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Samstag, 14. März 2015

Die Entdeckung der Langsamkeit

Irgendwann habe ich gemerkt, dass für mich die Zeit viel langsamer vergeht als für die meisten anderen. Ein bisschen so wie in Sven Nadolnys Klassiker "Die Entdeckung der Langsamkeit". So war ich z.B. mit 37 im Sabbatjahr geistig etwa Mitte zwanzig, also in dem Alter, wo man normalerweise die Welt entdecken möchte. Als mich die Ecuadorianer und Ugander auf Ende zwanzig geschätzt haben und ich sie dann aufklärte, dachten sie, das kühle Klima in Deutschland konserviere den Körper halt. Aber auch in Deutschland werde ich manchmal jünger geschätzt. Bei meiner neuen Stelle bei der Bahn hoffte eine Kollegin (Anfang dreißig), jetzt nicht mehr die Jüngste zu sein. Ich musste sie leider enttäuschen. Am Mittwoch sollten wir uns bei einem Workshop ohne zu kommunizieren der Reihe nach Alter aufsteigend sortieren. Drei jüngere Kollegen stellten sich auf meine ältere Seite.

Melly skypet mit dem Kinderladen
Ansonsten läuft mein Countdown für Ecuador, in einer Woche fliege ich, Silvia und Melly sind schon seit einer Woche da. Durch moderne Technik (Skype) sind wir in guter Verbindung. Cool, neulich hat sogar der Kinderladen mit Melly in Ecuador geskypet und sich die schöne Gegend durch das Fenster zeigen lassen.

Samstag, 6. Dezember 2014

Tanzverbot

Karfreitag, Volkstrauertag und Totensonntag sind in Deutschland besonders geschützt. Die Feiertagsgesetze und -verordnungen der Bundesländer regeln das Tanzverbot. In Berlin sind zwischen 04:00 und 21:00 nicht nur öffentliche Tanzveranstaltungen, sondern auch musikalische Darbietungen in Räumen mit Schankbetrieb sowie öffentliche Sportveranstaltungen, sofern diese mit Unterhaltungsmusik verbunden sind, verboten. Das Gesetz scheint nicht sehr bekannt zu sein, so startet in Berlin jährlich am Karfreitag ein bekanntes Tanzturnier.

Eistanz am Totensonntag
Ich kannte das Gesetz bis vor zwei Wochen auch nicht. Und so machte ich mich am Totensonntag mit Melissa auf zum Potsdamer Platz zum Schlittschuhlaufen auf der dortigen mobilen Eisbahn. Die Bahn war ganz verlassen, nur ein Mann fegte einsam die Eisfläche mit einem Besen. Auf die Frage, wann es weitergeht, lachte er nur, verwies auf den Totensonntag und dass seit 1776 an diesem Tag keine Veranstaltungen stattfänden. Achso? Nach meinen Wikipedia-Recherchen frage ich mich jetzt natürlich, zählt das Eislaufen als Tanzveranstaltung? Oder als Sportveranstaltung mit Unterhaltungsmusik? Da Melissa jetzt schon den Tränen nahe war, konnte ich darüber nicht sinnieren, rief beim Eisstadion Wilmersdorf an, fragte da nach dem Totensonntag, stieß damit auf Unverständnis und beendete den Tag mit einer glücklichen Melissa bei flotter Tanzmusik auf dem Eis von Wilmersdorf.

Sonntag, 4. September 2011

Sommer

Seit dem letzten Artikel ist einige Zeit vergangen, zwei Urlaube nach Skandinavien und Lanzarote und im Moment habe ich wieder Urlaub für Melissas Eingewöhnung im Kindergarten. Deshalb hier einige Stichpunkte, Fotos und Videos:

Skandinavien


Stefan arbeitet ja schon seit einiger Zeit in Stockholm, und so haben wir im Mai die Gelegenheit genutzt, ihn dort zu besuchen und auch ausgiebige Zwischenstationen in Kopenhagen und Lund/Malmö gemacht. Was mich am meisten beeindruckt hat:

Ein Kindermöbelgeschäft in Kopenhagen-Ørestad 
Café Kreuzberg in Kopenhagen
8 Tallet in Ørestad, ein Haus in 8-Form, an dem man mit Kinderwagen hoch- und rumlaufen kann

Die Fahrt mit der führerlosen U-Bahn durch das Zukunftsviertel Ørestad ähnelt einem Rundgang durch eine Architekturausstellung

Tankstelle in Stockholm-Skansen
In dieser recht unscheinbaren Kirche heiratete im letzten Jahr Kronprinzessin Victoria von Schweden - und 31 Jahre zuvor ihre Eltern.  
Stefan zeigt uns Stockholm
Die Schären
In Lund
Die Universität von Lund
Der Turning Torso von Malmö
Skandinavien ist recht kinderfreundlich, das merkt man hierzulande schon an den vielen Wickelräumen,  Bollerwagen und Kindermenüs bei Ikea. In Stockholm müssen Mütter oder Väter mit Kinderwagen im Bus nichts zahlen (in der U-Bahn dagegen schon). Zusätzlich fällt einem die hohe Zahl von Fahrrädern auf, wie man es auch von Holland her kennt.

