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Montag, 18. September 2006

Australisches Barbecue

Tim und Farid beim Grillen

Tim aus Australien hatte schon lange mal vor, ein australisches Barbecue zu veranstalten, um endlich mal nicht Reis mit Hühnchen wie sonst immer zu essen. Heute am Sonntag war es dann soweit. Tim hatte sich am Freitag extra freigenommen, um die Einkäufe zu erledigen, die insgesamt nur 30$ gekostet haben, obwohl für Ecuador so exotische Sachen wie frischer Salat, griechischer Fetakäse und gelber Käse dabei waren. Zum Käse in Ecuador: gelber Käse wie Edamer, Emmentaler oder Tilsiter ist hier recht unbekannt, was es öfters mal gibt, ist ein sehr leckerer weisser Käse, der geschmacklich zwischen Mozarella und Feta liegt. Eingeladen waren alle 7 Voluntäre, sowie einige ecuadorianische Jungs, Freunde von einigen Voluntärinnen. Treffpunkt war um 11 Uhr für alle im Haus von Tim oder Christine (die beiden sind Nachbarn), das Barbecue selber sollte dann bei Freunden woanders stattfinden. Wer die Artikel von Annika und Enrico zum Thema Warten und Spontaneität gelesen hat, weiss was 11 Uhr Treffpunkt bei 12 Leuten in Ecuador bedeutet. Ich habe vorher Wetten auf 12:30 Abmarsch abgeschlossen, und lag mit 12:20 tatsächlicher Zeit gar nicht so weit daneben...
So sind wir dann mit einem Auto und einem Taxi losgefahren. Belegungszahlen von 8 und 5 sind in Ecuador nichts ungewöhnliches, beim 8er-Kombi sassen 3 auf der Kombifläche. In Taxis sind wir schon mehrfach zu sechst plus Fahrer gefahren: 2 auf dem Beifahrersitz, 4 hinten, der linke Beifahrer muss dann ständig sein Bein anheben, damit der Taxifahrer schalten kann. Als die Fahrt aus Guayaquil herausging, war uns klar, dass die Party in einer Urbanizacion stattfinden wird, so war es dann auch. Eine Urbanizacion Privada ist eine Mustersiedlung meist in der Peripherie von Grosstädten, die von einem hohen Zaun (in diesem Fall Stacheldraht und Elektroschock) gesichert ist, sowie von Wachschutz an der Einfahrtsschranke. Man kommt nur herein, wenn man registriert ist, oder der Besuchte dem Wachschutz per Telefon die Freigabe erteilt. Die Häuschen waren sehr schön im US-amerikanischen Stil gebaut und eingerichtet, nur der Garten war unterproportional klein, er hatte keine Rasenfläche, dafür aber einen kleinen Pool, eine Sitzfläche für zwei Tische, einen Kamingrill, eine Sauna und einen überdachten Poolbillard-Tisch, also alles was man für einen netten Nachmittag braucht.

Annika, Heleen, der Hausherr Camilo und ich, im Hintergrund die ersten Poolspiele

Das Essen war sehr lecker und wirklich mal eine angenehme Abwechslung zum sonstigen kulinarischen Standard hier. Interessanter war aber der Hausherr, Camilo. 57 Jahre alt, US-Amerikaner, hat er 40 Jahre seines Lebens in New York gelebt, bis er vor 15 Jahren das erste Mal nach Ecuador kam und seit 5 Jahren hier ständig lebt. Er hat eine ecuadorianische Frau und drei Söhne, die Jura und Medizin studieren, war ab 1965 in Bamberg als Soldat stationiert, hat sich dann wegen des vielen Schnees (doch nicht mehr als in New York??) für den Vietnamkrieg gemeldet und war danach ein ganz hohes Tier bei Kodak-Rank-Xerox, ist dienstlich in der ganzen Welt herumgereist und verdient jetzt eine Rente von 5.000 $ im Monat, für Ecuador also superreich. Dementsprechend hat er auch mehrere Immobilien und vollendet bald seine doppelt so grosse Villa in Salinas, dem Mallorca von Guayaquil, ca. 1,5 h Autofahrt von Guayaquil entfernt an der Küste gelegen. Sein Humor ist typisch US-amerikanisch: "Ihr könnt hier alles machen, aber bitte kotzt nicht in den Pool!" Nur 3h später um 5 Uhr nachmittags war wirklich ein Ecuadorianer kurz davor, schlief betrunken am Tisch in einer Rotweinlache ein, wurde dann von den anderen in die Sauna zum Ausschwitzen gesteckt und danach im Pool gebadet. Er hat es überlebt...
Camilos Ansichten waren interessant, man durfte ihnen nur nicht widersprechen, er gab nämlich keinen Millimeter nach. So gehören z.B. Apple und Microsoft beide Bill Gates (zumindest in den USA), Bill Gates ist der reichste Mann der Welt (und das stimmt laut Forbes sogar, unseren Favoriten, den Prinzen von Brunei, wollte er zu recht nicht anerkennen, mit der Begründung: Öl ist doch ersetzbar, aber Kommunikation nicht, und die hat Bill Gates fest in der Hand) und das World Trade Center wurde nicht von Bin Laden, sondern der CIA zerstört. Also ein Anhänger der Verschwörungstheorien. So frage ich ihn, ob er glaube, dass die Amerikaner auf dem Mond gelandet seien, und tatsächlich, wie erwartet, antwortet er: das war doch alles Fake. Ansonsten ist er der Gesundheit wegen nach Ecuador ausgewandert. Er hat eine Augenkrankheit, die nur durch das Fruchtsafttrinken hier und vor allem eine Aloe-vera-ähnliche Pflanze zum Stillstand gekommen ist, ich glaube Curacao-Aloe, die neben dem Pool wächst, gegen alles gut ist und von der er uns gleich zum Probieren etwas abgebrochen hat. Soll nach Zitrone schmecken, sie hat aber einfach nur nach Blatt geschmeckt, naja, nur nicht widersprechen...
Um 6 Uhr war dann auf einmal hektischer Aufbruch, die Hausherrin hatte vorher gesagt, um 6 solle man der Mücken wegen hereinkommen, drinnen war aber nicht so richtig viel Platz und Stimmung, also sind alle plötzlich ohne Rücksicht auf Freunde abgehauen und haben alles stehen und liegen gelassen. Annika, Tim und ich haben wenigstens noch das Gröbste weggeräumt und wurden von zwei der drei Söhne ganz lieb bis nach Hause gefahren.