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Samstag, 15. März 2025

Klaviernoten von Elton John

Wie Ihr vielleicht wisst, spiele ich gerne Elton-John-Lieder auf dem Klavier. Die Noten sind in der Regel nie so, wie Elton John sie selber spielt, sondern von jemandem mittelschwer (es gibt auch einfache Versionen) für Klavier arrangiert. Dabei gibt es zwei verschiedene Arten von Arrangement: bei dem einen muss man nicht dazu singen und hört die Melodie trotzdem in der Klavierstimme der rechten Hand, bei dem anderen muss man singen, wenn man die Melodie hören will. Interessanterweise ist die Welt bei den Musikrechten und damit wohl auch bei den Notenrechten immer in zwei Teile aufgeteilt: Nordamerika (immer USA, manchmal auch Kanada und Mexiko dazu) und Rest der Welt, oder bei Elton John: New York und London. Das mag wahrscheinlich an dem amerikanischen Urheberrecht liegen, dass früher sehr unterschiedlich vom Rest der Welt war. Und noch überraschender: oft unterscheiden sich die beiden Klavierversionen für Nordamerika und Rest der Welt genau nach der Art und Weise, wie die Melodie gespielt wird (nur Gesang oder auch in der Klavierstimme). Wobei das über die Jahre nicht eindeutig zugeordnet war, bei frühen Elton-John-Werken war die amerikanische Version nur für Sänger, bei den neueren eher die internationale Version. Als Beispiel habe ich Euch mal die erste Seite von Skyline Pigeon, eins der ersten Lieder von Elton John, aus meinem Geburtsjahr 1968, mitgebracht:

Die internationale Version von Skyline Pigeon mit der Melodie (versteckt) in der rechten Klavierstimme, aus einem italienischen Songbook

Die Version für die USA, Kanada, Mexiko und die Philippinen, das Klavier begleitet die Gesangstimme

Wenn Ihr jetzt denkt, na dann kann ich mir ja immer die Version kaufen, die mir besser gefällt, dann ist das prinzipiell richtig, aber in der Praxis gar nicht so einfach. Neu zu kaufen gab es früher nur die jeweilige Version, wo man gewohnt hat, also in Deutschland die internationale Version, sind ja Exklusivrechte. Inzwischen ist das durch das Internet einfacher geworden. Aber: die jetzt erhältlichen Notenbücher sind meist Hitsammlungen mit den immer gleichen ca. 50 Liedern von Elton John. Geschrieben hat er aber über 450. Die Songbooks, die früher mit jedem Album erschienen sind, sind inzwischen vergriffen und werden nicht mehr nachgedruckt. Die einzige Möglichkeit, an die alten, seltenen Lieder ranzukommen, ist also Ebay oder Abebooks, ein Spezialportal für antiquarische Bücher. Da muss man allerdings bei manchen Songbooks viel Glück und Zeit haben, bis mal die gesuchte Version zum vernünftigen Preis angeboten wird. Inzwischen habe ich von 446 Elton-John-Liedern (aus meiner nicht mehr ganz aktuellen Datenbank) Noten für 313 Lieder, 223 davon (genau die Hälfte seiner Lieder, ist ja witzig) kann man ohne Gesang spielen, was meine Präferenz ist.

Donnerstag, 8. August 2024

Die Tesla-Verfolgungsfahrt

Seit drei Wochen haben wir einen Tesla aus Grünheide, Brandenburg. Es gab mehrere Gründe, die für den Tesla sprachen:

  1. Ich stoße im Tesla Model Y (und nur in dem, in allen anderen schon) nicht mit dem Kopf an die Decke. Dieses für mich wichtige Kriterium erfüllen nur ganz wenige Autos,, u.a. der VW Touran, den wir vorher hatten.
  2. Tesla ist keine Betrügerfirma wie VW. Der Betrugsskandal hat mein Vertrauen in VW immer noch erschüttert. Was aber nicht heißt, dass Elon Musk nicht auch ein bisschen irre ist, aber meiner Meinung nach trotzdem kein Betrüger.
  3. Das Auto wurde in Brandenburg produziert, keine Stunde von Teltow entfernt.
  4. Seit wir im letzten Jahr Solarzellen auf unserem Dach installiert haben, produzieren wir im Sommer Strom ohne Ende.
  5. Der letzte TÜV vom 13 Jahre alten VW hat uns über 2.500 € gekostet, soviel Reparaturen waren notwendig.
  6. Tesla verdirbt sich im Moment massiv die eigenen Preise. Die gesenkten Preise und die zusätzliche Tesla-Umweltprämie von 6.000 € machen das SUV-Model-Y jetzt sogar etwas günstiger wie das eigentliche Einstiegs-Model-3 und ca. 5.000 € günstiger wie das vergleichbare (aber meiner Meinung nach viel häßlichere) Modell Ioniq 5 von Hyundai. Unter anderen sind Hertz und Sixt nun sauer, denn mit der Preisschlacht sinken auch die Wiederverkaufswerte von Tesla-Mietwagen massiv, purer Verlust für die Mietwagenfirmen.

Unser kirschroter Tesla aus Grünheide

Nach dieser langen Einleitung möchte ich Euch von der Rückfahrt von einem Ausflug gestern berichten. Ich habe gerade noch Urlaub, den wir zuhause in Brandenburg verbringen, und gestern haben wir uns mal den Müggelsee und Friedrichshagen in Berlin angeschaut. Zurück nach Teltow geht es über die Nuthe-Schnellstraße südlich von Berlin. Dort kann man streckenweise 120 fahren und so habe ich gerade ein paar Autos auf der Überholspur überholt, als hinter mir ein Auto ziemlich dicht auffährt. Wahrscheinlich bin ich ihm trotz Tesla zu langsam, dachte ich mir und fahre bald wieder nach rechts rüber, um ihn vorbei zu lassen. Allerdings wurde die Geschwindigkeit auch schon auf 70 reduziert und der Abzweig Teltow kommt gleich. Der Wagen überholt nicht und ordnet sich ebenfalls hinter mir ein. Na gut. Ich biege also ab nach Teltow, er weiter hinter mir. Nach Teltow-Seehof geht es dann rechts weiter über Sigridshorst, eine ewig lange Tempo-30-Straße, die sich nur Seehofer antun, weil es halt etwas kürzer ist. Ich biege ab, das Auto bleibt hinter mir. Ich überlege, ob ich irgendwo auf der Strecke den Fahrer provoziert haben könnte, vielleicht habe ich ihm zu lange die Überholspur gesperrt und er will das jetzt mit mir klären, in dem er uns verfolgt. Der Fahrer hat kurze Haare und Dreitagebart, schaut schon ein bisschen grimmig. Durch ganz Seehof bleibt er hinter uns. Wir biegen in unsere Straße ab, jetzt müssten wir ihn loswerden, hier biegt außer uns sonst keiner ab. Er biegt auch ab. Langsam kriege ich ein bisschen Panik. Was will er von uns? Kurze Zeit später sind wir am Ziel, er wartet hinter uns, während wir in die Einfahrt abbiegen, dann fährt er weiter. Silvia schaut sich noch das Kennzeichen an, merkt sich die Buchstaben DLU.

Abends google ich DLU. Das ist kein deutsches Kennzeichen, sondern ein polnisches, Lubin, eine Stadt von Berlin aus gesehen kurz vor Breslau. Die Panik kommt wieder hoch. Warum verfolgt mich ein Pole bis zu meiner Haustür? Ist das eine Einbruchsbande, die denkt, Tesla-Fahrer haben bestimmt auch gute Einbruchsware zu Hause? Wird mein Tesla noch diese Nacht in den Ostblock verschoben? Am nächsten Morgen erzählen wir Melly von dem Ereignis, sie war am Vortag nicht mit dabei. Oh Gott, sagt sie, wie konntet ihr nach Hause fahren, wenn ihr verfolgt werdet, da wissen sie doch gleich, wo wir wohnen? Hättet ihr sie nicht in einem der Teltower Kreisverkehre abhängen können? Einfach mal eine Runde mehr fahren und schauen, ob er immer noch hinter euch ist? Oder eine wilde Rallye durch Teltow anfangen? Ja, sage ich, hinterher ist man immer schlauer, man hätte auch direkt zur Polizei auf den Parkplatz fahren können und mal sehen, ob er dann noch neben einem steht. Aber haben wir halt nicht gemacht. Und nun?