Lanzarote

Im Juli haben wir für zwei Wochen Silvias Schwester Alicia, ihren Freund Francisco und andere Verwandte Silvias auf Lanzarote besucht. Fast alle Verwandten arbeiten dort im Hotelgewerbe, und so haben wir interessante Berichte gehört, wie sich manche Hotelgäste so benehmen. Die Klischee der englischen Touristen (trinkfreudig, Randale bei Fußballniederlagen) konnte z.B. leider nicht entkräftet werden. Oder von All-Inclusive-Reisenden, die das Hotelgelände praktisch nie verlassen (und auch kein Bargeld mit haben, wozu auch?). Dabei ist Lanzarote eine sehr schöne Insel, deren Hauptmerkmal zwei Sachen sind, die fehlen:
  • Abfälle/Dreck: Man sieht ständig Kolonnen von Strassenreinigern und findet nirgendwo Abfälle. Auch die Hausmüllbeseitigung ist umsonst, es gibt keine einzelnen Mülltonnen sondern nur große Container, die von einme gnazen Strassenblock benutzt werden.
  • Reklameschilder: Auf Initiative des lokalen Künstlers César Manrique wurden alle Reklametafeln auf der Insel verboten.
Mit Alicia im Vulkangestein
Mit Alicia und Francisco vor den Salinen
Mit Cousins Monica und Wilson und Tante Elsa in Manriques Kaktusgarten
Melissas bester Spielkamerad war ihr Cousin Joan
An dieser Poollandschaft von César Manrique würde sich auch James Bond wohlfühlen
Ausflug nach Fuerteventura: Bei der Seelöwenshow im Zoo robbt Coco direkt an Melissa vorbei
Das ehemalige Haus von César Manrique ist direkt in Vulkanblasen hineingebaut
Nationalpark Timanfaya

Erdwärme in Timanfaya

Silvias Geburtstag
Aussichtspunkt bei Haria
Melissas Kindergarten

Seit dem 1. September ist Melissa ein Ahörnchen (so heißt der Kinderladen zwei Häuser weiter). Melissa wurde herzlich von den anderen Kindern aufgenommen und es macht Spaß, die Eingewöhnung zu begleiten.
Die Ahörnchen beim Frühstück

Montag, 4. April 2011

Trommeln und eine Wahrsagerin

Am Freitag hat Steve Melissas Herz erobert. Früher hat sie immer geweint, wenn Steve kam. Doch Silvia ahnte den Schlüssel zum Erfolg und bat Steve, für Melly zu trommeln. Das Ergebnis war eine sagenhafte Jam-Session, die Ihr zum Teil oben im Video sehen könnt.
Trommeln macht Spaß!

Um Schwingungen anderer Art ging es vor ziemlich genau 5 fünf Jahren, als mich meine Bekannte Nicole fragte, ob ich nicht zu einer Wahrsagerin mit wolle. Es war kurz vor meinem Sabbatjahr, und ich war gespannt auf jede neue Erfahrung. So standen wir also in der Küche einer osteuropäischen Frau in Berlin-Friedenau und tranken einen Art Espresso mit Kaffeegrund in der Tasse. Der Grund wurde von mir auf die Untertasse gekippt, und dann ging die Analyse los. Zuerst wurde die Gegenwart untersucht, von so banalen Dingen wie "drei Mal schon eine eigene Wohnung gehabt" (wenn man eine kurze Untermiete und einen Studien-Aufenthalt in Boston nicht mitzählt, stimmt's) über ein traumatisches Kindheitserlebnis ("es brach etwas ab, Angst ist gekommen" - kann mich an keins erinnern) und Schwierigkeiten, sich zu verändern (stimmt, damit habe ich erst 2006 angefangen). Dann ging es an die Zukunft: "Zur Zeit steht er ein wenig in der Luft, obwohl er Wohnung hat und fest im Beruf steht" (ja, konnte man so sehen), "Weg von hier oder bleiben? => Kopf sortieren und dann entscheiden!" (das war ein Thema ab 2006), "Zwei wichtigere Beziehungen, alles vorbei" (zumindest eine war gerade vorbei), aber: "Gut, er schafft seine Karriere und privat wird es gut", Gesundheitsvorsorge: Rücken. Lunge, Bronchien, HNO, Glückstage 8 und 24 (am 08.05.2010 war unsere kirchliche Hochzeit), Glücksmonate März, Juli und Dezember (im März war die standesamtliche Hochzeit). Nach der Sitzung gingen wir jeder nach Hause, ich fuhr nach Ecuador und Uganda und vergaß alles ziemlich schnell wieder.
Vier Doppelseiten Mitschrift von der Wahrsagerin

Aber Nicole hat während der Sitzung alles mitgeschrieben, und mit ihren Nachfragen die Wahrsagerin dabei ganz schön aus dem Takt gebracht. Sie solle doch endlich ruhig sein, man könne die Schwingungen ja gar nicht mehr fühlen... Und da Nicole schon lange neugierig war, was von den Vorhersagen alles eingetroffen ist, habe ich nun die Mitschriften mal wieder hervorgeholt.

