immer Männer auf der Strasse sassen, von denen man nicht wusste, welchen Geschäften sie gerade nachgehen. Wir haben sie dann danach gefragt und in der Unterhaltung waren sie ganz nett, wie alle Ecuadorianer. Ansonsten ist Galapagos für ecuadorianische Verhältnisse recht teuer (Flasche Wasser: 18-25 Centavos in Guayaquil, 28-50 Centavos auf Galapagos) , für Ausländer aber immer noch preiswert. Die Reisegruppe war übrigens für mich sehr angenehm zusammengestellt, ausser mir nur Frauen: Annika, Camilla (norwegische Voluntärin in Esmeraldas), Kathi (Österreich/Quito), Amitte (Austausch-Schülerin in Guayaquil/USA) und Karina (AFS-Koordinatorin aus Esmeraldas). Auf Galápagos trifft man fast nur auf ausländische Touristen und wenig Einheimische, aber das war mir vorher schon klar.
Die kleine Insel Santa Bartolomé vor San Salvador. Zwei Traumstrände: am linken legen die Meeresschildkröten ihre Eier ab, am rechten liegen die Robben am Felsen, hinter dem Felsen sahen wir Pinguine (ich wusste vorher nicht, dass es Pinguine auch am Äquator gibt...)
Wieder zurück in Guayaquil gab es gestern ein straffes Programm: morgens AFS-Abschlusstreffen der Voluntäre aus Guayaquil, wie schon bei den letzten Meetings waren nur noch Annika und ich anwesend, ich weiss nicht, was sich die anderen Voluntäre dabei denken. Abends bei der Abschlussparty im New York City Rock and Roll Café waren dann aber wieder alle dabei, mit Familien und jeweils einem Vertreter der Arbeitsstellen. Es wurden einige Dankesreden gehalten, als Dinosaurier habe ich mich kurz im Namen der Voluntäre bedankt, und hinterher gab es Essen und Tanz. Tagsüber Treffen mit Yuli (Planung einer gemeinsamen Reise mit Annika von Donnerstag bis Samstag nach Riobamba/Baños) und Verabschiedung von Narcisa und Marcelo in San Marino.
Sonntag, 17. Dezember 2006
Gestohlene Kameras und Galapagos
Die letzten zwei Wochen waren Sybilles Eltern zu Besuch in Ecuador. Bei einem Bummel in Esmeraldas ist dem Vater auf der Strasse aus der Gürteltasche die Kamera entrissen worden, und zwar nicht so unauffällig wie mir beim Shakira-Konzert, sondern richtig mit Wegreissen, Wegrennen und anschliessender Verfolgung durch den Vater, bis dieser zurückgehalten wurde, weil er bei der Verfolgung einen unsicheren Bezirk erreicht hatte, aus dem man als Gringo normalerweise nicht mehr unbeschadet herauskommt. Der Verlust war umso schmerzlicher, als nicht nur die Kamera, sondern auch alle vorher bei der Rundreise in Ecuador gemachten Fotos auf dem Speicherchip weg waren.
Was tun? In Esmeraldas wird die Sache so gelöst: Irgendjemand (ich glaube aus Sybilles Gastfamilie) bot sich als Mittelsmann zur Esmeralder Szene an, die Stadt ist ja klein und jeder kennt sich, und nahm Kontakt zu den Räubern auf. Der Wunsch war, die Kamera, zumindest aber den Speicherchip mit den Bildern, gegen einen Obulus wieder zu bekommen. Nach einem Tag war der Kontakt hergestellt, ein Angebot lag vor, und für 120$ wurde die Kamera mit Chip zurückgekauft. Sie hat zwar Schrammen und das Gehäuse ist halb aufgebogen, funktioniert aber noch einwandfrei, die Bilder sind auch noch alle drauf und Familie Luhmann hat ein Andenken mehr von Ecuador und eine spannende Geschichte zu erzählen. Mir wurde die Geschichte von den Eltern persönlich am Vorabend zur Galapagosreise in einer mexikanischen Bar in Quito erzählt und die Kamera gezeigt.
Zu Galapagos kann ich gar nicht viel schreiben, man muss dazu einfach die Fotos sehen, die ich nächste Woche sicherlich ergänzen werde (Dank an Annika, die fleissig fotografiert!). Nur so viel, wir haben uns auf der Isla Santa Cruz einquartiert und unternehmen von hier täglich, meist mit dem Schiff, tolle Ausflüge zu Nachbarinseln mit Traumstränden und einmaliger Flora und Fauna. Wir haben gesehen: natürlich die Galapagos-Riesenschildkröten, Wasser- und Land-Leguane, Blaufusstölpel, Flamingos, Fregattvögel mit dem aufgeblasenen roten Brustsack, Robben, Haie, aus dem Wasser springende Manta-Rochen, Delphine, Pelikane, die Darwin-Finken, Opunzien-Kakteen mit Baumstämmen und vieles mehr.
