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Sonntag, 21. Januar 2007

Alltag in Uganda

Mein Arbeitskollege Paul und seine Mutter haben mich aufs Land zum Essen eingeladen

Vorneweg: entschuldigt bitte, wenn ich auf einige E-Mails nicht antworte, es ist einfach zu frustrierend , wenn ich in der Woche im Internet-Cafe sitze und eine halbe Stunde nur warte, wie sich meine Mails oeffnen, dann eine Antwort schreibe und gerade beim Abschicken der Internet-Explorer abstuerzt. Das passiert ziemlich haeufig hier, manchmal schaffe ich es auch gar nicht erst, die Mails ueberhaupt zu oeffnen... Also versuche ich zumindest, das Weblog aufrecht zu erhalten. Doch nun zur bewaehrten Rubrik des Alltags, fangen wir an mit dem

Essen in Uganda

Das Mittagessen auf dem Dorf wird ausgebreitet, rechts Pauls Bruder

War in Ecuador Reis der Hauptbestandteil der Mahlzeiten, ist es hier Matoke, Kochbanane. Die gibt es zum Fruehstueck (ca. 7 Stueck gekocht, mit einer klaren Tomatensauce), Mittag und Abendbrot (hier jeweils zu einem etwas dickeren Brei verruehrt). Mittags und abends gibt es allerdings eine Vielzahl von Alternativen: Chapati (das sind von Indern eingefuehrte Mehlfladen, sehr lecker! Zusammengerollt mit Omelette drin heissen die Rolex), Reis, Suesskartoffeln, "normale" Kartoffeln (meist als Pommes, werden hier irische Kartoffeln genannt), Yam-Wurzel und ein gummiartiger weisser Maisbrei. In einer extra Schuessel serviert bekommt man die "Sauce", das kann Fleisch oder Fisch in Sauce sein, oder Bohnen oder ein erdnussartiger Brei der Groundnut. Gekocht wird nicht in der Kueche, sondern neben der Veranda auf einer Feuerstelle mit Brennholz. Das Abendessen wird meist gegen 11:00 nachts serviert.

An Fruechten neu fuer mich ist die Jackfrucht, die innen aus lauter einzelnen Zellfruechten mit Kern besteht, die man aus der Frucht herauspuhlt.


Jackfrucht-Baum im Zoo von Entebbe

Zu trinken gibt es hier ausser Wasser oder Saft einen sehr suessen Kaffee oder Tee, der zu 50% aus Milch zubereitet wird. Der wird morgens und zur Teezeit (wohl noch ein Relikt der britischen Kolonialzeit), bzw. wenn man nach der Arbeit nach Hause kommt, serviert. Das Leitungswasser darf man nur abgekocht trinken, es schmeckt leicht suesslich.

Begruessungs-Rituale

Zur Begruessung gibt es ein fuer uns ungewoehnliches Handschuettelritual, bei dem nach dem normalen Handschuetteln umgegriffen wird auf eine beidseitige Verklammerung der Daumen. Dies wird ein paarmal wiederholt, die Hand wird haeufig waehrend der ganzen Begruessung oder des Small-Talk-Gespraeches gehalten. Frauen und Kinder knien sich oft nieder, wenn sie eine ranghohe Person oder einen Gast zum ersten Mal am Tag begruessen.

Verkehr

typische Strasse auf dem Land

Der Verkehr wird hauptsaechlich in weissen Toyota-Transportern, die als Taxi oder Matatu bezeichnet werden, abgewickelt. Jede Stadt hat einen oder mehrere Taxiparks, das sind grosse Sandplaetze mit vielen Geschaeften/Marktstaenden drumherum. In dem Chaos von Minibussen fragt man sich durch zu seinem Abfahrtspunkt, wo meist schon eine mehr oder weniger gefuellte Taxe wartet. Es gibt keine Fahrplaene (das kenne ich doch irgenwoher...) und das Taxi faehrt erst los, wenn alle zugelassenen 14 Sitzplaetze (2 relativ bequeme neben dem Fahrer und 4 Reihen a 3 enge Plaetze im Fahrgastraum) besetzt sind. Das geht bei frequentierten Verbindungen sehr schnell, bei Ueberlandfahrten in die Doerfer kann es schon mal eine Stunde dauern. Waehrend der Fahrt werden noch zusaetzliche Fahrgaeste aufgenommen, dann rueckt man auf den 3er-Baenken zu viert zusammen, verdreht die Schulter oder lehnt sich mit dem Oberkoerper nach vorne (Schulter an Schulter geht zu viert nicht). Die Fahrpreise sollte man kennen, sie haben keine erkennbare Logik, z.B. kostet die Strecke Entebbe-Kampala 1.500 USh (ugandische Schilling), die Rueckfahrt dagegen 1.800 (das entspricht ca. 75 Eurocent). Im Fahrgastraum sitzt ein Mann an der Schiebetuer, der auch das Geld kassiert, und das meist nur mit einem stummen Blick.