Mittwoch, 23. März 2011

Ein kleiner großer Schritt...

Karlsbrücke, vor der Prager Burg

Als Vater erlebt man im ersten Jahr viele kleine und große Meilensteine, und alle sind sie kleine Wunder: das erste Sitzen, das erste Auf-den-Bauch-Drehen, das erste Fläschchen, der erste Brei, das erste Wort, das erste Krabbeln, der erste Zahn, das erste Mal Selber-mit-dem-Löffel-Essen das erste Stehen. Aber das bisher größte Ereignis war gestern, als Melissa das erste Mal freihändig gelaufen ist. Das ist ein Gefühl von neuer Unabhängigkeit, das das nächste Mal wahrscheinlich erst bei Melissas Führerschein wieder auftreten wird. Sie läuft noch wie betrunken, torkelt hin und her, und freut sich am Ende sehr, wenn sie in Mamas oder Papas ausgebreiteten Armen landet!

Ansonsten haben wir zwei schöne Wochenenden hinter uns. Am ersten waren wir bei strahlendem Sonnenschein in Prag, haben die Altstadt, Karlsbrücke, Burg, böhmischen Knödel und Kaffeehäuser genossen.

Die Karlsbrücke über der Moldau

Am zweiten Wochenende waren wir auf dem James-Blunt-Konzert in der Berliner O2-Arena. Einmal im Monat schenkt uns Amparo einen freien Abend und passt auf Melissa auf. Das ist immer sehr schön, dieses Jahr waren wir schon im Kino, in der Sauna und nun auch beim Konzert. James Blunt wirkte ganz natürlich, trat in Jeans und T-Shirt auf, lief zweimal durchs Publikum, und machte sich über die Bestuhlung in der Halle lustig: "Ich hoffe, Ihr bleibt hier nicht lange sitzen, so alt seid Ihr ja nicht..." Es hat gewirkt, am Ende standen alle, und James macht einen Schnappschuss der Zuschauer. Seine Fotosammlung der vergangenen Konzerte wurde vor der Aufführung gezeigt. Hier die beiden Zugaben:


Und was machen wir am kommenden Wochenende? Da feiern wir einen ganz besonderen Tag, der auch schon wieder genau ein Jahr her ist...

Sonntag, 30. Januar 2011

Allein unter Frauen

Es gibt Situationen und Orte, die man als Mann nie erleben wird, z.B. den Besuch eines Nagelstudios, einen Termin beim Frauenarzt, den Aufenthalt in einer überfüllten Damentoilette, das Umziehen in einer Mädchenumkleide oder die Übernachtung in einem Frauen-Studentenwohnheim. Es sei denn, man wird dafür komisch angesehen oder sogar strafrechtlich verfolgt. Und doch gibt es manchmal Umstände, in denen man(n) ganz legal und unverhofft in solche Situationen hereinschlittert. Besonders als Vater oder bei Auslandsaufenthalten...

Als Kind hatte ich lange Haare. Es waren die 70er Jahre und ich habe mich mit 10 Jahren im Aussehen an meine älteren Brüder gehalten. Auf dem Klassenfoto bin ich das Mädchen mit den langen blonden Haaren oben in der Mitte stehend. Für das Umziehen zum Sport hat mich der Hallenwart manchmal in die Mädchenumkleide geschickt. Nach dem ersten peinlichen Mal habe ich meine Anfrage "Wo ist denn hier bitte die Umkleide?" ergänzt um das Wort "Jungen-Umkleide?".

Sport in der 4. Klasse. Ich habe die blonde Löwenmähne in der Mitte.

15 Jahre später hatte ich einen Studienaufenthalt von 4 Monaten am MIT (Massachusetts Institute of Technology) in den USA bei Boston. Dort hatte ich eine Freundin Mindy, die im Frauenstudentenwohnheim auf dem Campus gewohnt hat. Sie meinte, Jungen dürften dort auch übernachten. Als ich das gemacht habe, hatte ich ein komisches Gefühl. Bevor ich in die Gemeinschaftsdusche gehen konnte, musste Mindy immer vorher schauen, ob alles frei ist und hat dann an der Tür ein Schild umgedreht ("Achtung Mann!").

Nach der Dusche im Mädchenwohnheim habe ich mich 1993 mit einem Handtuchturban getarnt.

Ins Nagelstudio wollte ich in Ecuador 2006 eigentlich nur aus Langeweile und Begleitung für Narcisa gehen. Warum ich dann hinterher auch pedikürt war, könnt Ihr hier nachlesen.

Termine beim Frauenarzt hatte ich 2009 öfters, als ich mit Silvia zu einigen Schwangeschaftsuntersuchungen mit gegangen bin. Natürlich wollte ich mir die Ultraschallbilder und das erste In-Bauch-Video von Melissa nicht entgehen lassen!

