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Dienstag, 2. Januar 2007

Über Jungfrauen und Drogen

Sex sells, das war mir zwar vorher schon bewusst, aber vielleicht habe ich den Wissensdurst der Damen (die Männer trauen sich nur nicht, die Fragen zu stellen) bisher im Blog zu wenig berücksichtigt. Deshalb nun die Antwort auf eine vielgestellte Frage:

Wie war das genau mit der Liebelei und den Frauen?

Andere Länder, andere Sitten, auch das lernt man in so einem Kulturaustauschprogramm. Bis zu einem gewissen Punkt flirteten die Frauen ganz heftig in Ecuador, zumindest habe ich das so interpretiert. Inzwischen weiss ich aber, dass "te quiero mucho (tqm)" alles heissen kann, von "ich liebe Dich" zum Partner geflüstert bis hin zu "ich hab Dich lieb" zu einem guten Freund. Und der enge Körperkontakt mit Umarmung und Küsschen ist dort ein normaler Umgang. Wie soll man also herausbekommen, ob die Anziehung stärker ist als eine gute Freundschaft? Schwierig, hier die feinen Nuancen zu erkennen. Im ersten Fall war es kompliziert, weil ich alle Zeichen für mich optimistisch interpretiert habe, sie aber nach 10 Tagen zu ihrem alten Freund zurückgekehrt ist, wo sie zwar nicht richtig glücklich war, aber das immer noch besser fand als eine Affäre mit einem Gringo, der nach 3 Monaten wieder in die weite Welt entschwindet. Inzwischen sind beide verlobt, und trotzdem hat sie mir für europäische Verhältnisse wilde SMSen geschrieben, dass ich z.B. nicht aus Ecuador gehen und sie zurücklassen solle, ob ich Weihnachten nicht bei ihrer Familie (ohne den Verlobten) verbringen könne usw. Was ich natürlich nicht gemacht habe. Die gleiche Freundin hat mir auf der anderen Seite bestätigt, was man aus Mitteleuropa nicht kennt: In Ecuador bleiben selbst Pärchen Jungfrauen, solange sie nicht verheiratet sind, und leben solange auch bei den Eltern. Natürlich gibt es Ausnahmen (und durch die mangelnde Aufklärung manchmal auch sehr junge Mütter), das wird aber (zumindest bei den Frauen) als eine ziemliche Schande angesehen. Das hat mir auch Yuli bestätigt. Glaubt man dagegen den Männergesprächen im Zoo, sieht das in der Realität alles ganz anders aus. Und ein Lieblingswort bei den jungen Leuten (egal ob Mann oder Frau) war "chupiculifiesta", auf deutsch etwa "Saufibumsiparty". Liegt die Wahrheit dazwischen?

Nicht viel weniger interessant scheint die folgende Frage zu sein:

Habe ich in dem halben Jahr zu- oder abgenommen?

In Guayaquil konnte ich das nie genau überprüfen. Ich hatte vorher 90kg gewogen, gerade meine Hosenbundweite von 34 auf 36 umgestellt, da das doch viel bequemer sitzt. In Guayaquil gab es nur eine Arztwaage mit Schiebegewichten, die ungefähr 190 libras, also Pfund angezeigt hat. Beim laxen Zweiteilen ergibt das also 95kg, aber war ein ecuadorianisches Pfund nicht immer ein bisschen weniger als 500g? Ich weiß es nicht. Also schwer feststellbar bis keine Veränderung. Aus Annikas AFS-Erfahrungen wusste ich aber, dass Austauschler, gerade in heissen Ländern, viel Wasser ansetzen und mit Übergewicht zurückkommen, das sich nach ein paar Monaten wieder abbaut. Also habe ich heute eine Waage gekauft, um mir Klarheit zu verschaffen, das Ergebnis: Heute nachmittag wog ich 87,3kg, nach dem guten Essen beim Italiener mit meiner Familie dann 88,5kg. Also leicht abgenommen, was mir meine Mutter und andere Frauen bestätigen.

Afrika

Inzwischen stehe ich unter Drogen, gestern habe ich mit der Malariaprophylaxe (Lariam, pro Woche eine Tablette, Nebenwirkungen laut Tropenärztin bei ca. 20%: Angsterscheinungen, Depressionen) begonnen, heute die letzte von drei Hepatitis-Kombi-Impfungen erhalten und dann ist seit Dezember in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, die Cholera ausgebrochen. Also auch noch heute die erste von zwei Cholera-Impfungen geschluckt (evtl. Nebenwirkungen: starker Durchfall, Übelkeit). Mal sehen, wie mein Körper das verträgt, der gerade noch mit der Umstellung von ecuadorianischen Darmbakterien auf deutsche zu tun hat. Dann habe ich mir bei Globetrotter noch folgendes Moskitonetz Namibia Okavanga gekauft:


Das hat ein Afrika- und Ecuadorreisender in der Zeitung empfohlen, gerade wenn man viel rumreist und nicht immer eine Möglichkeit zum Aufhängen des Netzes hat, bietet sich dieses selbsttragende Netz an. Am Wochenende ist mein Vorbereitungsseminar Afrika in Berlin, am Dienstag nachmittag geht es mit British Airways über London Heathrow nach Entebbe/Uganda.

