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Montag, 11. September 2006

Gruppendynamik - Ausflug nach Esmeraldas

An diesem Wochenende habe ich das erste Mal den Äquator auf dem Boden überquert.

Die ersten 6 Wochen sind um, wir haben uns eingelebt und duerfen nun auch am Wochenende ohne unsere Gastfamilien reisen. Natuerlich wollten wir da mal wieder die anderen Voluntaere sehen, wir sind ja auf die drei Orte Quito, Esmeraldas und Guayaquil verteilt. Also haben wir uns Wochen vorher einen Ort (naemlich Manta an der Kueste) ausgesucht, der von allen drei Orten halbwegs in der Mitte liegt. Alle schienen begeistert von der Idee und so machten wir uns an die Vorbereitungen, suchten die Busverbindungen heraus, beantragten bei AFS die Reisefreigabe, informierten die Arbeitstelle (weil wir das Wochenende um den Freitag verlaengern wollten) und natuerlich die Familien. Aber irgendetwas ist dann schiefgelaufen, jedenfalls sagten 1-2 Tage vorher immer mehr Leute ab, und von 10 Personen blieben auf einmal nur noch Annika und ich uebrig. Die Haelfte der Gruppe fuhr lieber nach Quito und von dort nach Esmeraldas, ohne zu sagen warum oder die andere Haelfte auch nur darueber zu informieren. So entschlossen wir uns am Donnerstag abend kurzfristig um und aenderten das Ziel auf Esmeraldas, um Sybille und Enrico doch noch zu sehen und vielleicht auch die Gruppe wieder zusammenzubringen.

In Suedamerika ist der Bus das Hauptverkehrsmittel, gefolgt vom Flugzeug, Eisenbahnstrecken wie in Europa gibt es hier kaum. Die Fahrt nach Esmeraldas dauert 8 Stunden und kostet 8 Dollar, Enricos Faustregel, dass die Buspreise nach Stundentarif 1 Dollar berechnet werden, hat sich hier exakt bestaetigt. Um nicht den muehsam erkaempften freien Freitag im Bus zu verbringen, entschieden wir uns fuer die Nachtfahrt, und so trafen wir uns mit Annika und Anita, die nun doch noch spontan mitkam, um 10 Uhr abends (3 Stunden nach der Entscheidung, nach Esmeraldas zu wechseln) am Busbahnhof und checkten fuer die Fahrt um 23:30 ein, der fruehere Direktbus um 22:30 war schon ausgebucht. Die Ueberlandbusse haben einen guten Standard, recht bequem, mit Fernsehen (da werden die kopierten DVDs gezeigt, die man hier fuer 1,50 $ ueberall auf der Strasse und in Geschaeften kaufen kann, passend zur Busfahrt ein deutscher Constantin-Film mit einem Autobahnrennen von Jugendlichen, auf der Rueckfahrt u.a. ein Horrorfilm ueber Autobahnmassenungluecke, die Busfahrer haben hier einen Humor und denken sich dabei wahrscheinlich noch nicht einmal was...) und besserer Verpflegung als auf einem deutschen Lufthansa-Inlandsflug (Kekse und Kola sind in den 8 $ Fahrpreis enthalten, zusaetzlich kommen tagsueber dauernd fliegende Haendler mit Essen und Trinken eingestiegen). Ich habe den Steward/Schaffner bewundert, wie er in dem schwankenden Hoellenbus in der einen Hand die Kolabecher, in der anderen die 3l-Kolaflasche (mit Kola wird hier uebrigens jede Limonade bezeichnet, schwarze Kola ist Coca/Pepsi-Cola, orange Kola ist Fanta-aehnlich, gelbe Kola (gallito) ist supersuess), also mit keiner Moeglichkeit, sich festzuhalten, die Becher ohne etwas zu verschuetten randvoll giessen kann. Bis er im zweiten Durchgang meiner gerade aufgewachten Sitz-Nachbarin nochmal orange Kola einschenkt und mir dabei die Haelfte ueber die Hose kippt. Also doch nicht perfekt...


Ausflug an einen einsamen Paradies-Strand

In Esmeraldas frueh morgens angekommen werden wir ganz lieb von Sybille, Enrico und Emma, spaeter auch noch Camilla, abgeholt und an ein Hotel vermittelt (Dreierzimmer fuer 30$ die Nacht, sauber mit Kuehlschrank und TV), wo wir beim Duschen unvermittelt mit Wasserproblemen konfrontiert werden. Das Wasser troepfelt nur, manchmal ist es ganz weg. Als wir deshalb schon gerade das Hotelzimmer wechseln wollen, erklaeren uns die anderen Voluntaere, dass das in Esmeraldas normal ist, manchmal gibt es gar kein Wasser, dann wieder ganz viel. Na gut, also Haare waschen wann immer der Wasserdruck mal gerade hoch ist.

Immer noch der schoene Strand

Es werden zwei schoene Tage mit einem einsamen Paradiesstrand, einem Stadtstrand, einem Museum fuer Vor- und Fruehgeschichte, Nachtleben und exotisch vertrautem Essen: Shrimps in Kokossauce am Paradiesstrand, aber auch Salchipapas nachts am Plaza Las Palmas: das sind Pommes mit Wuerstchenscheiben, Ketchup, Mayo, eingelegten Zwiebeln und Krautsalat, alles durcheinander geruehrt, lecker! Uebrigens war hier durch die Urlaubs-Selbstverpflegung der Samstag mein erster Tag seit 6 Wochen, an dem ich keinen Reis gegessen habe (wir waren abends Pizza essen, mittags eine frittierte Kochbananenspezialitaet am Strand)...

Krabben mit Kokossauce und Bananenroestlingen

Zwischendurch haben wir auch zufaellig die abgesprengte Gruppe aus Quito und Teilen Guayaquils getroffen, leider war aber kein Interesse da, etwas gemeinsam zu unternehmen.

Justine, Sybilles Gastschwester, eine suesse Nervensaege!

Mehr Bilder hier. Eine lustige Bus-Anekdote auf der Rückfahrt könnt Ihr als Kommentar bei Enrico lesen: