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Freitag, 18. Mai 2007

Gesammelte Fotos

Anbei ein paar Fotos, die teilweise schon lange zurueckliegen, aber noch keine Gelegenheit zur Veroeffentlichung hatten.

Marabus. Was die Tauben fuer Berlin sind, sind Marabus fuer Kampala.

Grundschule. Hier unterrichtet eine Lehrerin Schuelern der ersten Klasse das Alphabet.

Ziegelherstellung. Man nehme den Schlamm aus der Umgebung, presse ihn in eine Form und lasse ihn trocknen. Fertig sind die Ziegel!

Ssesegateway Beach. Ein Samstagabend mit meinem Kollegen Henry am Strand von Entebbe.

Unfaelle. Ein weiterer Unfall nahe dem Institut, natuerlich zwei Toyotas...

AIDS-Aufklaerung. Es geistert immer die Legende von dem afrikanischen AIDS-Seminar umher, bei dem die Kondombenutzung mit einer Banane gezeigt wurde. Hinterher im Schlafzimmer haben die Teilnehmer dann auch immer eine Banane fuer das Kondom benutzt, was nicht geholfen hat... Bei diesem Seminar hat die Entwicklungshelferin aus dem US-Bundesstaat Washington keine Banane, sondern ein grosses Holzmodell aus ihrer Handtasche benutzt.

Dorf Nakaseeta, Grundschule, Samstag abend. Die finnische Voluntaerin Maria gibt nach 9 Monaten ein Abschlussfest in ihrer Schule. Die Lichtreflexe werden durch den vom Lehmboden aufgewirbelten Staub erzeugt. Die Schulen auf dem Land haben ueblicherweise keine Fenster, keine Tueren und keinen zementierten Fussboden.

Makerere Universitaet Kampala. Die Elite-Universitaet und aelteste Universitaet Ostafrikas.

Hauptgebaeude der Makerere Universitaet.

Kevin. Eine der schoensten Studentinnen des Africa Mentoring Instituts. Moechte Lebensmitteltechnologie studieren, am liebsten in Deutschland :o)

Montag, 14. Mai 2007

Muttertagswochenende

Diesmal folgt ein etwas laengerer Artikel ueber ein ereignisreiches Wochenende.


Donnerstag vormittag, vor dem Institut. Ein Krachen ist zu hoeren. Vor dem Institut ist ein Radfahrer auf der falschen Seite gefahren, wollte die Strasse ueberqueren und hat den entgegenkommenden Toyota nicht gesehen. Dieser weicht aus, faehrt ein Vorfahrtschild um und kommt im Abwassergraben neben der Strasse zum Stillstand. Der Radfahrer fluechtet, schnell finden sich zahlreiche Helfer, die das Auto aus dem Graben heben. Der Toyota ist natuerlich so robust, dass er weiterfahren kann, als Pfand (oder Beweismittel?) wird das zurueckgelassene Fahrrad inklusive aufgeschnalltem 20-l-Wasserkanister gleich hinten eingeladen. Nach einer halben Stunde sieht wieder alles aus wie vorher, nur das Vorfahrtschild ist nicht mehr zu sehen...

Donnerstag abend, zu Hause in Entebbe. Carol, Maria, Paul Mukisa, Tracy und Baby Prince freuen sich ueber gebratene Heuschrecken. Hier wurden sie im Ganzen, also mit Fluegeln und Beinen gebraten. Ich kann nicht hingucken, lasse mir die Koerper von der Familie abpuhlen. Diese schmecken aber wieder sehr lecker.

Freitag 16:00, vor dem New Taxi Park Kampala. Ich bin auf dem Weg nach Masaka, zusammen mit Paul aus dem Institut wollen wir einer Successor Ceremony beiwohnen (s.u.). Paul warnt mich: "Pass auf deine Tasche auf!" Beim Ueberqueren der Strasse rempelt mich jemand an und ich spuere etwas beim Portemonnaie in meiner vorderen rechten Hosentasche. Reflexartig umklammere ich den Dieb, er will fluechten und wir fallen beide zu Boden. Ich begrabe ihn unter mir wie beim American Football den Spieler mit dem Ei. Wir liegen mitten auf der Strasse, an uns rauscht ein Mofataxi vorbei und ich befuerchte schon, dass diesem die Beute weitergegeben wird. Aber so professionell arbeitet dieser Taschendieb nicht. Nachdem ich ueberpruefe, dass ich noch Handy, Geld und einen verschlossenen Rucksack habe, lasse ich ihn laufen. "What is the problem?" fragt er noch frech. Andere Passanten eilen mir zu Hilfe. Ausser ein paar Schrammen ist alles glimpflich verlaufen.

