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Sonntag, 18. August 2019

Mobilität


Wenn ich mal in Berlin bin, also meist nach der Arbeit auf dem Nachhauseweg, probiere ich unterschiedliche Verkehrsmittel aus. Um fit zu bleiben, habe ich mich z.B. bei Lidl Bike, der Berliner Variante von Call a Bike, angemeldet. Am Ostkreuz bei meiner Arbeit steht immer ein Rad innerhalb von 100 m zur Verfügung und so fahre ich abends bei gutem Wetter oft von Ostkreuz nach Südkreuz mit dem Rad statt mit der S-Bahn. Man muss sich einmal registrieren, was etwas aufwändiger war. Danach bucht man per App, abgerechnet wird im Halbstundentakt, einmal jährlich zahlt man 3€ im Basistarif. Für meine 45 Minuten wird mir eine Stunde abgerechnet, ich zahle 2€ (wenn ich das Rad an einer virtuellen Station abgebe, die man nur in der App, nicht real sieht und wo man sich deshalb schon mal vertun kann), außerhalb der Station 50c mehr. Die Räder sind robust, haben eine 7-Gang-Nabenschaltung und sind meist sehr gut in Schuss. Ein solides Angebot, preislich unschlagbar.

Als es in Berlin im Juni mit den Elektrorollern losging, habe ich mit Lime eine Fahrt vom Hauptbahnhof durch den Tiergarten zum Zoo unternommen. Die Anmeldung ging unkompliziert in der App, zum Fahren muss man allerdings erst einmal Guthaben von mindestens 10€ aufladen. Die Bedienung der Roller ist intuitiv, macht Spaß, das Fahren ist aber sehr ungewohnt und wacklig, vor allem in engen Kurven und auf Kopfsteinpflaster. Auf die Straße würde ich mich ohne weitere Übung erstmal nicht trauen. Aber gut, im Radfahren hat man meist auch jahrelange Übung, im Rollerfahren dagegen halt gar keine. Nach 19 Minuten und 4€ (die minutengenaue Abrechnung hat 20 Minuten draus gemacht, offenbar ein Bug in der jungen App) kam ich verkrampft am Zoo an. Ein teures und unbequemes Spielzeug für kurze Strecken. Damals hat eine Stunde 9€ plus 1€ pro Fahrt gekostet, also fünfmal so viel wie Lidl-Bike, inzwischen sind die Preise sogar noch angehoben worden (12€ plus 1€, 6,5 mal so viel wie Lidl-Bike).

Am Ostkreuz gibt es jetzt auch die neonroten Elektrofahrräder von Jump, einer Uber-Marke. Die Anmeldung ist ähnlich einfach wie bei Lime direkt über die Uber-App. Die Preise sind so hoch wie bei den Elektrorollern vor der Preiserhöhung: 1€ pro Fahrt, 15c pro Minute. Wenn man hier auf das Rad aufsteigt, kommt man sich vor wie Superman, Radfahren ist auf einmal so einfach und man überholt mühelos alle konventionellen Radfahrer. Man muss aufpassen, dass man nicht zu schnell fährt, obwohl man bei Jump nur eine 3-Gang-Schaltung hat. Als ich danach wieder auf meinem normalen Rad fuhr, dachte ich wirklich, es hätte einen Platten, so schwer kam es mir vor. 52 Minuten, 8,79€, hier kriegt man sogar 1c weniger berechnet. 25% günstiger als Elektroroller, aber viel bequemer und effektiver, eine gute Alternative zum Taxi innerhalb der Innenstadt auch für lange Strecken.

Anzumerken ist noch, dass ich alle drei Angebote mit schlechtem Gewissen, da ohne Helm, fahre. Es gibt jetzt schon Falthelme zu kaufen, die man immer im Rucksack haben kann. Ich denke, ich werde mir so einen zulegen.

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