Dies ist mein 50. Blog-Eintrag und ich möchte mich bedanken für die Geduld und Ausdauer meiner fleissigen Leser! Liebe Grüsse nach Deutschland, in zwei Wochen bin ich wieder kurz in Berlin.
Sonntag, 10. Dezember 2006
Letzter Tag im Zoo und Aufbruch nach Quito
Am gleichen Abend bin ich im Nachtbus mit Annika nach Quito aufgebrochen, wo wir zusammen mit Enrico, Kathi, und Bekannten von uns die Stadt unsicher machen werden. Am Mittwoch geht es dann von Quito für 5 Tage nach Galapagos. Mein erster Eindruck von Quito: es ist nachts, morgens und abends kühl, mittags holt man sich dagegen leicht einen Sonnenbrand, und das Besteigen eines jeden Hügels ist in den ersten Tagen eine ziemliche Anstrengung in 2.850 m Höhe... Die Altstadt ist sehr schön, ähnlich Cuenca.
(*) Hanuta:
Ich bin erstaunt, wieviele deutsche Produkte man in Ecuador im Supermarkt kaufen kann: Hanuta, Kinderschokolade (1,31$), Kinder-Überraschungseier (heissen hier "Kinder sorpresa"), Rittersport-Schokolade (1,70$), Franziskaner-, Löwenbräu- und Holstenbier (je 2$ die Flasche), Uhu, Hansaplast, Wileda-Schwämme, Faber-Castell und Staedtler-Stifte, Pelikan-Radiergummi, Siemens-Handys, Nutella, Nivea-Creme, Haribo-Gummibärchen und vieles mehr. In Spezialgeschäften gibt es noch mehr, wie z.B. ein Partyfässchen Löwenbräu für stolze 30$ oder ein Franziskaner-Weizenbierglas für 5$. In umgekehrter Richtung ist es schon schwieriger, in deutschen Supermärkten findet man wahrscheinlich nur Bananen, Thunfisch und eventuell Krabben und Schnittblumen aus Ecuador.
Freitag, 8. Dezember 2006
Richards Geburtstag
Dienstag, 5. Dezember 2006
Shakira, Frust und Familienbilder
Um 20:00 ging es los, meine Gastbrüder (die nicht mitkamen, 21$ Eintritt ist hier sehr viel Geld) waren schon ganz nervös, als Enrico und ich um 18:30 immer noch zu Hause waren, das Stadion und der Andrang sei gross und so spät kämen wir nicht mehr herein. Eine Stunde später hatten wir aber rechtzeitig den Innenraum des Stadions erreicht und uns einen guten Platz (für unsere Preisklasse) ausgesucht. Unser Vorteil: Durch die europäische Grösse konnten wir ganz gut über die Menge schauen, während sich andere Zuschauer ärgerten: sie hatten die Plastikferngläser für einen (oder zwei?) Dollar erstanden, die ihnen aber nichts nützten, weil sie damit nur den Hinterkopf des Vordermannes vergrössern konnten, aber keinen Blick auf die Bühne erhaschten.
Mit einer halben Stunde Verspätung (also für hier recht pünktlich) ging es dann los und wir waren fasziniert von Shakiras Bauchnabel, ihren Tänzen und dass die Zuschauer schon gleich beim ersten Lied auswendig mitsangen. Ich habe tolle Fotos und Videos gemacht. Und dann passierte das, was ich in Südamerika eigentlich immer erwartet hatte, aber durch die bisherigen guten Erfahrungen unvorsichtigerweise verdrängt hatte. Als ich wieder ein Bild machen wollte und vorne an meine Fotogürteltasche fasste, war diese leer. Irgendwie ein blödes Gefühl. In Gedanken versuchte ich zu rekonstruieren: normalerweise merkt man, wenn einem jemand vorne an den Gürtel unter das darüberhängende Oberhemd fasst, und ein Gedränge war auch nicht. Naja, bei einem Lied tanzten auf einmal zwei kleine rundliche Frauen vor uns und drängelten ganz schön, ich gab natürlich nicht nach, man muss ja seinen guten Platz verteidigen. Nach einem halben Lied waren sie auch schon wieder weg. Guter Trick, muss man anerkennen, ich habe nichts gemerkt.
Für mich war der Abend dann gelaufen, der Kopf sagt zwar, Ärgern hat keinen Sinn, da man jetzt eh nichts mehr dran ändern kann, und das Frustgefühl wurde hinterher mit zwei Krügen Bier besänftigt, aber das hilft nicht richtig.