Freitag 18:00, im Sammeltaxi nach Masaka. Wie immer laeuft im Taxi ein Radiosender in lugandischer Sprache. Wir passieren gerade auf beiden Seiten Papyruswiesen, als der Radiosprecher die Woerter Energie Cottbus und Eintracht Frankfurt erwaehnt. Wie klein ist doch die Welt, und irgendwie verrueckt, denke ich. Da interessiert sich ein Bantu-Sender im afrikanischen Busch fuer den Fussballverein einer deutschen Kleinstadt. Als ich das Paul erzaehle, lacht er wie so oft als Antwort. Ja, die Ugander sind fussballverrueckt. Ansonsten interessieren sie sich nicht viel fuer andere Laender...

Freitag 21:00, im Pickup-Truck auf einem Waldweg. In Masaka treffen wir auf Pauls Verwandte, die sich einen Pickup-Truck mit offener Ladeflaeche fuer ca. 15 Personen gemietet haben. Sie nehmen uns die ca. 1,5 Stunden zum Geburtshaus von Pauls Mutter mit, wo die Zeremonie stattfinden wird. Ich darf vorne auf dem Mittelplatz in der Kabine sitzen, zwar werden meine Knie vom Steuerhebel am Lenkrad und der Konsole eingequetscht, dafuer bin ich nicht dem Staub und Wind auf der Ladeflaeche ausgesetzt. Nach einer halben Stunde biegen wir von der nicht asphaltierten, aber breiten Strasse auf einen einspurigen Waldweg ab. Ploetzlich muessen wir im Dunkeln stehen bleiben, vor uns steckt ein Toyota in einer grossen Schlammpfuetze, die Reifen drehen durch und bespritzen das weisse Auto und Helfer mit braunrotem Schlamm. Die Stelle erscheint unpassierbar, die Helfer versuchen notduerftig zwei Holzplanken in den Schlamm zu legen, aber der Toyota kommt nicht voran. Es werden verschiedene Wege, mal rechts, mal links, ausprobiert, er kommt nicht durch. Nach einer Stunde gelingt es dann doch endlich mit einem hohen Aufwand an (bezahlten) menschlichen Helfern, den Wagen durchzuschieben. Nun sind wir dran, unser Gelaende-Pickup hat nicht so grosse Probleme, aber auch er muss teilweise geschoben werden. Danach geht es noch endlos weiter bis zu unserem Ziel.

Freitag nacht, Successor Ceremony. Eine Successor Ceremony findet statt, wenn ein Familienoberhaupt gestorben ist, und ein Nachfolger gewaehlt wird, der seine Aufgaben uebernimmt. Begraben wird man in Uganda in seinem Heimatdorf auf dem Familienanwesen. Jeder Ugander hat sein "Dorf" wo seine Vorfahren begraben sind, selbst wenn er in der Grossstadt Kampala lebt. In diesem Fall sind im letzten Jahr einige Maenner aus der Familie von Pauls Mutter gestorben, fuer die nun ein Nachfolger ernannt wird. Also kommen wir im Heimatdorf von Pauls Mutter an, in der Naehe von Masaka am Viktoriasee. Die Feier ist am Samstag, aber alle reisen schon Freitag abend an. Ueberall auf dem Gelaende sieht man Zelte, teils mit Unicef-Zeltplanen, teils nur mit Bananenblaettern bedeckt. Uns, das sind ca. 6 Maenner, wird eines der besseren Zelte mit Unicef-Plane zugewiesen. Zum Nachtmahl gibt es gekochten Fisch direkt aus dem See, er wird traditionell mit allem ausser den Innereien, also mit Flossen, Kopf und Haut serviert, im Schein einer Parafinlampe versucht man dann, ihn so gut es geht mit den blossen Haenden zu essen. Danach wird traditionell und modern getanzt!