Der Ecuador-Stand auf der Grünen Woche, hinten sitzt Silvia mit Melissa

Warum ich den Artikel aber eigentlich schreibe, ist mein erster Besuch in einer völlig überfüllten Damentoilette gestern bei der Grünen Woche (Nahrungsmittelmesse) in Berlin. Silvia hat die Woche über spontan auf der Messe gearbeitet, da ihr Chef auf dem zuerst leeren Ecuador-Stand Panama-Hüte verkaufen durfte. Gestern habe ich sie dort besucht und habe dann mit Melissa die Hallen erkundet (es war sehr voll, so dass Silvia ihre Kollegin nicht alleine lassen konnte). Irgendwann kam dann natürlich auch die Zeit zum Windelwechseln. Nun gibt es auf dem riesigen Messegelände Hunderte von Toiletten, Wickelräume sind aber rar. Auf dem nördlichen alten Teil gibt es gar keine Räume, eine Hostess empfahl mir stattdessen die DRK-Sanitäterstation. Die war aber so überfüllt von teils ohnmächtigen Patienten, dass kein Platz zum Wickeln war. Nach einer Stunde hatte ich mich dann mit Kinderwagen durch die völlig überfüllten Hallen auf das neuere Südgelände vorgearbeitet. Dabei habe ich auch Kommentare wie "Es müsste mal einen Tag ohne Rentner und Kinderwagen hier geben, dann käme man besser durch!" gehört. Endlich sah ich dann das Baby-Symbol und ging in die Richtung. Allerdings führte das Schild direkt in die Damentoilette, und an der Herrentoilette war kein entsprechender Hinweis zu finden. Das Südgelände wurde in den 90er-Jahren gebaut, offensichtlich gab es damals noch keine Väter, die ihre Kinder gewickelt haben. Was nun? Nachdem ich schon im Vorraum der Damentoilette mit Kinderwagen stand, eine riesige Warteschlange und fragende Gesichter bei den Frauen sah, wollte ich eigentlich gleich wieder umdrehen. Ich hatte die amerikanischen Filme im Kopf, wo die Frauen hysterisch laut kreischen, wenn sie einen Mann auf der Toilette sehen. Dann hat mich aber eine freundliche Toilettenfrau, die wie eine Verkehrspolizistin die Koordination und Einweisung der Warteschlange durchführte, zu sich herangewunken, mich an der Schlange vorbei zu den Toilettenräumen gelotst, und tatsächlich, hinter der ersten Ecke rechts gab es versteckt einen Raum. Der hatte zwar nur einen blanken Tisch, immerhin einen Papierspender und einen offenen, stinkenden Windeleimer (Waschbecken? Wickelunterlage?), aber er erfüllte seinen Zweck. Beim Rausgehen war die Verkehrspolizistin verschwunden und ich musste mir selber meinen Weg gegen den Strom der entgegen drängenden Frauen suchen, aber das war nichts im Vergleich zum Gedränge oben in den Hallen...

Die Grünen interpretieren den Namen "Grüne Woche" auf ihre Art, hier Frau Claudia Roth. Das Wickelraum-Thema hätte sie vielleicht auch interessiert? Habe ich aber erst danach erlebt.

Sonntag, 14. November 2010

Kindergeburtstag

Melly pustet mit Mamas Hilfe die Kerze aus

Unsere meisten Bekannten sagen: "Oh, Melissa ist jetzt schon ein Jahr alt, die Zeit ist aber schnell vergangen!" Mir selbst erscheint die Zeit mit einem Leben ohne Melissa schon sehr lange her. Kein Wunder, rechnet man die Schwangerschaft mit ein, haben wir in der Zeit sehr viel erlebt: vom Geburtsvorbereitungskurs über die Renovierung und Umgestaltung der Wohnung, dem Auszug von Stephen und Amparo, meinem Vietnamaufenthalt, der Geburt, der Hochzeitsplanung und -durchführung bis hin zur Elternzeit in Ecuador und Melissas Taufe.

Melissa zeigt dem Nachbarsenkel Nick Omis Geschenk

Am 25. Oktober haben wir Melissas Geburtstag gefeiert. Es waren sieben Kinder (von 10,5 Monaten bis 4 Jahren) zu Besuch und 16 Erwachsene. Neben Luftballons, einer Girlande und vielen Papphüten haben wir auch eine Piñata bestellt. Dies ist ein lateinamerikanischer/spanischer Brauch, bei dem eine große Figur aus Pappmaché mit Süßigkeiten gefüllt und aufgehängt wird und eigentlich Kinder so lange mit einem Stock drauf schlagen, bis sie zerbricht und die Kinder dann die Süßigkeiten aufsammeln können. In unserem Fall gab es statt des Stocks Bänder zum Ziehen, wovon nur ein Band eine kleine Falltür geöffnet hat, so dass die Süßigkeiten auf den Boden fielen. Das Video zur Piñata seht ihr hier:



