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Samstag, 17. April 2010

Der Hochzeitskurs und Handwerker

Silvia und ich werden ja hier katholisch heiraten. Dass es eine "Mischehe" wird (ich evangelisch, sie katholisch), stoert den Pastor nicht, und zum Glueck besteht er auch nicht mehr auf einem Nachweis, dass wir in Berlin regelmaessig zur Kirche gehen. Dafuer kommen wir aber um einen Hochzeitskurs nicht herum, den wir gerade absolvieren. Es sind 4 Abende oder ein kompletter Samstag (wegen Melissa haben wir uns fuer die Abende entschieden), und wird von einem Ehepaar durchgefuehrt, sollte zumindest. Am ersten Abend war das Paar naemlich gar nicht da, und dafuer sassen wir mit acht Frauen, davon eine Nonne, zusammen, haben gebetet und das Osterfest aus Sicht des Dominikanischen Ordens (der in Baños die Kirche leitet) betrachtet. Am zweiten Abend war nur der Mann anwesend und immerhin ein anderes Paar, das morgen kirchlich heiratet. Sie ist 16 Jahre und kommt von der Kueste Ecuadors, er sah auch nicht viel aelter aus und kommt aus den Bergen. Hier wurden nun ganz praktische Dinge besprochen: Werte, Kindererziehung, gemeinsame Haushaltskasse (Guetergemeinschaft) und wieviel noch fuer´s Sparen uebrig bleibt (bei 400$ Einkommen fuer zwei Personen in Ecuador 110$ im Monat), aber auch das Zusammenbringen der beiden Familien. Am Schluss wurde uns dann noch gezeigt, was wir bei der Trauung wann sagen muessen. Der Pastor wird uns z.B. fragen, ob wir auch wirklich freiwillig vor den Altar treten, und wir muessen dann geschlossen und mit lauter Stimme antworten. Ich bin gespannt auf die restlichen beiden Abende.

Melissa isst das erste Mal Brei, aus Kartoffeln und Moehren. Den Anistee spuckt sie wieder aus...

Ansonsten gehen die restlichen Vorbereitungen voran, wir haben schon 200m von Silvias Eltern entfernt ein Touristenareal mit drei Huetten, Sauna und Swimmingpool fuer die Gaeste angemietet, die ueber Nacht bleiben wollen, wobei wir wahrscheinlich bis zum Schluss nicht wissen werden, wie viele Gaeste wirklich kommen. Bisher haben wir noch kaum eine Zusage, obwohl in der Einladung darum gebeten wurde. Meine Freunde aus Guayaquil (Kueste), die hier in den Bergen so beliebt sind wie die Bayern in Preussen (die Kuestenbewohner werden "monos" - Affen genannt), werden dort wegen der langen Anfahrt schlafen, waehrend viele von Silvias Verwandten wohl am gleichen Abend wieder nach Hause (San Francisco, Puyo, Baños, Mera) fahren werden. Die Torte ist bestellt (kostet etwa ein Drittel so viel wie in Berlin), Tische und Stuehle gemietet, ein DJ (Silvias Cousin) gebucht, ein Fotograf ist auch in Silvias Verwandtschaft, und das schwarze Schwein wird nach Baños gebracht, geschlachtet und in einem speziellen Ofen im Ganzen gebraten. Nur ein Zelt fuer den Vorgarten haben wir noch nicht bekommen, anscheinend sind die fuer den Muttertag am 9. Mai schon alle ausgebucht.

Arbeitsschutz wird in Ecuador nicht gross geschrieben, hier eine verstaerkte Klappleiter fuer Dacharbeiten

Am Haus der Eltern wurden noch einige handwerkliche Arbeiten ausgefuehrt, und es ist interessant hier den Unterschied zwischen Deutschland und Ecuador zu sehen. Der Handwerker ist der Maestro, und er ist nicht wie bei uns spezialisiert, sondern macht fast alles von Rohrverlegung bis zur Einebnung und Kiesverteilung auf dem Vorplatz des Hauses. Er hat einen Tagessatz von ca. 25$ und nimmt sich manchmal noch ungelernte Helfer dazu. Leider steht die Arbeitssicherheit hier nicht im Vordergrund. Der Maestro war mal ein halbes Jahr im Krankenhaus, weil er mit der Trennscheibe in sein Gesicht gekommen war, dort ziert ihn nun eine lange Narbe und er hat nur knapp ueberlebt. Trotzdem arbeitet er weiter ohne jede Schutzmaske. Als Verlaengerungsschnur benutzt er normale Kabel ohne Stecker, der Kupferdraht wird direkt in die Steckdose gesteckt. Auch sieht man in vielen Badezimmern Kabel ueber der Dusche haengen, da die Duschen elektrisch beheizt werden, direkt am Duschkopf. Nicht immer sind die Kabelverbindungen mit Isolierband abgeklebt...