Das restliche Wochenende war wieder sehr schön, Annika, Enrico und ich waren praktisch ständig zusammen und haben die Stadt unsicher gemacht. Am Freitag vormittag hat Enrico mich in den Zoo begleitet, wo ihn meine ganzen Kolleginnen erst einmal kennenlernen wollten. Ansonsten haben wir viel philosophiert, z.B. über in Deutschland unumstössliche Grundfeste, die hier ganz anders sind: die Mondsichel, die liegt und nicht aufrecht steht; die zwei Jahreszeiten (Trocken- und Regenzeit statt wie bei uns Frühling, Sommer, Herbst und Winter); der kreisrunde kleine Schatten zur Mittagszeit; die nur halbstündige Dämmerungzeit hier.
Jorge, René, Diego, Oscar und AndresDienstag, 28. November 2006
Alltag in Ecuador V
Behörden
Über die Beantragung des Censos hatte ich ja schon berichtet. Der Censo entspricht in etwa der Meldebescheinigung, und mit ihm wird man in Ecuador bei vielen Touristenattraktionen wie ein Einheimischer behandelt. Es gibt da nämlich enorme Unterschiede bei den Eintrittspreisen. Beispiel Galapagos-Inseln:
- Eintritt Ausländer: 100$
- Eintritt für Bürger von Andengemeinschaft- oder Mercosur-Ländern: 50$
- Eintritt für Einheimische oder hier gemeldete Ausländer: 6$
Das sind Unterschiede, oder? Für die Ruinen von Ingapirca haben wir 6$ gezahlt, Einheimische zahlen 1$. An der Costa dagegen gibt es kaum Touristen, deshalb auch keine zwei verschiedenen Preise. Somit haben wir den Censo ausser in Cuenca bisher noch nicht gebraucht. Am Wochenende wurde ich aber doch unruhig, da in zwei Wochen die Galapagosreise ansteht und ich im Gegensatz zu Annika noch nicht einmal eine Bescheinigung hatte, dass ich den Censo beantragt habe (und er im Moment nicht prozessiert werden kann, da keine Formulare vorhanden). Also habe ich heute eine Stunde eher im Zoo Schluss gemacht und mich zur Policia de Migracion, zur Ausländerbehörde aufgemacht. Ziel war, den Censo zu erhalten (obwohl ja telefonisch immer gesagt wird, es gibt keine Formulare), oder zumindest die Annika-Bescheinigung.
Im Gegensatz zum letzten Mal (ein Freitagnachmittag im August) war diesmal am Montag das Wartezimmer gerammelt voll und es fand ein Mischsystem aus Schlangestehen und Wartenummern ziehen statt: man stand eine halbe Stunde in der Schlange, um dann eine Wartenummer (die 65) zu bekommen. Das Schicksal meinte es mal wieder gut mit mir, und sandte mir ein paar Feen. Die erste Fee schenkte mir nach einer Stunde ihre Wartenummer (die 58, immerhin 7 Plätze vorher). Mit dieser Nummer kam ich nach 2,5 Stunden um Punkt 18:00 (Ende der Sprechzeit) in das Amtszimmer. Dort dann die grosse Enttäuschung: die aufgrund des Andrangs schon etwas genervte Beamtin fragte nach den KO-Kriterien: sobre und especie, beides konnte ich nicht vorweisen - und tschüs! Mit sobre hatte ich schon gerechnet, das sind grosse gelbe DIN-A4-Briefumschläge, die in der Schlange alle ausser mir hatten. Especie war schon schwieriger, das Wort kenne ich nur aus dem Zoo und heisst Tierart. Sollte es aber im Erdgeschoss geben. Dort habe ich mich durchgefragt und für 4$ eine Mischung aus Wertmarke und Plastikträger für den späteren Ausweis erstanden. Briefumschläge gab es bei der Behörde nicht. Also habe ich schon frustriert das Gebäude verlassen (es wurde nach 18:00 keiner mehr reingelassen) und mich mental darauf eingestellt, am nächsten Tag wieder 3 Stunden auf dem Amt verbringen zu müssen.
Die zweite Fee sagte mir nun: nicht so schnell aufgeben! Gegenüber der Behörde ist der Zentrale Busbahnhof, und davor in den Geschäften gibt es eigentlich alles zu kaufen (z.B. Zahnbürsten), warum nicht auch Briefumschläge? Der erste Laden hatte tatsächlich das Gewünschte, schnell zurück gespurtet, dem verdutzten Einlassaufpasser bei der Behörde meine zweite Wartenummer (die 65, die erste wurde beim ersten Mal gleich einbehalten) gezeigt und ihn überredet, mich doch noch einmal reinzulassen. Oben stand noch fast die gleiche Schlange, ein Mann erkannte mich wieder und gestikulierte mir freundlicherweise, dass ich doch gleich ins Zimmer reingehen könne, ich wäre ja schonmal dagewesen. Dann ging alles ganz schnell, ich legte alles vor, meine ganzen Papiere wurden gar nicht mehr auf Vollständigkeit geprüft, sondern nur schnell in den Umschlag gesteckt, ein Digitalfoto von mir gemacht (was alle amüsiert hat, weil das Stativ nicht auf meine Grösse ausrichtbar war und ich in die Hocke gehen musste), der Ausweis mit Foto ausgedruckt, verschweisst, die Beamtin sagte, nach mir bearbeite sie nur noch zwei, die restliche Schlange könne morgen wieder kommen. Die 65 wäre nicht mehr herangekommen...
