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Samstag, 10. April 2010

Alltag in San Francisco

Die Fanesca in Nahaufnahme

Zur Ehrenrettung der Latino-Maenner muss ich mich korrigieren, sie haben doch bei der dicken Fischsuppe geholfen. Der stinkende, grosse Trockenfisch musste naemlich entschuppt und gewaschen werden, keine angenehme Aufgabe. Dafuer hat sich Cousin Marvin sogar sein Hemd ausgezogen, um den Geruch nicht anzunehmen. John und ich haben beim Pellen der Maiskoerner und Bohnen geholfen. Und wer am Rezept der Fanesca interessiert war: es kommt doch kein Ei hinein, und Linsen kann man reinmachen, hatten wir aber nicht.

Und jetzt wieder ein paar Dinge des Alltags in San Francisco. Es gibt hier keine Postzustellung, wie auch in anderen Teilen von Ecuador. Persoenlich schreiben sich die Leute keine Briefe mehr, seit es Internet gibt, also wie bei uns. Und die Rechnungen fuer Wasser, Strom und Telefon? Die muss man einmal monatlich persoenlich bei den drei Gesellschaften einzahlen und erfaehrt dabei die genaue Summe des letzten Monats. In den groesseren Staedten wie Ambato bekommt man seit kurzem die Rechnungen auch zugeschickt, hier gibt es Briefpost. Interessanterweise wird ueber die Stromrechnung auch die Muellabfuhr und die Feuerwehr bezahlt. Die Polizei dagegen wird aus den Steuern finanziert, wie bei uns. Wenn man doch jemand einen Brief zustellen moechte (wie wir im Moment mit den Einladungen zur Hochzeit), kann man es einem Bus mitgeben. Den Empfaenger ruft man dann ueber Handy an, dass er den Brief im Buero der Busgesellschaft abholen kann...

Versorgung in San Francisco: Regelmaessig halten Transporter vor dem Haus von Silvias Eltern, und verkaufen direkt vom Wagen: Trinkwasser (in ca. 10l-grossen Plastikbehaeltern fuer 1,50$, die man bei uns oft als Wasserspender bei Aerzten oder Behoerden sieht), Gasflaschen (zum Kochen), Milch (unbehandelt und frisch von der Kuh), Broetchen (kommt jeden Abend und ist durch sein Hupen nicht zu ueberhoeren) und Gemuese. Bezahlt wird direkt in bar, ein sehr praktischer Service - solange immer jemand zu Hause ist.

Hochzeitsvorbereitungen: dieses arme, aber edle Schwein (pata negra) im Garten von Silvias Eltern wird der kulinarische Hoehepunkt der Hochzeit werden...

Busfahren: hier hat sich zu meinen frueheren Berichten nichts veraendert. Enricos Goldene Regel (pro Stunde Fahrzeit 1$) gilt immer noch. Neulich waren durch starke Regenfaelle (die uebrigens in ganz Suedamerika waren) einige Erdrutsche auf der Verbindungstrasse von San Francisco Richtung Urwald (Puyo), und teilweise war sogar ein Stueck der Fahrbahn weggebrochen in die ca. 50 m tiefer liegende Schlucht vom Rio Pastaza. Zeitweise war die Autoverbindung nach Puyo dadurch ganz unterbrochen. Als wir dann wieder fahren konnten (in Puyo haben wir die Einladungen fuer die Hochzeit drucken lassen), waren die Aufraeumarbeiten noch in vollem Gange, man hatte ein bisschen das Gefuehl von Weltuntergang. Sehr passend dazu wurde im Bus der Untergang der Titanic auf DVD gezeigt...

Melissa kurz nach einem riesigen Entwicklungssprung: Ihre erste selbstaendige Drehung vom Ruecken auf den Bauch!

Rituale: Schamanentum und Rituale sind in Ecuador weit verbreitet. Bekannt ist einigen sicherlich noch, dass vor der Fussball-WM 2006 ein ecuadorianischer Schamane alle Stadien, in denen die ecuadorianische Mannschaft spielen wuerde, geweiht hatte. Andere Braeuche, die uns im Zusammenhang mit Melissa angetragen wurden:
  • Das Einreiben des Babys mit einem rohen Ei (also nicht dem Inneren, sondern dem intakten Ei) verhindert Krankheiten.
  • Die Eltern sollen immer Zuendhoelzer dabei haben, wenn sie mit dem Kind unterwegs sind.
  • Das Baby soll ein rotes Armband tragen.
  • Man darf das Baby nicht auf den Mund kuessen, sonst sabbert es.

Die schoene Cris mit ihrer Kusine Melissa

Miss-Wahlen: Die sind hier ja sehr beliebt, Melissas Kusine Cristina hat sich 2008 an der Wahl von Miss Rio Negro beteiligt. Das bedeutet einigen finanziellen Aufwand, da sich die Kandidatinnen 3 verschiedene Kleidersets kaufen muessen, und sie vom Veranstalter nur 200$ erstattet bekommen. Deshalb haben sich nur 3 Kandidatinnen beworben und Cris war eindeutig die Schoenste der drei. Gewonnen hat dann ein etwas dickeres Maedchen, die zwar nicht huebsch, deren Familie aber dafuer nicht nachvollziehbar reich ist ("Wir haben dreimal hintereinander im Lotto gewonnen...").

Ansonsten geht es uns allen prima hier, das Leben auf dem Dorf und die langen Regenfaelle geben einem viel Zeit fuer Melissa aber auch fuer ein anderes Hobby, das ich im letzten halben Jahr praktisch nicht mehr ausgeuebt habe: Lesen. Und Melissa hat alle Zeit-, Klima-, Windel-, Bett- und Essensumstellungen wie ein Profi vertragen und ueberstanden!