Samstag frueh, 5:30 im Zelt. Nach einer harten und kurzen Nacht auf einer Bastmatte, Schulter an Schulter mit den anderen Gaesten, werden wir zum Tee geweckt. Warum so frueh? Ich weiss es nicht, die meisten Ugander stehen taeglich um 5:00 auf und legen sich dafuer tagsueber irgenwann hin. Wir unternehmen einen Rundgang auf dem Grundstueck, einer Plantage fuer Bananen, Kaffee, Jackfruechte und vieles mehr, gelegen zwischen Wald und Seeufer. Vormittags spazieren wir dann zum See, wo die Menschen Wasser holen, Fische kaufen, ihre Schuhe vom Schlamm abwaschen. In einem Dorf werden Mukene auf dem Boden getrocknet, das sind winzige Silberfische, die kleinsten Fische, die hier gegessen werden. Sie sind sehr nahrhaft, und wie man sieht, schmecken sie auch den Huehnern:

Samstag 11:00, Zeremonie. Wehrend der Zeremonie bin ich etwas ueberrascht, ich hatte erwartet, dass als Nachfolger die Familienaeltesten bestimmt werden. Die drei Nachfolger sind aber sehr jung, einer ist sogar noch ein Kind. Die Eltern sind sehr jung gestorben, mit 35, und als Nachfolger wird jemand aus der direkten Linie gewaehlt, also kein Onkel oder so.


Bei der Zeremonie wird dem Nachfolger feierlich ein Gewand aus Baumrindenstoff (Bark Cloth) umgehaengt, das sich anfuehlt wie duennes Leder. Dann wird ihm eine Kalebasse mit Hirsebier ueberreicht. Da er noch unverheiratet ist, uebernimmt eine Schwester die Rolle seiner Frau. Ihr wird symbolisch ein Schaelmesser fuer Kochbananen ueberreicht, damit sie allen Gaesten jederzeit Essen zubereiten kann. Ansonsten hat die Zeremonie die Form eines katholischen Gottesdienstes, der Pfarrer ist dafuer extra aus Kampala angereist. Danach geht es die 10 Schritte zum Familienfriedhof.

Samstag nachmittag, 14:00. Bevor wir aufbrechen, gibt es natuerlich wieder etwas zu essen, in diesem Fall Flughuehner mit Kochbananen, Erdnusssauce, Yamswurzel, Reis und Kuerbis. Verpackt und gekocht in Bananenblaettern.


Samstag abend 21:00, Entebbe. Ich komme wieder zuhause an, habe Kopfschmerzen, leichtes Fieber, keinen Appetit und lege mich nur noch ins Bett.

Sonntag frueh, 9:30. Steves Mutter erkundigt sich nach meiner Gesundheit und sagt, das sind die typischen Malaria-Symptome, das hatte sie auch vor ein paar Wochen. Ich blaettere in meinem Gesundheitsbuch Afrika und tatsaechlich: Fieber, Magenschmerzen, Kopfschmerzen. Also lasse ich mir einen Arzt empfehlen und denke, je eher den Test, desto besser. Ich hoffe nur, dass mir kein Medizinmann (witch doctor) empfohlen wird und nehme vorsichtshalber zwei sterile Einwegspritzen mit, will ja kein AIDS bekommen. In der Klinik werde ich von Steves Vater vorgestellt, es warten ca. 15 Afrikaner, ich komme aber gleich ran. Manchmal hat man hier halt auch Vorteile als Muzungu... Beim Test selbst wird einem in die Fingerkuppe gepiekt, der Assistent nimmt dazu eine versiegelte Einwegspritze, ok. Nach 10 Minuten das Ergebnis: keine Malaria, also doch nur Magendarm-Grippe, wie ich sie schon zwei Wochen nach meiner Ankunft hatte. Mir werden 2.000 Schilling berechnet, das sind 90 Cent. Ich beschliesse, das nicht ueber meine Auslands-Krankenversicherung abzurechnen...

Sonntag frueh, 10:30, Muttertagsgottesdienst. Muttertag ist hier eine grosse Nummer, viel groesser als in Deutschland. Der Gottesdienst hat an diesem Tag praktisch keine Predigt, sondern nur Gesang, Tanz, Ehrungen an die Muetter von Stellvertretern der Toechter, Soehne und Vaeter. Die Geschenke werden im Gottesdienst ueberreicht. Ein grosser Chor von 66 Muettern, alle in roten traditionellen Kleidern, steht auf der Buehne. Aber die groesste Inszenierung kommt vom Pastor Mutebi. Er ist jedes Jahr Anfang Mai fuer drei Wochen in Kalifornien und hat diesmal seine Reise extra fuer seine Mutter vorzeitig abgebrochen. So erfahren wir, das Pastor Mutebi gerade am nahegelegenen Flughafen eingetroffen ist, also bald erscheinen wird. Spaeter faehrt ein dunkler Van am Eingang vor. Die Menge springt auf und ein Geraune entsteht. Dann steigt zuerst seine Frau, ebenfalls im roten Kleid, aus. Schliesslich der Pastor selbst. Mit spiegelnder Sonnenbrille und weinrotem Anzug wird er empfangen und bejubelt wie ein Rockstar. Alle Muetter laufen zu seiner Begruessung nach vorne. Dann steigt er, weiterhin mit Sonnenbrille, auf die Buehne, ergreift ein Mikrophon, und legt los: "Let's give a handclap to the Lord! God is great! GOD-IS-GREAT!!!" Die Menge ist nicht mehr zu halten, donnernder Applaus, Gejohle, Gehuepfe.