Das Öffnen der Piñata

Vorm Öffnen der Piñata

Sonntag, 26. September 2010

Paris

An der Seine vorm Eiffelturm

Es ist ja schon eine Weile her, aber in letzter Zeit komme ich kaum noch zum Bloggen... Ende Juli waren wir über Silvias Geburtstag zu dritt in Paris. Mit dem Auto hingefahren, da konnten wir öfter Pause machen und die Pausen ziehen sich mit Baby ganz schön in die Länge. Auf der Hinfahrt haben wir in Köln übernachtet, auf der Rückfahrt in Heidelberg. Ein Urlaub mit Kinderwagen ist zwar etwas anstrengend, aber wir haben doch erstaunlich viel gesehen. Sogar auf den Eiffelturm selbst konnte man den Kinderwagen mitnehmen, zusammen geklappt im Fahrstuhl, und in 115m Höhe gab es tatsächlich einen Wickelraum für Melissa! Sportlicher war es in Versailles, im Schloss waren Kinderwagen verboten, dafür draußen im weitläufigen Park gestattet.

Das Schloss Versailles

In der Stadt sind wir viel mit der Metro gefahren, um den Staus und der Parkplatzknappheit zu entfliehen. Das ist ein Abenteuer, da man mit dem Kinderwagen nicht durch die Drehkreuze kommt und immer jemanden finden muss, der einem die für diese Fälle gedachte Tür öffnet. Und danach gibt es oft sehr lange Gänge mit vielen Zwischentreppen. Rolltreppen oder gar Fahrstühle sind dabei ganz rar. Klar, dass man da kaum Kinderwagen bzw. Babys in der U-Bahn sieht, dafür waren aber die Fahrgäste umso freundlicher und haben Silvia immer sofort einen Sitzplatz angeboten. Die anderen Sehenswürdigkeiten haben wir im Schnelldurchgang und meist von außen gesehen: Triumphbogen, Champs-Élysées, Élysée-Palast, Place de la Concorde, Tuilerien, Louvre, Invalidendom, Centre Pompidou, Notre Dame, das Rathaus, Place des Vosges und natürlich die Kaufhäuser Galeries Lafayette und Printemps.

In Paris ist alles größer, sogar die Nutella-Gläser (in den Galeries Lafayette)

Womit vertreiben wir uns sonst die Zeit außer mit Melissa? Mit Kita-Besichtigungen, einer Goldenen Hochzeit, Steuererklärungen, der Nachbereitung unserer Hochzeit, in meinem Fall mit einem neuen Handy (Google Nexus One) und (diesmal ohne Zeitungsfoto) der zweiten IFA mit Melissa.

Neulich auf der Funkausstellung...

Montag, 24. Mai 2010

Filmstar

Waehrend die Erwachsenen Forellen fischen, liege ich lieber im Schatten in der Haengematte

Dieses Mal habe ich noch nichts ueber das Filmstar-Gefuehl geschrieben, das mich bei bisher allen Auslandsaufenthalten begleitet hat. Das hat einen sehr einfachen Grund: Mit Melissa gibt es einen neuen Star, hinter dem alles andere unwichtig erscheint. So werde ich morgens von Silvias Mutter mit einem "Buenos dias!" (Guten Morgen) begruesst, auf das sofort besorgt folgt "Y la bebé?" (Und das Baby?). Nur wenn ich gleich mit dem Baby auf dem Arm herunterkomme, ist die Welt in Ordnung und es folgen Ausrufe des Entzueckens. Wenn Melissa mal etwas laenger schreit, kommt gleich jemand mit vorwurfsvollem Blick und fragt "Was macht ihr mit meinem Baby, warum schreit sie?". Melissa gehoert hier allen, jeder (zumindest jede Frau) sagt hier mi guagua (Inka/Indio-Sprache Kichwa: Baby), mi bebé, mi princesita (Prinzessinchen), mi preciosa (Schoene) aber auch mi gordita (mein Dickerchen) zu ihr. Neulich sassen wir abends beim Kartenspielen, als ein schwarzer Nachtfalter durch die offene Tuer geflogen kam. Ploetzlich hatte Melissa ihn gefangen, mit ihrer rechten Hand, und zeigte ihn stolz dem belustigten Publikum. Uns Erwachsenen war es vorher nicht gelungen, den Falter zu fangen...

Hier ein paar weitere Fotos ihrer letzten Entwicklungen:

Auf meiner Zahlenmatte kann ich mich besser drehen, als auf dem weichen Bett von Mami und Papi. Bald fange ich an zu krabbeln!

Ich mag keinen Brei, lieber saftige Melone!

Ich bin viel gelenkiger als Papi und kann meinen Fuss locker in den Mund stecken!

Montag, 3. Mai 2010

Verschiedene Eindruecke aus Ecuador

Die letzte Woche sind Birgitta und Rosa aus Deutschland gerade rechtzeitig nach der Flugfreigabe in Europa hier eingetroffen, so dass wir viel unterwegs waren. Anbei ein paar Eindruecke, auch allgemein zu Ecuador.

Strassenkuenstler in Quito

Korrektur Kinderwagen: Rosa hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass man an vielen Orten in Ecuador doch ganz gut mit Kinderwagen zurecht kommt, z.B. in Puyo, wo sie Ihre Tochter Shirley mit Kinderwagen gross gezogen hat.