Was ich mich frage ist, warum man telefonisch immer vertröstet wird, wenn dann doch vor Ort alles vorhanden ist und der Ausweis ausgestellt werden kann. Oder ich hatte Glück, und die Formulare (oder die especies?) gibt es erst seit heute wieder, am Tag nach den Präsidentschaftswahlen.
Filmstar III
Ich habe in Filmstar I und II ja schon beschrieben, wie man hier auffällt, wenn man weiss, gross, blond und blauäugig ist. Bei meiner letzten Führung am Freitag haben z.B. die Schulmädchen gefragt, ob meine Augen echt seien, sie seien so schön blau. Sie haben dann selber eingesehen, dass die Frage unsinnig war, aber schmeicheln tut das schon und zum Abschied haben sie alle aus dem Schulbus herausgewunken und "Chao Tim!" gerufen.
Am Wahlsonntag war ich mit einer Freundin Yuli hier am Malecon und durch die Innenstadt bummeln. Nach einer Weile bekommt sie eine SMS von einer Freundin Tanya, die uns beide gesehen hat. Heute werde ich von Jenifer im Zoo angesprochen, was ich gestern gemacht hätte. Ihre Schwester Leo (die ich nur zweimal kurz im Zoo vorbeigehen gesehen habe) hätte uns gesehen. So klein ist Guayaquil, trotz der 4 Millionen Einwohner. Das erste Mal war mir dieser Paparazzi-Effekt in Esmeraldas aufgefallen, wo alle möglichen Leute (z.B. Verwandte von den Gastfamilien) immer genau wussten, wo wir waren oder gerade hingingen, die Gruppe von uns Weissen fiel halt auf...
Wasserversorgung
Die Wasserversorgung in Guayaquil ist im Gegensatz zu Esmeraldas, wo das Wasser wohl öfters ausfällt, ganz gut. Trotzdem wird hier manchmal in ganzen Bezirken das Wasser abgestellt, wegen irgendwelcher Bauarbeiten. Als Ankündigung steht meist in der Zeitung, in welchen Bezirken und wann es gerade kein Wasser gibt. Da ich die aber nicht regelmässig lese, ist es immer eine böse Überraschung, wenn man wie heute verschwitzt von der Arbeit und dem Amt zurückkommt und dann auf dem Trockenen sitzt. Das passiert etwa 1-2 mal im Monat. Mal sehen, in Afrika werde ich mich bestimmt noch sehnen nach dem guten südamerikanischen Standard...
Montag, 27. November 2006
Präsidentenstichwahl
Sonntag, 26. November 2006
Alltag in Ecuador IV
Handys?
Im Zoo arbeite ich ja mit vielen Leuten um die 20 zusammen, und jeder von ihnen hat ein Handy, einige sogar zwei. Das liegt daran, dass es hier zwei grosse Mobilfunknetzanbieter gibt, nämlich Porta und Movistar. Die meisten haben ein Handy mit Prepaid-Karte, die Gespräche innerhalb eines Netzes sind wesentlich billiger, als von einem Netz zum anderen, und viele kaufen sich für z.B. 2$ ein SMS-Paket für 120 SMSen dazu, die nur innerhalb des Netzes benutzt werden können. Eine SMS von Netz zu Netz kostet dagegen 7 Centavos. Die Handys kosten von 30$ in einfachster Ausführung bis zu 200$ in aktuell gängiger deutscher Ausführung mit Farbkamera, Video und grossem Display. Meine Familie hat mir eins für 30$ geliehen, fast alle anderen haben das Standardmodell für 200$! Ich frage mich, wie das bei den hier üblichen Arbeitslöhnen von 1$ die Stunde finanziert werden kann, ein Student muss hierfür alleine ca. 2 Monate lang arbeiten (hat mir Viviana erzählt, die im Moment für 2 Monate nicht mehr erreichbar ist, da ihr Handy im Reisebus gestohlen wurde. Schlimmer für sie ist noch, dass sie nun auch kein Adressbuch mehr hat, da alle Daten im Handy gespeichert waren). Von einem Netz ins andere wird hier grundsätzlich nicht telefoniert, und auch praktisch keine SMSen geschrieben. Dafür leiht man sich dann das Handy eines Freundes, der das gewünschte Zielnetz hat. Oder man hat halt zwei Handys, ein Porta und ein Movistar. Telefoniert wird auf dem Handy übrigens eher selten, meist ist nämlich kein Saldo mehr vorhanden, nur noch das SMS-Paket.