Anschliessend bekommen die Muetter eine grosse Torte geschenkt, die an alle Besucher verteilt wird und der Pastor laedt alle Muetter (und nur diese!) zum Lunch ein.

Donnerstag, 10. Mai 2007

Einmal reich sein!

Wer traeumt nicht davon, einmal Millionaer zu werden und reich zu sein? Hier in Uganda ist man es, und das liegt nicht nur am Wechselkurs. Schon alleine weil man das Geld hat, mit einem Flugzeug aus Europa nach Uganda zu kommen, und dafuer 1.000 Euro oder 2.000.000 Ugandische Shilling (ich bin Millionaer!) bezahlt, hat man mehr, als viele Ugander in ihrem ganzen Leben sehen. Einige Preise hier:
  • Ugandisches Mittagessen inkl. Limonade: 0,50 - 1,00 Euro
  • Grosse Viktoriabarsch-Pizza inkl. Bier und Espresso in einem der vornehmsten Hotels Kampalas (Speke Hotel): 10 Euro
  • Boda-Boda (Mofataxi) in Kampala: 0,25 - 1,00 Euro
  • Busfahrt im Sammeltaxi von Entebbe nach Kampala (40 km): 0,80 Euro
  • 0,5 l Bier im Restaurant oder Nachtclub: 1,25 Euro
  • 0,5 l Mineralwasser im Laden: 0,22 Euro
Viele dieser Preise sind fuer Ugander nicht zu bezahlen, man lebt von Subsistenzwirtschaft (den Dingen, die man auf dem eigenen Land erntet) und verdient (wenn man Glueck hat) zwischen 50 und 100 Euro monatlich. Praktisch niemand hat ein eigenes Auto, nur wenige einen PC.

Nicht verwunderlich, dass man als Muzungu (Weisser) oft angesprochen wird. Neulich habe ich vormittags eine halbe Stunde auf einer Wiese ein Buch gelesen, in dieser Zeit haben mich nacheinander drei Jugendliche angesprochen und nach meiner e-Mail-Adresse oder Handynummer gefragt. Ich weiss nicht, was sie sich davon versprechen, ich gebe meist meine richtigen Kontaktdaten heraus, gemeldet hat sich aber daraufhin noch keiner. Die Fragen nach einem Sponsor oder Brieffreund sind auch sehr haeufig, und manchmal wird man (hauptsaechlich von Damen) gefragt, ob ich sie nicht mit nach Deutschland nehmen koenne. Ist das so einfach? Ich weiss es nicht. Fest steht nur, dass die Visabestimmungen fuer Deutschland fuer die meisten Ugander eine sehr grosse Huerde darstellen. Kinder auf dem Dorf sprechen einen an "Bye, muzungu!" (Bye heisst hier nicht nur tschues, sondern auch hallo) und gleich darauf: "Give me money!" Wenn man fragt wofuer, wissen sie keine Antwort.

Aber nicht alles ist preiswert hier, Touristen muessen fuer Abenteuer tief in die Tasche langen:
  • Begegnung mit den Berggorillas in freier Wildbahn: wird im Juli von 390 $ auf 500 $ erhoeht,
  • Wildwasserfahrt auf dem oberen Nil (vom Lonely Planet als das beste Rafting der Welt bezeichnet): 95 $
  • 3 Tage Nationalpark, all inclusive: 600 $ - 1,200 $
Die Preise fuer Ugander sind etwas niedriger, aber trotzdem fuer sie unbezahlbar. Ich kenne keinen Ugander, der schon einmal einen Nationalpark besucht hat, alleine schon innerhalb von Uganda herumreisen macht keiner, ausser zu Familienfeiern.