Am Aequatordenkmal Richtung Otavalo: je ein Bein auf der Sued-, eins auf der Nordhalbkugel

Autofahren in Quito - Altstadt: In Quito haben wir uns einen Mietwagen genommen, um ein paar Tage nach Otavalo im Norden zu fahren. Die erste Nacht haben wir aber in Quito verbracht. Den Wagen haben wir vor der Hotelsuche in ein Parkhaus gestellt, dann das Hotel ausgesucht und dort erfahren, dass das Hotel eine Garage hat. Also bin ich das Auto "mal schnell" aus dem Parkhaus holen gegangen, das Parkhaus war nur 2 Bloecke vom Hotel entfernt. Die Fahrt gestaltete sich aber schwierig, durch die vielen Einbahnstrassen und Strassensperrungen am Sonntag fuhr ich staendig im Kreis und es war kein direktes Durchkommen zur Hotelstrasse moeglich. Meine Kreise wurden immer groesser, trotzdem landete ich immer wieder am selben Punkt eine Strasse zu weit suedlich. Nach einer Stunde und einer Odysee durch die ganze Altstadt von Quito hatte ich schliesslich doch eine Moeglichkeit gefunden, fand vorm Hotel die verzweifelt wartende Silvia wieder, die sich natuerlich schon Sorgen gemacht hatte, und stellte das Auto mitten in einer stark abschuessigen Fussgaengerzone vor das Hotel - die Hotelgarage war verschlossen und von aussen so eng, dass das Einfahren in Schraeglage ein Abenteuer versprach. Da die Frau mit dem Garagenschluessel nicht aufzutreiben war, haben wir das Auto dann schliesslich wieder im urspruenglichen Parkhaus abgestellt, der Weg in diese Richtung hat noch nicht einmal fuenf Minuten gedauert...

Kirche in Otavalo

Biertrinken und Stromausfall: Abends wollten wir mit Birgitta an ihrem ersten Tag noch schoen ein Bierchen trinken gehen, ebenfalls ein aussichtsloses Unterfangen. Kneipen wie bei uns gibt es nicht, in (ecuadorianischen) Restaurants gibt es oft kein Bier, und eine Hotelbar gab es auch nicht. Empfehlung vom Hotel: Kauft Euch doch im nahen Supermarkt die Flaschen und trinkt sie im Hotel. Also bin ich um 18:30 los, zwei Bierflaschen, einen Trinkjoghurt fuer Silvia und etwas Schokolade zu kaufen. Gerade als ich die Tuer vom Supermarkt-Kuehlschrank oeffne, geht das Licht aus. Stromausfall und ziemliche Dunkelheit im ganzen Bezirk! Nach einer Minute geht das Notstromaggregat im Supermarkt wieder an, so dass wenigstens hier keine Panik ausbricht. Im selben Moment faengt Silvia gerade an, Melissa zu wickeln und Birgitta sitzt auf der Toilette. Der Stromausfall dauerte eine Stunde und wir konnten die Taschenlampenfunktion von meinem Handy mal gut nutzen...

Birgitta, Rosa und Silvia in San Francisco zu Rosas Geburtstag

Fangen von Dieben: Am Freitag abend sehen wir in den Nachrichten, wie zwei Verbrecher in Riobamba von der Menschenmenge gefasst und vor Eintreffen der Polizei blutig geschlagen wurden. Solche Selbstjustiz findet man hier oft, laut Silvias Eltern auch deshalb, weil die Polizei die Straftaeter oft nach ein paar Tagen schon wieder laufen laesst. Am Samstag morgen in San Francisco werden wir von Tumult geweckt. In unserem kleinen Dorf sind zwei Einbrecher gefasst worden, die ein Haus ausgeraumt haben. Die Buerger haben sich ueber Handy schnell zusammengerufen und die Diebe gefasst. Auf dem Dorfplatz wurden sie bis zum Erscheinen der Polizei in Verwahrung genommen und von den wuetenden Buergern wohl auch mit einem dicken Stahlseil geschlagen.

Verkehrsicherheit: Hier gibt es viel Positives im Vergleich zu 2006 und 2008 zu berichten, man sieht jetzt z.B. deutlich weniger Menschen ohne Gurt Autofahren und die Windschutzscheiben haben fast kaum noch Spruenge. Grund dafuer ist ein Punktesystem, das letztes Jahr eingefuehrt wurde: aehnlich wie bei uns gibt es fuer jedes Vergehen Punkte (z.B. 1,5 Punkte fuer Fahren ohne Gurt, Risse in der Scheibe oder auch schwarz getoente Seitenscheiben), bei 30 Punkten wird einem der Fuehrerschein abgenommen.