Samstag, 30. Dezember 2006

Urlaub in Berlin

Mit Yuli (und Annika) in Riobamba

Ich bin wieder in Berlin angekommen und fühle mich hier wie im Urlaub, nach 12 Tagen geht es ja schon wieder weiter. Die letzten Tage waren noch einmal chaotisch organisiert von AFS: am Dienstag früh (2. Weihnachtsfeiertag, der in Ecuador normaler Arbeitstag ist), flogen wir von Guayaquil nach Quito, nach tränenreichem Abschied am Flughafen von den Familien. In Quito erfuhren wir dann, dass AFS uns für die letzte Nacht in Ecuador wieder auf dem Campamento Nueva Vida ausserhalb von Quito einquartieren wollte. Das muss man sich mal vorstellen, inzwischen hatten wir natürlich auch in Quito allerlei Bekannte, von denen wir uns verabschieden wollten, der letzte Abend in der Wildwest-Bar in Quito war schon organisiert, und AFS will uns jwd (für die Nicht-Berliner: janz weit draußen) auf einem Campingplatz unterbringen, weil dort die Kosten ein paar Dollar niedriger sind. Enrico, Annika und ich waren uns sofort einig, dass wir notfalls in Quito in ein Hotel gehen (für 7 Dollar), aber Enrico hatte eine noch bessere Idee, nämlich seine Gastmutter vom Kurzaustausch zu fragen, ob wir die eine Nacht in ihrem Haus verbringen können. Das ging dann auch ohne Probleme, und so lernten Annika und ich auch diese sehr nette Familie noch einen Tag lang kennen, und der Abend in Quito mit Ximena (Enricos Spanischlehrerin) in der Wildwest-Bar war auch gerettet. Am nächsten Tag dann der Witz: Unser Flug (übrigens auch der von Tim nach Australien) ging von Quito über Guayaquil und dann weiter nach Madrid. So waren wir also 1,5 Tage später wieder am Flughafen von Guayaquil und haben uns gefragt, wofür uns AFS eigentlich nach Quito geschickt hatte...
In Berlin dann die Eingewöhnung/Umgewöhnung:
  • Es ist so ruhig hier, selbst auf der voll belebten Einkaufsmeile Schlossstrasse schweigen sich die Menschen an, kein Geschrei der fliegenden Händler, es sind keine Autohupen zu hören, die Busse fahren fast lautlos.
  • Ich habe im Moment keinen Festnetzanschluss, brauche also ein Cyber wie in Ecuador, das sind Internet-Cafés, aus denen man auch billig ins Ausland telefonieren kann (in Ecuador kostet das weniger als 10 Centavos die Minute nach Deutschland). Der erste Anlauf bei dunkin donuts/easy internet ist ein Reinfall, die haben nur reine Terminals, von denen man keine Dateien/Bilder ins Internet laden darf. Telefonieren geht dort auch nicht. Vom Handy kostet es über 3 Euro die Minute nach Ecuador. Heute habe ich nun ein Cyber in Berlin-Steglitz in der Albrechtstraße gefunden: mit CD-Laufwerk und 25 Eurocent Tarif nach Ecuador. Geht doch.
  • Der 30°-Temperaturunterschied fällt nicht so schwer aus wie gedacht, ich laufe mit meiner coolen Alpaka-Andenmütze herum (wahrscheinlich bin ich der einzige, der die cool findet...) und schwitze mit Pulli und dicker Jacke.
  • Annikas Mutter hat mir ihre alte Digitalkamera geschickt, klein, kompakt, genau das richtige für Afrika. Vielen Dank!!
  • Zuhause lege ich meinen mp3-Sampler mit Latino-Musik ein (Reggaeton, Salsa, Bachata, Vallenato). Meine Gedanken schweifen zurück in eine andere Welt.

Hier noch ein paar Bilder aus Riobamba und Banos, danke an Annika, die eine Super-CD mit Bildern als Weihnachtsgeschenk verteilt hat!

Unplanmäßiger Halt auf der Zugfahrt zur Teufelsnase, da ein Erdrutsch die Gleise versperrt.

Wir haben gerade die geräumte Strecke passiert.

Die Teufelsnase, der Schienenbus fährt nach rechts, um gleich darauf rückwärts links runter zu fahren.

Melcocha, die Süßigkeiten aus Zuckerrohrsirup in Banos, werden um eine Astgabel geschleudert, um sie zum Aufschäumen mit Luft anzureichern.

Banos liegt spektakulär in den Anden an einem Steilhang zum Fluss.