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Sonntag, 24. Dezember 2006

Mit der Bahn zur Teufelsnase

Die letzten 2 Wochen, der Reiseteil, vergingen sehr schnell und wir Voluntäre versuchten noch schnell die Orte und Sehenswürdigkeiten zu erhaschen, die wir in den Monaten zuvor nicht geschafft hatten. Darunter waren Quito und die Galápagos-Inseln, danach blieben noch 5 Tage bis Weihnachten übrig. Während Enrico sich für eine Dschungeltour entschied, war Annika und mir das zu stressig. Wir hätten dann keinen Tag mehr in Guayaquil gehabt zum Verabschieden von Freunden oder Einkaufen von Mitbringseln und Weihnachtsgeschenken. Ausserdem wollte ich die letzten Tage noch mit Yuli verbringen, meiner ecuadorianischen Freundin. So haben wir uns für eine 3-Tagesfahrt nach Riobamba und Baños in die Sierra (Anden) entschieden, mit Yuli und Annika.

Hauptattraktion war dabei die Bahnfahrt um die Teufelsnase von den Anden zur Küste herunter. Die Strecke wird als die schwierigste der Welt bezeichnet und hat ursprünglich Quito in den Anden mit Guayaquil (Duran) an der Küste verbunden. Nach mehreren Unterspülungen ist jetzt allerdings nur noch ein kleines Teilstück zwischen Riobamba und Sibambe befahrbar. Die Teufelsnase selbst ist ein Berg mit 2 Spitzkehren, bei dem der Zug ein Stück rückwärts fährt und dabei in wenigen Minuten 100 Höhenmeter überwindet. Früher ein wichtiges Transportmittel für Ecuadorianer, fährt der Zug heute nur noch mittwochs, freitags und sonntags und wird fast ausschliesslich von Touristen aus Europa und den USA benutzt. Ausser Yuli haben wir an Ecuadorianern nur noch einen kleinen vielleicht 10-jährigen Jungen gesehen, der sich neben uns gesetzt hat und wie ein Wasserfall erzählt hat. In unserem Fall fuhr kein Zug, sondern drei Schienenbusse, und die Mehrzahl der Reisenden hat sich traditionell auf das Dach gesetzt, dort hat man einfach die beste Aussicht auf die herrliche Berglandschaft.

Es geht frühmorgens um 7:00 los, da ist es noch kalt auf dem Dach und die Händler im Bahnhof bieten einem aufdringlich ihre Waren an: Neben Kaffee und Frühstück auch Handschuhe, Mützen und Schals aus Alpaka-Wolle, sowie "Poncho Rain" (sprich: Rein), die englisch-spanische Bezeichnung für einen Regenponcho. Der Zug hält zwischendurch zweimal in Guamote und Alausi, wo man sich bei Kaffee/Tee aufwärmen und die sonstigen Bedürfnisse erledigen kann. Kurz nach Alausi, um 11:00, dann ein unplanmässiger Halt: Die Gleise sind in einer grossen Pfütze nicht mehr zu sehen, und hinter der Pfütze dann ein meterhoher Erdrutsch mit Steinbrocken. Mit Schaufel und Spitzhacke versuchen einige Arbeiter, die Erdmassen wegzuräumen, und wir Schaulustigen auf dem Dach schliessen Wetten ab, ob und in welcher Zeit wohl das Gleis wieder befahrbar gemacht werden kann. In Deutschland wäre ich jetzt wahrscheinlich sehr unruhig, da jede Verzögerung in der Regel alle nachfolgende Pläne durcheinander bringt. Hier dagegen haben wir noch keine nachfolgenden Pläne gemacht und die ecuadorianische Lässigkeit lässt uns einfach nur interessiert zugucken und ruhig abwarten, was jetzt passiert. Einige Touristen verlassen das Zugdach, um selbst mit Hand anzulegen und rollen grössere Steine aus dem Weg. Nach und nach kann die Pfütze abfliessen und wird der Erdhügel immer kleiner. 1 - 1,5 Stunden später sieht man das Gleis wieder und unter dem Beifall der Passagiere für die Arbeiter rollt der Zug wieder an. Dann kommt endlich die Teufelsnase, der Zug fährt vorwärts, rückwärts und wieder vorwärts den Abhang hinunter und auf dem Dach wird einem dabei ganz schwindelig. Unten steht eine Bahnhofsruine ohne Dach, früher war hier der Abzweig nach Cuenca, in einem Dreieck wendet der Zug und wir warten auf die Rückfahrt nach Alausi, von wo aus wir mit dem Bus zurück nach Riobamba fahren. Es soll einen Plan geben, dass die restliche Bahnstrecke ab 2008 wieder instand gesetzt wird, hoffentlich wird das wirklich durchgeführt.

Fotos im Internet von der Strecke, die eigenen Fotos von Annika werden nachgeliefert (im Hotel Tren Dorado haben wir ebenfalls übernachtet, zum Weiterblättern im Link rechts die kleinen Fotos anklicken)!

Am nächsten Tag haben wir noch einen Ausflug nach Baños am Fusse des Vulkans Tungurahua unternommen, der erst am 17.8.2006 und 16.10.2006 das letzte Mal ausgebrochen war. Baños ist das Tor zum Dschungel von Ecuador und von hier aus kann man viele Aktivitäten wie Rafting, Canyoning, Bungee-Jumping, Wandern, Mountain-Biking, Klettern usw. unternehmen. Leider hatten wir nicht viel Zeit, um 1 Uhr mittags traten wir schon die 7,5-stündige Busfahrt nach Guayaquil zurück an.