Power-Tourismus in Puyo: Unsere Berliner Trauzeugin Rosa ist eine echte Powerfrau. Letzten Freitag hat sie mit ihrem Sohn Diego Birgitta und mich nach Puyo zu einer Rundfahrt eingeladen. Wir hatten Zeit von 09:00 bis 16:00, da um vier Silvias und mein Hochzeitskurs begann. In diesen sieben Stunden haben wir fuenf Highlights besichtigt, von Aufzuchtstationen fuer Tapire, Schlangen und Affen ueber exotische Voegel bis hin zu einem Wunderschoenen und hohen Baumhaus mit Blick ueber den Dschungel und einer Urwald-Wanderung zu einem 30m hohen Wasserfall. Wir haben alles prima geschafft, waren abends selber geschafft, aber haben Eindruecke bekommen, die noch lange anhalten werden!

Hochzeitskurs: Unser Priester aus Puyo war wie erwartet deutlich entspannter mit unserem Hochzeitskurs. Um vier Uhr begruesste er uns freundlich mit kurzer Jeans und Poloshirt in seinem Buero ueber der Kirche - und schaltete den DVD-Spieler und Fernseher ein. Wir sahen dann 1,5 Stunden ein Video eines begnadeten kolumbianischen Predigers mit dem doppeldeutigen Titel "Die Ehe ist kein Kreuz". Er hat sehr unterhaltsam und gut geschildert, auf welchen Prinzipien eine ideale Ehe aufbauen sollte, zusammengefasst sind das Solidaritaet, Augenhoehe aber auch Autonomie der beiden Partner. Danach hat er uns gefragt, ob wir noch Fragen haben und wir haben noch die letzten Details der kirchlichen Zeremonie geklaert. Na bitte, es geht doch auch anders!

Fernsehmania in Ecuador: Ecuadorianer sind anscheinend begeisterte Ferngucker, jedenfalls laeuft der Fernseher ziemlich oft: in Bussen (mit DVDs), im Restaurant (was manchmal ziemlich nervig ist) oder zu Hause. Den Hoehepunkt haben wir bei einer Cousine von Silvia erlebt: das Haus hat vier Zimmer und fuenf Fernseher (einer naemlich noch in der Kueche), nur im Bad gab es keinen Fernseher. Und alle Fernseher liefen, hingeguckt hat aber keiner. Zukuenftig wird der Fernseher vielleicht durch ein anderes Medium abgeloest: im gleichen Haus lief naemlich auch staendig ein Internet-Computer, bei dem sich die beiden Kinder (4 und 16 Jahre alt) um ihre Zugriffszeiten gestritten haben. Der Kleine konnte noch nicht lesen, aber die Spiele im Internet konnte er problemlos bedienen. Sie hat dagegen mit ihren Freundinnen gechattet und sich beschwert, wenn die Mutter die Chats lesen wollte.

Mittwoch, 21. April 2010

Warten und Spontaneitaet

Mit Silvias Verwandten Cristina, Wilma (Cousine) und Irma im Garten der ehemaligen Villa von Juan Léon Mera, dem Dichter der ecuadorianischen Nationalhymne, Ambato

Annikas "Klassiker"-Blog-Eintrag "Warten und Spontaneitaet" von 2006 ueber zwei typisch ecuadorianische Eigenschaften findet heute seine Fortsetzung. Fangen wir an mit der Spontaneitaet, oder auch mit der Sorglosigkeit, die damit eng zusammenhaengt. Das letzte Mal habe ich ueber die Hochzeitsvorbereitungen berichtet, eigentlich war alles von uns fertig geplant, bis auf ein entscheidendes Detail: wir haben kein Zelt fuer den Hof vor Silvias Elternhaus bekommen, Schuld war nicht der Muttertag am Sonntag, sondern die Kommunionsfeiern, die hier Anfang Mai stattfinden. Auch hatten wir fuer einige andere Dinge noch keine richtige Loesung, der Vorhof ist z.B. mit Kies ausgelegt, was sich nicht gut zum Tanzen eignet. Dann das Geschirr: sollen/koennen wir hier Geschirr mieten, oder Pappteller kaufen, worueber dann hinterher aber gerne geredet wird? Diese Fragen im Kopf kamen wir am Montag aus Ambato wieder zurueck nach San Francisco, als uns Silvias Eltern verkuendeten, sie haetten gute Nachrichten fuer uns, aber wir sollten erst einmal Mittag essen. Die Nachrichten waren, dass bei einem Besuch von Tante Rosa und Tante Mercedes am Wochenende die Hochzeitsplanung mal eben komplett umgestellt wurde: die Hochzeitsfeier findet nicht bei Silvias Eltern statt, sondern in einer Pizzeria im Nachbardorf Victoria. Die Familie hatte am Sonntag alles klar gemacht, und da sie uns als Eltern fuer das Hochzeitsessen einladen, haetten sie natuerlich auch das Recht dazu. Erst einmal waren wir geschockt ueber diese Fremdbestimmung, aber nach und nach wurden uns die positiven Effekte dieser gluecklichen Wendung immer mehr bewusst: die Zeltfrage war ueberfluessig, ebenso die Geschirrfrage und die anschliessende Besichtigung der Pizzeria ergab, dass nicht nur ein grosser Raum mit Tanzflaeche und Diskobeleuchtung zur Verfuegung steht, sondern auch zwoelf Zimmer im gleichen Haus, besser ausgestattet und um einiges guenstiger als der angedachte Ferienpark (in dem ich uebrigens noch nie Gaeste gesehen habe, und ich jogge fast taeglich an ihm vorbei). Die Sorglosigkeit hier geht also weiter, man muss nur warten und es findet sich eine Loesung. Und das Pata-Negra-Schwein? Das wird zumindest fuer den Samstag nicht geschlachtet, vielleicht fuer den Sonntag, an dem sich nach Silvias Prognose die ganze Familie ein zweites Mal versammeln wird...