Mein Leihhandy hat Movistar, und damit bin ich ganz schön ausgeschlossen. Alle Movistar-Besitzer schwören zwar darauf, dass Movistar viel besser und billiger ist. Aber das ist wie bei Windows und Macintosh (obwohl Macintosh nicht billiger ist, der Vergleich hinkt also etwas): Porta hat sich trotzdem durchgesetzt und ist Marktführer. Somit schreibe ich zwar immer brav und fleissig viele SMSen an meine vielen Kontakte im Telefonspeicher, bekomme aber fast nie eine Antwort (ausser von Annika und Enrico, den deutschen Voluntären). Aber für den restlichen Monat lohnt sich jetzt der Umstieg von Movistar auf Porta auch nicht mehr...
Pünktlichkeit und Uhren
Das wird ja oft erwähnt, dass Südamerikaner immer zu spät kommen und keine Uhren tragen. Da muss ich mal eine Lanze für die Ecuadorianer brechen. Bei allen Verabredungen, die ich mit 1 oder 2 weiteren Ecuadorianern hatte (also Treffen von 2-3 Personen), waren die Ecuadorianer sehr pünktlich oder haben sich vorher kurz telefonisch gemeldet (sogar netzübergreifend!), dass sie etwas später kommen. Etwas anders ist es bei Familienfeiern oder Gruppentreffen. Da kommen die Gäste schon mal gerne 1-1,5 h zu spät. Aber der Rekord wird wohl von den nicht-ecuadorianischen (und nicht-deutschen) Voluntärinnen gehalten, in Guayaquil von der US-Amerikanerin Christine, die grundsätzlich zwischen 45 Minuten und 3,5 Stunden zu spät kommt.
Uhren werden hier wirklich seltener als bei uns getragen, was aber nicht heisst, dass die Menschen kein Interesse an der Zeit haben, im Gegenteil. Als Uhrenträger werde ich oft gefragt, wie spät es ist. Wahrscheinlich sind die Menschen dann nur zu faul, ihr Handy herauszuholen... Und wenn es um die Mittagspause oder den Feierabend geht, wissen alle ganz genau, wie spät es gerade ist.
Worte in die Tat umsetzen
Gabi aus Cuenca hat ein nettes Lieblingszitat auf hi5 (und das bezeichnenderweise auf deutsch!): "Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch TUN!". Das passt ganz gut zu Ecuador, wie oft habe ich erlebt, dass grosse Dinge besprochen oder angekündigt wurden (Reisen, Pläne fürs Wochenende, Geschenke, Aktivitäten), die dann sang- und klanglos nicht stattfanden, aber auch ohne dass dafür eine Absage gemacht worden wäre. So war ich in Gedanken schon in Riobamba auf dem Dach des sagenhaften Andenzuges um die Teufelsnase unterwegs, Fallschirmspringen an den Andenhängen, auf einer Studentenprojektreise in Guaranda (dem Rom Ecuadors), stolzer Besitzer eines Ecuador-Fussball-Nationaltrikots, auf dem Konzert der legendären Salsaband Gran Combo in Duran und auf der Affeninsel im Amazonasdschungel. Alles super Ideen (ok, dem Fallschirmspringen habe ich nicht ganz getraut...), die teilweise wochenlang vorher geplant wurden und über die auf einmal keiner mehr geredet hat. Oder Geburtstagspartyeinladungen, über deren Details mir noch Bescheid gegeben wird. Liegt das wirklich nur daran, dass ich Movistar habe?
Ich glaube, das ist ein grundlegender Mentalitätsunterschied hier im Vergleich zu Deutschland, genauso schnell, wie neue Ideen enthusiastisch auf den Tisch kommen, werden alte unvollendet nicht mehr weiterverfolgt, und das ganze unter Spontaneität verbucht. Ist im Prinzip ja auch nicht schlimm, wenn man nur rechtzeitig darüber informiert werden würde. Aber das wird hier anscheinend als Hol-, nicht als Bringepflicht angesehen.
Am heutigen Sonntag gibt es die Stichwahl um das Präsidentenamt. Mal sehen, wie die Politiker ihre Worte hinterher in die Tat umsetzen...
Liebe Grüsse nach Deutschland aus dem vorweihnachtlichen Guayaquil, hier stehen bei 30ºC schon überall die (künstlichen) Weihnachtsbäume und das Wettrüsten der Weihnachtsmänner und Lichterketten in den Vorgärten hat auch schon begonnen!
Donnerstag, 23. November 2006
Geburtstagsbilder
Ich habe die Torte gerade erhalten und freue mich aufs Aufessen! - Der Gelbstich im Gesicht muss eine Spiegelung sein...
Morder la torta! - Kurz nach dem Anbeissen der Torte, alle freuen sich...