Samstag, 5. Mai 2007

Nachtleben in Kampala

DJ im Club ange noir

Das Nachtleben von Kampala wird im Reisefuehrer "Lonely Planet" als einer der Hoehepunkte von Uganda angepriesen. Gestern (Freitag) habe ich die Gelegenheit genutzt, die zwei deutschen Katharinas sind diese Woche in Kampala und haben mich zusammen mit zwei afrikanischen Freunden in den angesagten Club Ange Noir mitgenommen. Eintritt ca. 2,50 Euro, das Bier 1,10 Euro, das sind humane Preise. Wir kamen um 10:00 an, innen dann die Ueberraschung: eigentlich ist gar kein Unterschied zu einer typischen europaeischen Diskothek zu sehen. Spiegelwaende, grosse Flachbildschirme, auf denen amerikanische Spielfilme (spaeter europaeischer Fussball) ohne Ton liefen, mehrere Bars mit verglasten Kuehlschraenken, ein paar Tische und Stuehle, eine grosse (noch gaehnend leere) Tanzflaeche. Nach Mitternacht beginnt der Club sich langsam zu fuellen, zwischen 2 und 4 Uhr nachts ist er proppevoll.

Katha und Kathy am Nabinoonya Beach

Steves Mutter war von der Idee auszugehen gar nicht begeistert. "Meinen Kindern wuerde ich das nie erlauben!" und wir sollten aufpassen, auf die afrikanische Begleitung hoeren, die weiss wenn es brenzlig wird. In Uganda leben viele Familien sehr religioes, trinken keinen Alkohol und verpoenen das Nachtleben. Und natuerlich wird man vor Geschichten gewarnt mit anhaenglichen Damen, KO-Tropfen im Bier und so weiter. Also war ich neugierig, was mich erwartet. Und tatsaechlich, nach einer Weile gesellt sich die erste interessierte Dame, etwas fettleibig, zu unserem Tanzkreis und startet die Konversation. Ich zeige kein sonderbares Interesse, werde sie aber erst los, nachdem ich erzaehle, dass meine Frau zuhause wartet. Gegen Ende der Nacht steht auf einmal eine kurvige Frau vor mir und stellt sich als Chantal vor. Sie hat angeblich einen afrikanischen Mann in Pakistan arbeiten, lebt in Holland ("das ist doch ganz nah zu Deutschland!") und besucht gerade ihre Familie in Uganda. Beim Tanzen drueckt sie sich eng an mich, nach der Ecuador-Kamera-Erfahrung passe ich jetzt besonders auf mein Geld und das Handy auf. An der Bar holt sie einen Flachmann mit Gin aus ihrer Handtasche heraus, aha, die KO-Tropfen denke ich und lehne dankend ab. Sie trinkt aber anschliessend selber daraus, und nicht zu wenig. Schliesslich laedt sie mich fuer die Nacht zu sich nach Hause ein, ich schaue mich um, wo eigentlich Kathy und Katha sind, finde sie und stosse erleichtert wieder zur Gruppe zurueck.

Mit Tina Rose am Strand

Um 5 Uhr wird der Club zunehmend leerer, wir warten draussen aber noch bis kurz vor 6, "ist ansonsten zu gefaehrlich" sagt Toni, der afrikanische Begleiter. Um 7 komme ich wieder in Entebbe an und lege mich hin.

Mittwoch, 2. Mai 2007

Alltag in Uganda IV

Design-Gebaeude der Nkumba-Universitaet nahe Entebbe

Es gibt so viele kleine Unterschiede zwischen dem Leben in Uganda und in Deutschland, und wie in Ecuador ueber die Busse kann man hier am meisten ueber die Sammeltaxen schreiben.

Sammeltaxi

Man glaubt gar nicht, wie lange ein Auto mit Spruengen in der Windschutzscheibe fahren kann. Hat man in Deutschland Angst, dass einem die gesprungene Scheibe irgendwann waehrend der Fahrt um die Ohren fliegt, so wird hier der Gegenbeweis angetreten: Risse werden nicht repariert, praktisch jedes Auto hat welche, und platzen habe ich noch keine Scheibe gesehen. Uebrigens war das in Ecuador genauso.