Aufnahmen fuer einen Modekatalog in Ambato

Kommen wir nun zum Warten: Gestern war der dritte Tag unseres Hochzeitskurses, haette zumindest sein sollen. Wir hatten uns erst lose fuer vier Uhr nachmittags verabredet, das dann am Vormittag nochmal telefonisch bestaetigt. Der Kurs dauert immer zwei Stunden und da wir Melissa nicht viel laenger als drei Stunden ohne Silvia lassen koennen (sie wird noch gestillt), haben wir alles geplant: Silvias Schwester Irma kam als Babysitterin extra aus Ambato angereist, Melissa wurde um kurz vor vier noch einmal in Baños gestillt und dann Irma mit nach Hause (San Francisco) mitgegeben. Um vier erfahren wir dann im Hotel des Kursehepaares von der kleinen Tochter, dass wir um fuenf wiederkommen sollen, der Vater haette noch was zu erledigen. Nun war das nicht das erste Mal, beim letzten Kurs schon kam Ivan (so heisst er) eine halbe Stunde zu spaet, und das andere junge Hochzeitspaar erzaehlte uns, sie haetten mitunter zwei Stunden auf den Kursbeginn warten muessen. Das geht natuerlich nicht, wenn Melissa auf Mamis Milch wartet, und das wusste Ivan auch. Also ist uns ein bisschen der Kragen geplatzt und wir haben uns ueber diese Unzuverlaessigkeit beschwert, worauf gleich Ivans Frau aus einem Nebenzimmer herbeigelaufen kam, aber trotz zwei eigener Kinder nichts Schlimmes an dieser Situation sah. Im Gegenteil wurde sie noch frech. Eigentlich wollten wir jetzt gleich wieder nach San Francisco fahren und nicht eine Stunde auf den Beginn warten. Aber Silvia hatte eine bessere Idee: wir sind zur Kirche in Baños gegangen, haben uns beschwert und gefragt, ob wir den Kurs wechseln koennen, da das Ehepaar offenbar keine Zeit fuer den Kurs haette. Ein Wechsel waere nur moeglich gewesen, wenn wir bei einem anderen Paar wieder bei Null anfangen, also haben wir (bzw. Silvia) uns weiter bis zum obersten Kirchenrat von Baños beschwert. Schliesslich wurde uns erlaubt, den Kurs nicht in Baños, sondern bei dem Pastor aus der Nachbargemeinde Puyo, der uns auch traut (weil der Pastor von Baños zwar unheimlich nett ist, aber nie Zeit hat), durchfuehren zu duerfen. Dieser Pastor scheint uns sehr viel entspannter in Bezug auf den Hochzeitskurs, er sprach z.B. gar nicht von einem Kurs, sondern nur von einer "conferencia", also einem einmaligen, kurzen Treffen. Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

Statt Kinderwagen macht sich ein Tragesack in Ecuador ganz gut.

Melissa schlaeft tagsueber gut zwei Stunden trotz Autolaerms von der etwa 15m entfernten Landstrasse

Wie steht es eigentlich mit der Beziehung von Maennern und Frauen zu Babys hier in Ecuador? Zuerst einmal ist mir aufgefallen, dass Frauen hier ein sehr viel innigeres Verhaeltnis zu Babys haben als Maenner. Melissa wird von fast jeder Frau aus der Familie erst einmal in/auf den Arm genommen, und Silvias Schwestern Irma und Amparo in Berlin wickeln Melissa wie selbstverstaendlich. Maenner geben Melissa meist ihren Zeigefinger zum Spielen und wenden sich bald wieder ab. Beim Wickeln bin ich der einzige Mann bisher. Auch auf den Strassen sieht man hier selten Maenner, die ein Kind auf dem Arm haben. Aehnlich bei den Indios: die Frauen sind fuer die Kinder zustaendig und tragen selbst groessere Kinder (2 Jahre) in einem Tuch quer auf dem Ruecken. Durch diese Aufgabentrennung wird verstaendlich, dass Frauen hier immer nur "mi hijo/a" (mein Sohn/Tochter) sagen, aber nie "nuestro hijo" (unser Sohn), selbst wenn der Mann direkt daneben steht. Kinderwagen sieht man kaum, die Buergersteige und Staedte sind auch nicht darauf ausgerichtet: oft sehr eng, versperren Geschaefte oder Strommasten noch zusaetzlich den Weg.

Fuer Kinderwagen ist hier kein Durchkommen