Gruppenbild mit den Guias(obere Reihe: Paul, Geovanny Z., Gonzales, Willy (Wellington), Geovanny P.
mittlere Reihe: Denisse, ich, Nelly, Carlos, Marcos
untere Reihe: Kerlly, Lizbeth, Viviana, Yadira, Lissette)
Jetzt fotografiert Kerlly, dafür ist Ricardo mit auf dem BildHi5 ist hier übrigens DAS Internetsystem, um mit seinen Freunden in Kontakt zu bleiben, es ist in Ecuador sehr weit verbreitet. Man kann seine Fotos hereinstellen, mit seinen Freunden chatten, Nachrichten verschicken usw. Meine hi5-Homepage: http://timheiko.hi5.com
Samstag, 18. November 2006
Eine Woche Cuenca

Cuenca hat einige Abwechslung gebracht. Die erste Umstellung war das Wetter in der Sierra. Von der Küste kannte ich nur täglich konstantes Wetter, jeden Tag 30°C, seit Juli nur einmal nachts eine Andeutung von Regen, die Abwechslung bestand darin, dass der Himmel manchmal bedeckt und manchmal ganz klar war. Hier hatten wir bei der Ankunft auf einmal Regen, und zwar richtigen deutschen Dauerregen, und nur noch 15°C. Das Wetter wechselt hier ständig, es kann vormittags schönster Sonnenschein mit Sonnenbrandgefahr sein und eine Stunde später kalt und Regen. Allerdings hat in der Sierra schon Anfang November die Regenzeit begonnen, die an der Küste erst im Dezember los geht. Einen Schirm hatte ich zum Glück mit, eine dickere Jacke für Ausflüge in die Berge wurde mir von der Familie geliehen.
Nationalpark Cajas mit Annika und Tim (Australien)
Die zweite Umstellung: Cuenca ist eine hübsche, saubere, ruhige Kleinstadt (mit 350.000 Einwohnern die 5-grösste Ecuadors), die Menschen sprechen deutliches Spanisch (ausser dem "rr", das hier eher wie "rjsch" gesprochen wird) und legen viel Wert auf Kultur. Die Küste ist dagegen heiss, laut, hässlich-modern, die Menschen sprechen schnell und unverständlich und essen genauso schnell. Die Bewohner der Küste werden deshalb als monos - Affen - bezeichnet. Die Familien in der Sierra haben mehr Hausangestellte, als ich es bisher an der Küste erlebt habe.
Da die Familie in der Woche gearbeitet hat und die Kinder in der Schule waren, habe ich mit Annika und dem anderen Tim viele Ausflüge gemacht: nach Ingapirca (Ruinen der Inkas und Cañari, letztere waren die Ureinwohner in dieser Andenregion, bevor für ca. 70 Jahre die Inka die Herrschaft übernahmen, dann kamen schon die Spanier), die Thermen von Baños (Cuenca) und gestern in den Nationalpark Cajas mit Wanderung, Freilichtmuseum und Forellenfischen. Die Wanderung auf 3.500 m Höhe war sehr anstrengend, zudem hat mittendrin der Dauerregen angefangen und auf den nassen Matschwiesen an den Berghängen sind wir alle mehrfach ausgerutscht. Naturgewalten in Reinform... Die beiden Führer Andres (seiner Familie gehört der Freizeitkomplex mit Forellenzucht) und Alexandra haben das alles mitgemacht und sich reizend um uns gekümmert.

Nationalpark Cajas bei Sonnenuntergang
Die Woche war sehr komprimiert, u.a. gab es eine Expressentführung eines reichen Unternehmers, dem Onkel von Alfredo. Montag abend entführt, die Forderung soll zwischen 1 und 2 Millionen Dollar gewesen sein, zwei Tage Verhandlungen, dann gab es einen Geldtransport der Bank im Panzerwagen in unbekannter Höhe, der Wagen wurde mehrmals umgeleitet (sollte auch mal kurz nach Guayaquil fahren) und Freilassung dann in der Nacht zum Donnerstag. Meine Familie war natürlich sehr besorgt, aber auch ruhig, man konnte ja nicht helfen. Der Geisel geht es den Umständen entsprechend gut, es war die erste Entführung in der Familie.

Maria Eugenia zeigt mir die Hacienda
Dann war ich bei zwei Familientreffen bei mir und bei Annika eingeladen, interessant beim ersten die zwei Diener, die einem ständig Whiskey oder Cola gebracht haben, und zwei völlig getrennte Gesprächskreise: zuerst war ich als einziger Mann bei den Frauen "verirrt", die sich über die festen Freunde der Töchter und Rezepte unterhalten haben, dann wurde ich zu den Männern gewunken, die ausschliesslich über Motocross und Autos geredet haben. Bei der zweiten Feier gab es nur einen Gesprächskreis, es ging um die bevorstehenden Präsidentschafts-Stichwahlen, wobei die Politik nicht erwähnt wurde, sondern ob die Kandidaten sympathisch wirken und vor allem, was deren Ehefrauen machen. Es war schon spät, Annika und ich waren durch den Cajas-Ausflug sehr müde, und ich machte dann den Fehler, nach der Bedeutung von 2 blauen Plastik-Armbändern zu fragen, die zwei der älteren Damen trugen. Das waren tatsächlich all-inclusive-Armbänder von dem DomRep-Urlaub vor einem Jahr, die als Andenken an die schöne Zeit immer noch getragen wurden. Fehler deshalb, weil sich der Aufbruch (und meine Mitfahrgelegenheit nach Hause) dadurch um ca. eine halbe Stunde verzögert hat...