Tanken mit vollem Mini-Bus, in Ecuador die erwaehnenswerte Ausnahme, ist hier ueblich, bei jeder zweiten Fahrt haelt der Bus an der Tankstelle und tankt dann fuer umgerechnet 3,50 Euro - maximal 10 Euro. Dabei sind die Preise fuer den Liter Diesel nicht viel niedriger als in Deutschland, ca. 1,10 Euro. Was ist der Grund fuer das haeufige Kurztanken? In einem Ostafrikabuch habe ich gelesen, dass man damit den Diebstahl erschweren will: ein Dieb kommt mangels Sprit nicht weit mit dem Auto. Ich glaube eher, dass es eine Mischung aus gesundem Misstrauen und mangelnder Vorratshaltung hier in Uganda ist. Misstrauen, weil der Schaffner und der Fahrer sich die Einnahmen teilen, Tanken geht vom Gewinn ab, darum wird nur so viel wie gerade eben noetig getankt. Und der Schaffner weiss nicht, was der Fahrer nach Feierabend vielleicht noch mit dem Auto unternimmt. Mangelnde Vorratshaltung: Ugander machen keine Grosseinkaeufe, schon alleine, weil keiner ein Auto hat. Alles wird taeglich just in time vom Markt oder vom naechsten Tante-Emma-Laden (die es zu Hauf gibt) gekauft, oft wird abends um 10 noch jemand losgeschickt, um nur ein paar Broetchen an der naechsten Ecke zu kaufen.

Eigentlich ist jetzt Regenzeit, durch den weltweiten Klimawandel regnet es aber sehr unregelmaessig. Aber wenn es regnet, prasselt es so laut auf das Wellblechdach des Instituts, dass man den Unterricht unterbrechen muss, man versteht kein Wort mehr. Neulich sass ich bei solch einem Regen im Sammeltaxi. Zum Glueck in der Mitte der 3er-Sitzreihen (die meist von 4 Personen besetzt sind), denn die Gummidichtungen an den Aussenfenstern waren undicht und trotz geschlossener Scheiben kamen stete Wasserstrahlen von allen Seiten in den Innenraum. Die Strassen von Kampala waren binnen Minuten zu 20 cm ueberflutet, wir fuhren praktisch im Fluss und jedes Fahrzeug produzierte Wellen zur Seite hin. Eigentlich asphaltierte Strassen sind nach so einem Regen rot vom Schlamm.

Die Polizei in Uganda ist sparsam ausgeruestet, nur selten steht ein Dienstwagen zur Verfuegung. Wenn man die Notrufnummer waehlt und ueberhaupt eine Verbindung zustande kommt, kann man schon mal die Auskunft erhalten: "Von hier aus koennen wir nicht helfen, wir haben kein Auto, kommen Sie doch auf der Wache vorbei..." Manchmal sieht man Polizisten auf einem Fahrrad fahren, oder heute stieg einer mit schwerem Karabiner-Gewehr ins Taxi und setzte sich neben mich.

Nkumba-Universitaet: Schild nahe der Bibliothek

Kulinarische Spezialitaeten

Vorgestern kam ich mir vor wie im Monty-Python-Film "Das Leben des Brian". Mit zwei Katharinas aus Deutschland sowie Tina und Toni aus Uganda war ich auf einem Open-Air-Konzert im National Theater von Kampala, als der Heuschreckenverkaeufer herum kam. Heuschrecken werden hier waehrend der Saison im November gefangen, danach getrocknet und irgendwann in Pflanzenoel frittiert. Die Katharinas schreckten vor nichts zurueck, kauften eine Tuete voll, und dann haben wir probiert: schmecken sehr knusprig und ein bisschen nach Chips, das liegt bestimmt am Frittieroel. Zum Glueck war Schummerlicht, so dass man die Tiere nicht zu sehr angucken brauchte, bevor man sie in den Mund steckte.

Star Pulver-Kaffee (Uganda) und Blue Band Margarine (Kenia)

Schmiedereien

In einem ugandischen Haus gibt es oft nicht viele Gegenstaende, trotzdem ist die Furcht vor Dieben und Einbrechern gross. Deshalb gibt es viele Schmiedereien an der Strasse, die nichts anderes als schmiedeeiserne Tueren und Pforten anbieten. Eine Tuerklinke gibt es nicht, dafuer einen oder mehrere grosse Schieberiegel an der Innenseite, den man von aussen durch eine kreisrunde Luke erreichen kann. Die Luke wird dann zugeklappt von einem Vorhaengeschloss gesichert. Manchmal ist in einer Torpforte eine kleine vielleicht 1 m hohe Hundetuer eingelassen, durch die man gebueckt das Gelaende betritt. Das ist z.B. beim Buero meiner Voluntaersorganisation UVP hier der Fall.

Sitzbaenke (Parlament) auf dem Nkumba-Campus