Ist das Ziel in der Stadt sehr weit vom Taxipark entfernt, nimmt man sich ein Boda-Boda, das ist eine Mofa-Taxe fuer den Rest. Hier wird kraeftig gehandelt, mit der Zeit gewinnt man ein Gefuehl fuer die Preise. Der Vorteil der Boda-Bodas ist, dass sie im Berufsverkehr den Stau umgehen. Der Nachteil ist, dass sie oft sehr halsbrecherisch fahren, viele Unfaelle verursachen und es bei Regen nicht so angenehm ist. Statt eines Mofas kann man auch ein Fahrrad-Taxi nehmen mit einem Plastikkissensitz auf dem Gepaecktraeger. Hier sollte man sich vorher ueberlegen, ob eine Steigung zu bewaeltigen ist, dann laeuft naemlich der Fahrgast neben dem schiebenden Taxiradler her...

Sprache

Uganda ist ein Vielvoelkerstaat, der von Staemmen und Koenigreichen bestimmt ist. Es gibt ca. 30 verschiedene Sprachen, von denen Englisch die offizielle Staatssprache ist und Kisuaheli, das eigentlich mehr an der Oskueste Kenias und Tansanias gesprochen wird, eine inoffizielle Verkehrssprache. Im Zentraluganda um Kampala herum wird Luganda gesprochen, das ich gerade versuche zu lernen. Es sorgt immer fuer Erstauen und Belustigung, vor allem in den Doerfern (wo kaum Muzungus hinkommen), wenn man als Weisser in Luganda gruesst.

Haarschnitte

Die Frisur bei Maennern ist einfach: sie variiert zwischen 0,0 und 0,5 cm Haarlaenge. Bei Frauen immerhin zwischen 1 cm und schulterlang, teils mit den kunstvoll geflochtenen Rasterzoepfen. Ich ueberlege mir noch, ob ich hier zum Friseur gehe...

Sicherheit

Fuer eine afrikanische Grossstadt ist Kampala sehr sicher, Entebbe sowieso, selbst abends bei Stromausfall fuehle ich mich auf den dann dunklen bis kerzenbeschienenen Strassen nicht unsicher. Fuer Diebe soll hier eine Art Lynchjustiz existieren, entdeckt die Menge einen, wird er kurzerhand nackicht ausgezogen. Die dann folgende Schmach auf dem Nachhauseweg dient anscheinend als ziemliche Abschreckung. Wie in Suedamerika sieht man hier ueberall Sicherheitspersonal in Geschaeften oder auf der Strasse. Waehrend sie in Ecuador allerdings meist Maschinengewehre hatten, sind hier die Flinten weit verbreitet, die an die Schiessbude erinnern.

Elektrizitaet

Waehrend in Guayaquil oefters das Wasser abgestellt war, gewoehnt man sich hier an ein Leben ohne Strom. Die Haelfte der Zeit gibt es keinen und so haben wir abends oefters ein Candlelight-Dinner. Wenn der Strom da ist, muss ich mir ueberlegen, welchen Akku ich als erstes lade: Handy, Kamera oder Rasierer, ich habe nur einen Netzadapter... Da damit auch kein Fernsehen moeglich ist, sitze ich abends meist auf der Veranda, schaue in das Feuer der Kochstelle, lerne Luganda, schwatze mit Lydia, Carol und Stephens Mutter oder lausche den Proben der nahegelegenen Kirche.