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Mittwoch, 6. Mai 2009

Alltag in Vietnam II

Staubmasken und Schönheit

Staubmasken

Staubmasken sind in Vietnam sehr verbreitet. Nicht nur bei den Reinigungsfrauen, auch im Verkehr oder selbst bei Fußgängern sind sie oft zu sehen. Sie schützen gegen Luftverschmutzung, Dreck und vor allem (bei den Frauen, siehe hinten das Gesichtstuch) gegen Sonne. In Vietnam ist das Schönheitsideal nämlich keine "natürliche Bräune" wie bei uns heute, sondern vornehme Blässe (wie bei uns noch vor 50 Jahren). Dung trägt deshalb zum Mopedfahren oft auch bis fast zur Schulter reichende Handschuhe.

Arbeiten mit Dolmetscher

Wir laden unsere Dolmetscher zum Essen ein (und meine Tischnachbarin gesteht mir, dass sie noch nie einen so großen Mann gesehen hat)

Die Arbeit beim Kunden mit unseren Dolmetschern ist oft eine Herausforderung. Entweder fehlt mir das Wort auf Englisch oder manchmal auch meiner Dolmetscherin Dung, noch größer aber ist die Schwierigkeit, dass Dung die ihr oft fachfremden Diskussionen inhaltlich verstehen muss, um sie richtig zu übersetzen. Heute haben wir z.B. mit dem Kunden über Six Sigma, bzw. die von der IBM angewandte Methode Lean Sigma gesprochen, eine Methode zur Verbesserung von Qualitätsstandards. Dabei rauchte uns ganz schön der Kopf, da ich ihr erstmal einen Schnellkurs in Statistik geben musste (wo ich selber nicht ganz firm bin). Dafür hat sie sich aber sehr gut geschlagen, und wir haben schnell gemerkt, dass wir den Statistikteil dem Kunden gar nicht erklären müssen, das kannte er alles. Manchmal merke ich, dass meine Dolmetscherin selber das Projekt in die Hand nimmt. So muss ich mich neuen Ansprechpartnern nicht mehr vorstellen, das macht sie alles automatisch. Ich wundere mich dann nur, dass lange Zeit auf vietnamesisch geredet wird ohne dass eine Übersetzung erfolgt. Oder sie regelt selbständig mit dem Kunden, von welchen Themen ich Ahnung habe, und über welche Themen es gar keinen Sinn macht, mit mir zu sprechen... Insgesamt sind wir aber alle sehr mit unseren Dolmetschern zufrieden, Hut ab! Darum haben wir auch alle Dolmetscher gestern zum Abendessen eingeladen, was uns allen sehr viel Spaß gemacht hat.

Essen

Shrimps bestellt, Riesentiere erhalten...

Son aus dem Schachklub hat mir noch in Berlin gesagt, Vietnamesen essen alles, was sich bewegt. So gleichen manche Restaurants hier einem Zoo, oder besser einem Aquarium, in dem man sich den Fisch aussuchen kann, den man gleich isst. Neulich waren wir in einem Restaurant, das zwei Krokodile gehalten hat, die auch auf der Speisekarte standen. Sonstige Auswahl ist: Tauben, Frösche, Schnecken, Schlange (am Samstag fahren wir in ein Kobra-Restaurant bei Hanoi, mal sehen, ob ich was herunterkriege...), Hund (in besonderen Restaurants, ist angeblich sehr teuer). Am Sonntag waren wir in Haiphong auf einem Tiermarkt, es wurde alles verkauft, und ich glaube nicht als Haustiere... Ansonsten leben wir hier sehr gesund, essen praktisch kein Fleisch, nur Meeresfrüchte und machen jeden Morgen um 06:00 Sport (Joggen).

Arbeiten in einer Fabrik

Auch hier die typische Sitzhocke

Wie beschrieben kann ich meinem Kunden bei seiner Arbeitsweise kaum helfen, er kennt alle möglichen Methoden und wendet diese auch teilweise an. Meine Ansatzpunkte sind seine IT: es existiert kein Sicherungskonzept, alle Prozesse basieren auf Excel-Dateien auf Einzel-PCs, die im Defektfall verloren sind. Und er interessiert sich für ERP-Systeme (z.B. SAP), will allerdings nicht viel investieren. Da kam heute eine Kundenveranstaltung der IBM Vietnam ganz recht, die auch zufällig in unserem Hotel durchgeführt wurde. Einer der anonsten recht langweiligen Vorträge (für mich, da auf vietnamesisch, aber zumindest mit englischen Folien; für die mittelständischen Kunden, die die Folien nicht lesen konnten und für die die angebotenen Lösungen zum größten Teil überdimensioniert waren) beschäftigte sich mit SAP und sprach genau das an, worüber mein Kunde gerade nachdenkt. Auf jeden Fall trifft wieder das zu, was ich auch in Ecuador und Uganda erlebt habe: Es findet kein einseitiger Skilltransfer von mir zum Kunden statt, sondern es ist ein gegenseitiges Lernen in beide Richtungen, was die ganze Sache sehr interessant und spannend macht!