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Donnerstag, 26. Oktober 2006

Geburtstagsbräuche

Letzten Donnerstag hatte ich Geburtstag und konnte so mal die ecuadorianischen Bräuche kennenlernen. Ich selber hatte nichts gross vorbereitet und liess ganz im Sinne der ecuadorianischen Sorglosigkeit alles auf mich zukommen. Ausser dass ich kurz vorher die Familie gefragt hatte, wo ich am besten feiern könnte, da das Haus gerade wegen Umbauarbeiten im Büro eine grosse Baustelle war. Meine Gastbrüder freuten sich, da die Jüngeren normalerweise Donnerstags nicht ausgehen dürfen, und wir wählten einen Tag vorher (für ecuadorianische Verhältnisse also sehr frühzeitig) die Tanzbar Waikiki für den Abend aus.

Doch vorher war ich ja noch im Zoo arbeiten. Anscheinend bringt man hier zum Geburtstag eine Torte selber mit, jedenfalls wurde ich mehrfach gefragt, wo denn die Torte sei. Allerdings habe ich bisher noch keinen anderen gesehen, der das gemacht hätte. Nach dem Mittagessen wurde ich dann auf einmal von den Kollegen, die wohl alle samt Chef zusammengelegt hatten, mit einer grossen Torte überrascht, und das Ritual "Happy Birthday"-Singen (auch hier wollten sie die Strophe von mir selbst auf Deutsch hören) und Kerze auspusten (in Form eines diskreten Fragezeichens) begann. Beim Anbeissen der Torte wurde ich dann natürlich mit der Nase noch leicht hineingeditscht, die Fotos davon liefer ich nach, sobald ich sie im Internet von den Kollegen herunterladen kann. Die Torte war sehr gross und reichte für über 20 Personen. Der Chef hat mir dann noch eine Guia (Zooführerin) nach Wahl als Geschenk angeboten, leider konnte ich mich bei so viel netten Frauen nicht entscheiden :o) Machismo-Humor...

Abends um 10:00 sind wir dann ins Waikiki gefahren, eine Bar mit freiem Eintritt und Bezahlen nach Konsum (Bier 1,25$), also das in Europa vertraute System. Das andere Modell, bar libre = all inclusive, bei dem Männer zwischen 10 und 15$ und Frauen zwischen 0 und 3$ Eintritt zahlen und dafür so viel trinken können, wie sie wollen, habe ich mit Rücksicht auf die Gastbrüder und Freunde nicht gewählt, da das hier sehr viel Geld ist und viele dann nicht mitkommen könnten. So waren alle 9 Gastbrüder, Camilo mit Freundin, und die anderen Voluntäre dabei, und es wurde viel getrunken und etwas getanzt. Das Bier wurde in Nachttöpfen mit 6 Strohhalmen serviert, aus dem dann alle getrunken haben. Zusätzlich gab es für mich ein Trinkspiel auf Kosten des Hauses, bei dem auf eine Bierflasche ein Aufsatz gesteckt wird, der aussieht und mir in den Mund gesteckt wird wie ein Schnorchel, dann wird die Flasche kopfüber nach oben gedreht und innerhalb von Sekunden ist der ganze Flascheninhalt in meinem Mund. Sehr witzig, vor allem für die anderen... Um halb 3 sind wir dann mit mehreren Taxen nach Hause gefahren, wo zusammen mit Richard, der wegen der noch andauernden Trauerzeit nicht mitgefahren war, noch eine Flasche Orangen-Wodka, ein Geschenk von Anita, in grosser Runde probiert wurde.

Insgesamt machen sich die Ecuadorianer wenig aus Geschenken, die Anwesenheit und das gemeinsame Feiern steht mehr im Vordergrund, was ich sehr schön fand, weil ich bisher noch nie mit allen Gastbrüdern gleichzeitig was gemacht habe. Die Geschenke kamen dafür von den Voluntären, Annika mit einer Latino-Tanz-CD (die ich mir schon immer hier kaufen wollte aber nie wusste, was gut ist) und Anita mit der besagten Wodkaflasche.

Am nächsten Tag, Freitag, waren die Brüder ganz schön fertig, für mich ging nun das Wochenendprogramm los: Arbeiten im Zoo bis mittags (ich hatte leider nicht freibekommen) und dann Fahrt mit Annika nach Manta an die Küste, wo wir Enrico aus Esmeraldas getroffen haben. Darüber dann mehr im nächsten Bericht.

Vielen Dank noch an alle aus Deutschland für die vielen lieben e-Mails, einen Handy-Anruf und einen Brief, der noch unterwegs ist! Darüber habe ich mich hier sehr gefreut!