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Dienstag, 11. Dezember 2012

Trauerfälle, Humitas und ein Paradies

Meine Ceviche mit "echter" Limonade (Limonensaft)
Frisch angekommen in Ecuador hatten wir letzte Woche erst einmal zwei nachdenkliche Aufgaben vor uns. Zuerst haben wir die Familie von Jimmy besucht, ein guter Freund und Arbeitskollege von Silvia, der vor einem Monat überraschend und leider viel zu früh gestorben war. Die Familie wohnt in Cevallos in der Nähe von Ambato, wo Silvias Geschwister wohnen. Dort haben wir außer den Eltern und Geschwistern von Jimmy auch seine Ex-Frau Claudia aus Berlin-Frohnau und ihren gemeinsamen Sohn Felipe getroffen. Spontan wurden wir zum gemeinsamen Mittagessen in Ambato bei Mama Miche, einem Meerresfrüchte-Restaurant eingeladen. Dort habe ich meine erste Ceviche (Shrimps in Zwiebel-Zitronen-Tomaten-Sauce) in diesem Urlaub gegessen. Eine gute Wahl, Felipe bestellte Reis mit Meeresfrüchten und schreckte dann vor der Riesenportion und dem schwarz gefärbten Reis (von den Conchas, einer hiesigen schwarzen Muschelart) zurück.

Gruppenbild mit Claudia (vorne) und Felipe (ganz rechts) 
Am nächsten Tag waren wir bei einer Beerdigung in San Francisco bei Silvias Eltern. Die Tochter der Blumenhändlerin war gestorben. Wie hier üblich wurde der Leichnam mehrere Tage in einem Kondolenzsaal neben der Kirche aufgebahrt, anschließend wurde er samt Blumen zum Gottesdienst in die Kirche getragen. Dieser war sehr emotional, Tochter und Mann der Toten folgten schreiend dem Sarg auf dem Weg zum Friedhof in den nächsten größeren Ort Rio Negro.

Beim Maismahlen
Am Sonntag kamen dann Silvias Tanten und Kusinchen zu Besuch nach San Francisco und es wurde viel gegrillt. Außerdem gab es Humitas und Colada Morada. Humitas werden aus weißem Mais gemacht, dieser wird mit viel Kraft gemahlen (dafür waren die Männer zuständig), die entstehende Masse wird mit einer Käse-Ei-Masse verbunden, in Maisblätter eingerollt und gedünstet. Alternativ gibt es auch süße Humitas mit Zuckerrohrrohmasse statt Käse. Colada Morada ist ein dickflüssiges, rotes, heißes Getränk, dass u.a. zu Allerseelen getrunken wird. Es wird aus rotem Obst und Maismehl zubereitet.

Beim Zubereiten der Humitas wird viel erzählt
San Francisco ist für mich wie ein Paradies. Mangels Internetverbindung kann man sich hier ganz auf die Natur konzentrieren. Zum Sonnenaufgang um 06:00 jogge ich eine Stunde auf der abgesperrten (und damit praktisch autofreien) Zufahrtstraße zu einem Wasserkraftwerk, die durch ein atemberaubend schönes Flußtal führt, umsäumt von Bambus (oder Zuckerrohrstauden, die kann ich nicht auseinanderhalten). In der Zeit treffe ich meist einen Radfahrer, einen Fußgänger und ein Auto (alles wahrscheinlich Arbeiter vom Kraftwerk), die mich Gringo mit einem freundlichen Lächeln grüßen. Melissa ist begeistert vom Hund Tomas und den beiden Hähnen, die vor Sonnenaufgang und danach krähen ("Der Hahn kräht und dann muss man aufstehen!"). Natürlich ebenso von den Schweinen und dem großen, grünen Garten mit Mandarinenbäumen, für den sie gerne ihre Gummistiefel heraus holt.

Melly trinkt eine Kokosnuss