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Samstag, 16. September 2006

El Pantanal II

Berber-Affen

Nach dem ersten Bericht vor 6 Wochen ueber meine Arbeit im Zoo ist mal wieder ein Update faellig. Man, wie schnell die Zeit vergeht... Auf die 60 Briefe an deutsche Zoos kamen immerhin 5 positive Antworten und einige nette Absagen. Am weitesten sind wir mit dem Thueringer Zoopark Erfurt. Die wollen uns 5 Berber-Affen (oder Gibraltar-Affen, uebrigens die einzige frei lebende Affenart Europas, ausser dem Menschen) schenken, das ist doch mal was! Jetzt gilt es, alle moeglichen Formalitaeten durchzustehen: Erfurt muss bei den Affen einen Tuberkolose-Test durchfuehren, das sogenannte CITES-Abkommen (Konvention ueber den Handel mit wilden Tierarten) muss beachtet werden, eine Dokumentation fuer das ecuadorianische Umweltministerium wurde erstellt und die Einfuhr von dieser Seite schon genehmigt, das gleiche muss wohl in Deutschland fuer die Ausfuhr erstellt werden, die beste Transportart muss herausgesucht werden (gibt es einen Direktflug von Frankfurt nach Guayaquil, was kostet der fuer Affen?), das Gehege im Zoo gebaut/fertiggestellt werden, und zwar so, dass es keine Moeglichkeit gibt, dass die hier nicht einheimischen Tiere in die Umwelt entkommen koennen. Ist schon ein kleines Projekt, das Ganze. Heute frueh habe ich mit Erfurt telefoniert, um diese Fragen abzustimmen. Dabei sassen der Zoodirektor, der Juniorchef und der Biologe gespannt mit im Zimmer, und haben mich nach dem Gespraech gleich gefragt, was mein Gegenpart in Erfurt denn gesagt haette. Was gar nicht so einfach in Spanisch auszudruecken war... Ansonsten ist der Vogelpark Walsrode an Horn- und Schopfwehrvoegeln interessiert und will uns im Austausch Flughunde (eine Art von Fledermaeusen) anbieten. Da sind wir noch am Verhandeln. Eine Zusammenarbeit koennen sich auch die Zoos in Frankfurt, Nuernberg und Osnabrueck vorstellen. Ich bin gespannt was passiert, wenn zum ersten Mal die Kosten fuer die Transporte auf den Tisch kommen, ob dann immer noch alle an einem Austausch interessiert sind...

Dann ist uns aufgefallen, dass der Zoo in kaum einem Reisefuehrer erwaehnt wird (vielleicht weil es ihn noch nicht so lange fuer die Oeffentlichkeit zugaenglich gibt). Also haben wir einen kurzen, wohlwollenden (aber nicht uebertriebenen) Text erstellt und ihn an die grossen deutschen Reisefuehrer geschickt. Auch hier haben wir schon positive Antworten erhalten, allerdings werden wir die naechsten Auflagen wohl nicht mehr in Ecuador als Voluntaere erleben.

Ansonsten zuechte ich die Maeuse und Schnecken im Zoo, die als lebende Nahrung z.B. fuer Schlangen, Uhus, Eulen und Adler gehalten werden. Es ist zwar etwas frustrierend, wenn man einerseits taeglich sieht, wie lange die Maeuse brauchen, bis sie ausgewachsen sind, und wie schnell sie dann andererseits z.B. von einer Eule gefangen und gefressen werden. Aber so ist das Leben. Gezuechtet werden auch noch Huehnchen und Kueken. Eine Anaconda-Schlange isst alle zwei Wochen z.B. 2-3 kleine Huehnchen (oder grosse Kueken, wie man es auch bezeichnen will). Neulich war wieder ein Fernsehteam da (in den letzten 7 Wochen waren es schon mindestens 4 Teams), das hat das u.a. gefilmt: Anacondas haben keine Giftdruesen, sondern toeten die Huehnchen durch Erwuergen, wie im Dschungelbuch, und schlucken sie dann im Ganzen herunter.

Dann gibt es manchmal Arbeitseinsaetze wie neulich im Hirschgehege, wo wir die trockenen Palmblaetter von den Baeumen gezogen und vom Boden aufgelesen haben. Das war lustig, da die Hirsche sich manchmal gegenseitig gejagt haben und mit einem "Affen"tempo und vielleicht 20 cm Abstand an einem vorbeigesprungen sind. Sie sind also doch nicht so scheu, oder im Zoo an die Menschen gewohnt. Spass macht auch das Baeumebeschneiden mit einer Machete, hier ein gaengiges Arbeitsmittel. Allerdings kriegt man Blasen an der Hand, wenn man sie zu lange gebraucht.

Südamerikanischer Nasenbär

Ja, und wenn dann mal nicht viel zu tun ist, setze ich mich zu den jungen Fuehrern (alles Studenten, die tagsueber arbeiten und abends studieren, meist Tourismus und Hotelwesen) und bessere meine Spanischfaehigkeiten auf. Diese Woche habe ich meine erste Tour auf Spanisch mit offiziellen Zoo-Besuchern (Freunde hatte ich vorher schon einmal gefuehrt) gemacht. Lief ganz gut, auch wenn mir ein Tiername (Cuchucho, das ist der suedamerikanische Nasenbaer) nicht mehr einfiel und dort das Schild fehlte. Die muehsame Uebersetzung der Tour auf deutsch hat bisher noch keine Anwendung gefunden, weil sich hier keine deutschen Touristen hin verlaufen. Die kommen erst mit den naechsten Reisefuehrerauflagen, wenn ich schon weg bin...

Demnaechst gibt es dann auch mal Fotos vom Zoo und den Mitarbeitern. Liebe Gruesse in die Heimat!