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Montag, 25. September 2006

Ausflug nach Balsapamba - Parque Historico

Wandern am Rio Crystal

Diese Woche hat mich Leonardo, ein Führer im Zoo, gefragt, ob ich nicht am Freitag und Samstag zusammen mit Freunden einen Ausflug nach Balsapamba machen will. Die Freunde (Alvora und Brüder) wohnen in Babahoya nahe Balsapamba, einer mittelgrossen Kleinstadt, wir können bei denen übernachten, fahren mit dem Bus 1,5 h hin und haben nicht viele Kosten. Da Balsapamba am Rande der Sierra liegt (1.400 m hoch) und ich die Sierra noch kaum kenne, habe ich natürlich gleich zugesagt.
Studenten haben hier wenig Geld, sind mit dem bisschen aber wahre Überlebenskünstler, das habe ich während dieses Ausfluges gemerkt. So habe ich während des Ausfluges von Freitag nachmittag bis Samstag abend nur ca. 10$ ausgegeben, inkl. Busfahrt, Bierparty bis zum Übergeben am Freitag abend (ich nicht, aber ein Bruder des Freundes) und dem eigentlichen Ausflug mit Mittagessen, Billard und nochmaliger Busfahrt am Samstag (diese 10$ sind noch viel Geld, so haben zwei Freundinnen von Leonardo abgesagt, weil sie kein Geld für die Reise hatten). Dabei wurden wir aber tatkräftig von der ecuadorianischen Gastfreundschaft und dem Sozialbewusstsein unterstützt. Einige Beispiele:
  • Schlafmöglichkeit auf dem Sofa, Frühstück und Abendessen wurde uns wie selbstverständlich von der Familie Alvoras zur Verfügung gestellt. Dabei waren vorher wohl nicht mal alle angekündigt.
  • Für die Busfahrt nach Babahoya mussten wir alle nur den Studentenpreis von 1$ zahlen, wobei nach Gutglauben gehandelt wurde, ich wurde nach keinem Studentenausweis gefragt. Die Busfahrt von Babahoyo nach Balsapamba wurde für vier Personen von insgesamt 2$ (50 Centavos pro Person) auf 1$ heruntergehandelt, ich wusste vorher gar nicht, dass Buspreise hier verhandelbar sind... Von Balsapamba zum eigentlichen Ausflugsort sind wir getrampt und ohne lange Wartezeiten auf Busdächern, Pickup-Ladeflächen und in einem Lieferwagen für Wasserflaschen mitgenommen worden.
  • Am Ausflugsort gab es eine Strohhütte (s. Bild oben vom Fluss Rio Crystal), die wohl manchmal zum Tanzen, Essen und Feiern genutzt wird. Als wir kamen, waren wir aber die einzigen. Nach langer Diskussion mit der Wirtin, die nichts zu Essen da hatte, wurde sie von Leonardo und Alvaro überredet, uns doch noch ein Essen zuzubereiten, bestehend aus einer Übermenge Reis (na klar!), einem Rührei und ein bisschen Bohnen und Zwiebeln. Inklusive Getränk hat das Ganze für 4 Personen zusammen nur 3$ gekostet.

So hatten wir einen netten Ausflug und haben zwischendurch auch im Rio Crystal gebadet, der wirklich kristallklar war (für Ecuador leider nicht selbstverständlich!).


Im ecuadorianischen Whirlpool zusammen mit Alvaro und Leonardo

Am heutigen Sonntag habe ich dann mit Narcisa und Marcelo, einem Pärchen, die ebenfalls beide im Zoo arbeiten, den Parque Historico in Guayaquil besucht. Dieser besteht aus drei Teilen: Zoo, Landschaftspark und historischen Häusern. Zusätzlich gab es einen Kunsthandwerksmarkt, bei dem gezeigt wurde, aus welchen Fasern die Sombreros de Paja Toquila hergestellt werden (bei uns als Panamahut bekannt, wenn man das hier erwähnt, wird man böse angeguckt. Alle Panamahüte werden ausschliesslich in Ecuador hergestellt und werden im Ausland Panamahüte genannt, weil sie früher viel am Panama-Kanal gehandelt wurden) und wie Tierfiguren aus der Tagua-Nuss geschnitzt werden (hart und farbig wie Elfenbein).


Ein Jahrhundert zurückversetzt...


Narcisa und Marcelo

Für die Museumsgäste werden hier frittiertes Gebäck und Kaffee zubereitet.

Mehr Bilder hier.

Ach, und dann gab es mal wieder das Clasico dieses Wochenende, das Fussball-Guayaquil-Lokalderby der ersten Liga zwischen Barcelona und Emelec. Da die erste Liga nur 10 Mannschaften hat, gibt es diesen Klassiker viermal im Jahr zu sehen. Diesmal hat Emelec 2-1 gewonnen.

Und ich hatte am Freitag meinen ersten beiden grossen eigenen Gruppenführungen auf Spanisch, einmal 20, einmal 14 Schülerinnen. Es war für beide Seiten sehr lustig, für die Mädchen wegen meines Spanisch, und für mich, weil sie mehr Fotos von mir als von den Tieren gemacht haben...