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Donnerstag, 18. Juli 2019

Alltag in Ecuador

WhatsApp, Mobiles Internet

Bei meinem ersten Besuch 2006, das Smartphone wurde gerade erst erfunden, waren Blackberry-Handys hier am beliebtesten, wegen der Tastatur zum SMS Schreiben. Inzwischen gibt es hier einen WhatsApp-Boom. Taxifahrer chatten während einer Ampelpause, unser Hotel in Quito haben wir per WhatsApp gebucht, im Reisebüro wurden uns alle Vertragsunterlagen per WhatsApp zugeschickt, und auf der Taxifahrt zum Flughafen hat die Taxifahrerin uns gleich als Kontakt für die Rückfahrt mit Stammkundenrabatt aufgenommen ("Internationale Handyummer? Mit WhatsApp doch gar kein Problem..."). Mobiles Internet, vor ein paar Jahren hier noch unbezahlbar und ein Exot, kann man hier bei aufgeladenen Guthaben mit ein paar Eingaben in wenigen Sekunden tageweise dazubuchen. Auf unserer geliehenen SIM-Karte von Claro kostet eine Flatrate für Anrufe und SMS (die ja keiner mehr nutzt...) inkl. 1 GB Datenvolumen und WhatsApp unbegrenzt 3$ für drei Tage.
Halsenback, Abdichtband aus Deutschland wird hier gerne für Wasserhähne verwendet.
Richard Carapaz

Ecuador hat mit dem Radrennfahrer Richard Carapaz einen neuen Nationalhelden, nachdem dieser dieses Jahr als erster Ecuadorianer das Giro d'Italia gewonnen hat. Aufgewachsen in einem kleinen Andenbergdorf nahe Kolumbien in 2.900 m Höhe ist er nun Spezialist für Bergstrecken. Sein Bild wirbt für Movistar, den zweitgrößten Mobilfunkanbieter (nach Claro) in Ecuador. Silvias Onkel Daniel erzählt mir, dass er alle Etappen vom Giro d'Italia und nun von der Tour der France im Fernsehen verfolgt. Nur bei Marathon, dem Adidas Ecuadors, ist man darauf noch nicht eingestellt, Fahrradtrikots gibt es da noch nicht zu kaufen.
Richard Carapaz beim Giro d'Italia
Smalltalk

Wenn Silvias Tanten Mercedes (Miche) und Rosa zu Besuch kommen, ist für mich immer Smalltalk mit Onkel Don Daniel angesagt. Als ehemaliger Lehrer ist er einer der wenigen Ecuadorianer, die auch an internationalen Themen interessiert sind. So haben wir uns über Gelbwesten, Fridays for Future, Brexit und die nordirische Grenze, Radrennen, die Neue Seidenstraße Chinas und die Lage in Venezuela unterhalten. Auch wollte er wissen, was sich für mich seit dem letzten Besuch in Ecuador vor zwei Jahren verändert habe. Ich antwortete, dass es nun auch Pizza im Bus gäbe und im Zentrum von Puyo die oberirdischen Kabel jetzt unterirdisch verlegt würden.
Besuch der Tanten (3. Und 4. von links) in San Francisco, Don Daniel 6. von links
Die ecuadorianische Lösung für das Problem der in der Mitte ausgefranzten Kuchenstücke: das runde Mittelstück 
Venezulaner

Zur Zeit kommen viele venezulanische Flüchtlinge nach Ecuador. Viele reisten noch weiter nach Peru, das seit dem 15. Juni alle Venezulaner nur noch mit Reisepass und humanitären Visum (erhältlich in den peruanischen Konsulaten in Venezuela, Kolumbien und Ecuador) einreisen lässt. Flüchtlingsorganisationen organisierten dafür Bustransfers von der kolumbianisch-ecuadorianischen Grenze zur ecuadorianisch-peruanischen Grenze. Seit der peruanischen Entscheidung ist der Flüchtlingsstrom in Ecuador von 1.500 täglich auf über 4.000 angestiegen. Vorher hatte Peru zwei Jahre lang großzügig ca. 800.000 Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen an Migranten ausgegeben. Nach Schätzungen sind seit 2015 vier Millionen Venezulaner geflüchtet, 15% der Bevölkerung, 1,5 Millionen davon nach/über Ecuador, 300.000 leben in Ecuador. Im Januar 2019 kam es zu landesweiten Protesten gegen Venezolaner, nachdem eine junge, schwangere Ecuadorianerin von ihrem venezolanischen Freund erstochen wurde. Präsident Lenin Moreno führte daraufhin eine neue Spezialgrenzbrigade ein und fordert nun polizeiliche Führungszeugnisse für alle Einwanderer. In Quito haben wir Venezolaner im Busbahnhof gesehen, die Taxifahrerin erzählte, dass sie dort bis fünf Uhr morgens zum Schlafen geduldet werden.

"Wir schaffen das!", Chemnitz und bayerische Grenzpolizei: gibt es alles ähnlich in Peru und Ecuador.

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