Alfredo junior und senior trainieren Polo, Alfredo senior war mit 14 einer der besten Polospieler Ecuadors
Heute nachmittag geht es auf die Hacienda meiner Gastfamilie und morgen wieder zurück ins warme Guayaquil. Liebe Grüsse zurück nach Europa!
Weitere Bilder von Cuenca (die ganze Innenstadt steht unter Weltkulturerbe) und der Familie gibt es hier.
Mittwoch, 8. November 2006
Alltag in Ecuador III
Bussen. Ständig können kürzere Unterbrechungen auftreten: Ich habe Fahrer erlebt,
- die auf die Tankstelle gefahren sind und es sich im letzten Moment doch noch anders überlegt haben,
- die ausgestiegen und an einem Wasserhahn ihre Trinkflasche aufgefüllt haben,
- die den Bus wegen geringem Reifendruck geräumt haben, in diesem Fall bekommen alle Fahrgäste ihre 25 Centavos Fahrgeld wieder ausgezahlt.
Die fliegenden Händler fragen den Busfahrer immer nach Erlaubnis und bestechen ihn auch schon manchmal mit den angebotenen Produkten, wie einer Mandarine oder Bonbons. Bonbons werden immer an alle Fahrgäste mit 5-6 Stück auf die Hand ausgeteilt, dann werden sie angepriesen und im zweiten Durchgang wird entweder das Geld (25 Centavos Standardpreis) oder die Bonbons wieder eingesammelt. 25 Centavos ist auch der Bus-Standardpreis für:
- Eis am Stiel,
- 5 Mandarinen,
- 10 in Plastik verschweisste Ciruelas (das sind kleine saure, grüne Pflaumen, die mit Salz gegessen werden, beim ersten Mal widerlich sauer, ab dem zweiten Mal schmecken die richtig gut...),
- 2 Schokoriegel,
- eine Halbliter-Wasserflasche,
- Pan de Yuca (ein Yukawurzelgebäck)
Bei den Überlandbussen werden Wünsche bei den angebotenen Filmen angenommen, bei der Fahrt nach Quevedo haben wir z.B. eine Cran-Combo-DVD (Kultgruppe aus Puerto Rico, vergleichbar Buena Vista Social Club) von Narcisa einlegen lassen und uns das Musikvideo angeschaut.
Die Ärzte und Krankenhäuser sind hier erstmal nicht gross anders als bei uns, Guayaquil ist damit z.B. sehr gut ausgestattet. Ich habe es ausprobiert, als mein Innenohr im September einmal geblutet hatte und ich nicht wusste, ob nicht vielleicht eine exotische Spinnenart seine Eier bei mir abgelegt hat. Also bin ich zur AFS-Vertrauensärztin, die erst ab 16:00 nachmittags ihre Praxis öffnet (erster Unterschied) und einen dann persönlich in der Praxis empfängt, ohne Sprechstundenhilfe (zweiter Unterschied). Das Blut im Ohr hat ihr gar nicht gefallen, ohne Untersuchung hat sie mich gleich an einen Ohrenarzt verwiesen, der seine Praxis in einer Polyklinik hatte. Für die Überweisung hat sie kein Honorar genommen (dritter Unterschied). Auch dieser Arzt wird abends erst richtig aktiv, mein Termin war um 19:30. Dieser hatte eine Vorzimmerangestellte und konnte sich an einen AFS-Voluntär erinnern, den er mal vor 2 Jahren verarztet hatte. Mein Ohr hat er kurz gereinigt, zum Glück nur ein harmloses Furunkel festgestellt, und mir die morgens von Richard empfohlenen und von mir schon in der Apotheke gekauften Antibiotika und Schmerzmittel (vierter Unterschied, bei uns ist so etwas nicht frei verkäuflich) per Rezept bestätigt. Dann musste er für AFS noch ein einseitiges Formular ausfüllen, damit ich die Kosten hinterher erstattet bekomme. Die Viertelstunde Untersuchung hat dann 40$ gekostet, die ich bar gezahlt habe. Meine Familie und Richard, der ja selber vor ein paar Jahren praktiziert hat, fand das total überteuert, AFS hat mir das Geld aber ohne Murren erstattet. Ich glaube, die Arztkosten sind hier in den letzten Jahren extrem gestiegen: von umgerechnet 1,50$ Stundenhonorar 1995 auf fast europäisches Niveau heute.
