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Sonntag, 14. Januar 2007

Talente und die Evolution

Vorneweg: heute sitze ich mal in einem schnellen Internet-Cafe, die gibt es hier also auch. Und nachdem ich meinen Kamera-Treiber aus dem Internet hier installiert habe, kann ich jetzt die ersten Fotos aus Uganda praesentieren!

Entebbe, am Ufer des Viktoria-Sees


Am Freitag bin ich in meinem Projekt, dem Africa Mentoring Institute, sehr herzlich empfangen worden. Alle 6 Mitarbeiter und ca. 15 Jugendliche kamen im Buero zusammen und es gab unterschiedliche Programmpunkte extra fuer mich: Eine Vorstellrunde, Reden, einen Calypso-Tanz, ein Gedicht, ganz viele Fragen (auch die Scherzfrage: Was mache ich als Letztes, bevor ich abends zu Bett gehe? Antwort: Die Fuesse vom Boden heben) und Gebaeck, Teigtaschen und Cola. Dann wird ein Name in Luganda fuer mich ausgesucht: Der Name des aktuellen Buganda-Koenigs Mutebe wird vorgeschlagen, noch ein zweiter, den ich nicht verstanden habe, doch schliesslich einigen sich alle auf Mukisa (der Gesegnete, der Willkommene). So heisse ich also jetzt: Tim Mukisa.
Am Montag (also morgen) fange ich schon an mit einem Teil meiner Arbeit: Computerkurs fuer Anfaenger. Die Schueler sind alle sehr motiviert und kommen zu dem Institut entweder zusaetzlich zur Schule, oder weil sie die Schule abgebrochen haben (bzw. mussten). Sie sind zwischen 15 und 25 Jahre alt und wollen sich selbstaendig machen, da es ansonsten hier wenig Arbeitsplaetze gibt. Die Motivation merkte man an einer Frage einer 19 Jaehrigen an mich: Welche Talente haette ich? Auf meinen Einwand, dass das schwierig zu beantworten waere, kam gleich die Nachfrage, ob ich mir das nie ueberlegt haette. Die Jugendlichen wissen also, was sie wollen...

Das Schild vom Africa Mentoring Institute

Am Abend hat mich Steve, bei dem ich die erste Woche wohne, dann auf ein Neujahrsessen der KPC, der Kampala Pentecostal Church (Pfingstbewegung), mitgenommen. Hier gab es ein Gartenfest mit vielleicht 2.000 Gaesten, vielen Reden, Essen das nicht ganz fuer alle gereicht hat, und natuerlich dem Auftritt von Pastor Gary M. Skinner. Dies ist ein kanadischer Prediger, der von den ca. 7.500 Gemeindemitgliedern in Kampala verehrt wird. Die Gemeinde ist streng hierarchisch aufgebaut mit der Zelle als kleinster Einheit, dann folgen Sektion, Zone, Distrikt und Region, jede Einheit hat ihren Leader, den Leiter. Am heutigen Sonntag war ich mit zum Gottesdienst, bei dem Steve ein Usher, ein Helfer war. Die Kirche gleicht einer Konzerthalle, es ist kein Kreuz oder Altar zu sehen, stattdessen eine grosse Buehne mit einem 100 Mann/Frau starken Chor, einer Band, dahinter eine riesige Videoleinwand fuer die Uebertragung, die Texteinblendungen beim Singen und die Powerpoint-Praesentation von Gary waehrend der Predigt. Doch zuerst wird ueber eine Stunde lang gesungen, man kommt sich vor wie inmitten des Musicals "Jesus Christ Superstar". Gary predigt dann etwas sture Ansichten, alle anderen Religionen einschliesslich des Saekularismus (= Atheismus) seien gefaehrlich, weil sie nicht auf der Wahrheit aufbauen, aber er predigt so begabt im Wechsel von Schreien, Huepfen und Fluestern, dass man zumindest nicht einschlaeft. Die Evolution verurteilt er, der Mensch stamme nicht vom Affen ab, denn schliesslich habe Gott ihn mit einem Sinn erschaffen. Die Evolution dagegen baue auf dem Prinzip des Zufalls auf. Dann leitet er noch schnell die Kollekte ein, die er "Challenge Miracle 2007" tauft, seine Frau tritt an seine Seite im Stile von Hillary Clinton und erklaert was sie unter Wunder versteht, und er spendet als erster 5.000 kanadische Dollar, die ein paar Millionen Ugandischen Schilling entsprechen, man solle sich schliesslich nicht vom Geld bestimmen lassen, sondern ueber sein Geld bestimmen. Nach zwei Stunden ist der Gottesdienst vorbei, es findet der naechste von insgesamt vier am Sonntag statt, demnaechst noch einer am Samstag abend, die Kirche ist total ueberfuellt.

Das Haus von Stephens Familie in Entebbe

Am Samstag war Steve den ganzen Tag auf einem KPC-Kongress, ich konnte mich zum Glueck entschuldigen mit dem Wunsch, den Zoo in Entebbe besuchen zu wollen, und so konnte ich vormittags, als es vier Stunden lang regnete, zu Hause den Rest der Familie naeher kennenlernen. Steve ist 24, unverheiratet, hat aber seit drei Jahren Paul Mukisa, einen AIDS-Waisen, adoptiert. Im Haus wohnen noch seine beiden Eltern, seine Grossmutter, die beiden Schwestern Lydia und Carol, sowie eine Hausangestellte mit Kind. Nach dem Regen bin ich dann mit Lydia, die Tourismus und Hotelmanagement (die beliebtesten Studiengaenge hier unterscheiden sich offenbar nicht von denen in Ecuador) studiert und Carol in das Uganda Wildlife Education Center, den groessten Zoo Ugandas, spaziert. Aehnlich wie El Pantanal in Guayaquil dient der Zoo der Aufzucht und Wiederauswilderung von Tieren, ist also mehr als ein normaler Zoo. Er liegt wunderschoen am Ufer des Viktoria-Sees und hat grosse Freiluftgehege.

Mit Lydia und Carol im Zoo

Auf dem Rueckweg laufen wir an dem Landsitz des ugandischen Praesidenten vorbei, im November findet in Kampala eine Commonwealth-Konferenz statt, die Queen nimmt teil, und einige Gaeste werden dann auch in Entebbe untergebracht.

Tracy bestaunt den grossen Muzungu (Weissen) und tanzt nachher ebenfalls Calypso fuer mich

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