Während die meisten Ecuadorianer recht unkompliziert sind, kann man das von den Behörden hier nicht behaupten. Praktisch seit unserer Ankunft müssen wir Voluntäre einen sogenannten Censo, entspricht einer Meldebescheinigung, bei der Ausländerbehörde beantragen. Die Unklarheit fängt damit an, was man für diesen Antrag alles braucht, es gibt dazu mehrere sich widersprechende Anleitungen (was z.B. die Zahl der Fotos betrifft), und der eigentliche Sachbearbeiter hat auch noch seine eigene Meinung dazu. Die Kopien des Miet- oder Kaufvertrages des Hauses des Gastvaters mussten bei Annika z.B. notariell beglaubigt werden, bei mir reichte die einfache Kopie. Nachdem wir Ende August alle notwendigen Papiere eingereicht hatten, sagte man uns, dass es leider zur Zeit keine Formulare gebe, um den Antrag vollständig zu prozessieren. Wir sollen uns am 20. September noch einmal melden. Da hiess es dann, durch die Präsidentenwahlen verzögere sich noch einmal alles, am 20. Oktober gab es immer noch keine Formulare (und das übrigens in ganz Ecuador, die Voluntäre in Esmeraldas haben das gleiche Problem), bis heute nicht. Auf der anderen Seite sollen einige Voluntäre, die den Censo im August zu spät beantragt hatten, eine Strafe von je 200$ zahlen (die natürlich durch ein Propina, ein Schmiergeld, auf ca. 10$ pro Person zu drücken ist).
Verkehrspolizisten sind auch Menschen und haben Brüder, so haben wir zufällig Marcelos Bruder getroffen, als wir nach dem Zoo unterwegs zum Bowlingspielen waren. Da die Zeit knapp war, hat uns die Streife kurzerhand von Miraflores zur Mall San Marino mitgenommen, eine Fahrt von 10 Minuten. Marcelo, Narcisa und ich sassen zu dritt auf der Rückbank, haben uns die auf der Ablage liegenden Mützen aufgesetzt, während die Streife kurz von einer Polizistin angehalten wurde. Es sei ein Verkehrsunfall aufzunehmen, ganz in der Nähe. Alles klar, aber erst wurden wir ganz in Ruhe nach San Marino gefahren und verabschiedet, der Unfall hatte Zeit...
Der Wahlkampf für das Präsidentenamt ist hier irgendwie anders als bei uns. Am 15. Oktober fanden die Wahlen statt. Man hat das Gefühl, dass es hier keine Parteien gibt, sondern nur Namen und Farben. Statt Plakatwänden werden hier Mauern und ganze Häuser in den Farben der jeweiligen Liste angemalt. Dann steht der Name drauf, die Listennummer, und meist davor noch "Vota todo" - "Wählt alle xy". Wahlprogramme kommen hier nicht vor, vielleicht in den Diskussionsrunden im Fernsehen, wo die 5 Kandidaten mit den grössten Chancen oft diskutiert und aus Protest auch schonmal die Veranstaltung verlassen haben. Die Veranstaltungen in den Strassen waren Fahnenumzüge, bei denen oft T-Shirts mit den Kandidaten verschenkt wurden, auch wieder ohne Wahlaussagen. Wie es sich für eine südamerikanische Wahl gehört, gab es am 15. Oktober zwar einen (überraschenden) Gewinner, Alvaro Noboa, der aber mit 27% keine ausreichende Mehrheit hatte, so dass am 26.11. eine Stichwahl gegen den Zweitplazierten, Rafael Correa, stattfindet. Noboa ist einer der reichsten Männer Ecuadors, der im Testament für das Bananenimperium seines Vaters nicht berücksichtigt wurde, sich den Grossteil aber trotzdem gerichtlich eingeklagt hat und dadurch Schlagzeilen macht, dass er die Kinder seiner Angestellten unentlohnt auf den Plantagen arbeiten lässt und die Mindestlöhne durch geschickte Zeitarbeitsfirmenmodelle unterläuft. Correa ist dagegen linkspopulistisch gerichtet, gegen das Freihandelsabkommen mit den USA und die Dollareinführung, will die Eigenheimzulage verdoppeln und ist im Gegensatz zu Noboa ein Mann der Sierra. In Ecuador herrscht übrigens Wahlpflicht, wer nicht wählt, muss eine Strafe zahlen, kann keinen Führerschein beantragen und hat andere Unannehmlichkeiten. Damit man sich in Ruhe seine Wahl überlegen kann, gibt es 48 Stunden vorher keinen Alkoholausschank in ganz Ecuador, selbst nicht für Touristen.
Montag, 6. November 2006
Spontanes Ferien-Wochenende
Mit Annika, Sybille und Enrico im Parque Historico
Enrico amüsiert sich und uns beim Tanzen.
Krebsessen bei Narcisa