Es hilft nichts, wir müssen zur Polizei, sage ich. Vielleicht kennen die diese Masche schon und wissen genau, was nun zu tun ist. Ich hab ja noch Urlaub und eh nichts zu tun, ich fahr dann mal los, bis später! Auf dem Weg zur Polizei fahre ich die restlichen beiden Straßen lang, in denen noch jemand nach Hause hätte fahren können und meinen Weg von gestern genommen hätte. Plötzlich sehe ich rechts einen Lieferwagen mit polnischem Kennzeichen DLU vor einem Haus parken. Ich muss über mich selber lachen, drehe um und fahre wieder nach Hause.

Mittwoch, 26. Juli 2023

Ecuador, Land der Extreme

Nach vier Jahren Lockdown-Pause sind wir zum ersten Mal wieder zusammen in Ecuador. Was soll man schreiben, wenn man zum achten Mal hier ist und schon so viel geschrieben hat? Diesmal will ich einige Extreme beschreiben, die dieses viertkleinste Land von Südamerika zu bieten hat.

Familie

2012 mit René (stehend) beim Maismahlen
Ecuador ist ja für mich immer ein Familienbesuch. Wir wohnen im herrlichen Dorf San Francisco auf ca. 1.300m Höhe bei Silvias Mutter und ihrer Schwester Irma zwischen den Anden und dem östlichen Urwald. Hoch genug, dass die Wolken sich in den Bergen verfangen, tief genug, dass diese Berge komplett mit tiefem Wald bedeckt sind. Doch zuerst hat ein trauriges Ereignis die ganze Familie zusammengebracht. Don René, Silvias Onkel ist kurz nach unserer Ankunft Montag früh mit 92 Jahren verstorben. Wie immer (leider habe ich schon einige Beerdigungen hier erlebt) geht dann alles sehr schnell: Aufbahrung mit geöffnetem aber mit Glas verschlossenem Sarg im Trauersaal (Velorio, Totenwache) den ganzen Montag über (wir trafen gegen 12:00 ein), Beerdigung am Dienstag. Seine in Spanien lebende Tochter Carly traf noch am Montag um 17:00 in Quito ein, rekordverdächtig. Der Trauerzug fuhr/lief mit dem Sarg bei strahlender Sonne durch die Stadt Puyo vom Trauersaal bis zum Friedhof, wo der Sarg überirdisch beerdigt wurde. Dabei ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass der ecuadorianische Totengräber ein Maurer ist. Schiebegräber habe ich ja schon einmal beschrieben, das sind überirdisch angeordnete schließfachähnliche Gräber. Der Sarg wird bei der Beerdigung von den Angehörigen in sein Fach geschoben, dann kommt der Totenmaurer und mauert das Fach zu, mit passend zugeschnittenen Steinen und Mörtel, am Schluss wird die ganze Oberfläche mit dem Mörtel verputzt und ein Angehöriger schreibt mit einem Stock den Namen des Toten in den Mörtel. Das Ganze dauert ca. 15 Minuten. Später wird dann ein Grabstein vor die verputzte Mauer gesetzt und in der Regel ein verschließbares Fenster vorgebaut, hinter das man etwas stellen kann. 
Anschließend kam die Familie bei Kusinchen Rosa zu Kaffee und Kuchen zusammen. Dabei wurde auch eine WhatsApp-Gruppe "Familia" mit inzwischen 35 Mitgliedern auf drei Kontinenten ins Leben gerufen. Irgendwann fiel uns auf, dass bei den meisten der Name Familia schon existierte, also wurde sie in "Familia Peluche" (etwa Familie Kuscheltier) umbenannt.
Familie Kuscheltier nach der Beerdigung bei Rosa
Die neue Gruppe haben wir genutzt, um Ausflüge zu organisieren, und so gab es weitere Familienbilder und Ausflüge mit bis zu 19 Personen:
Im Urwald bei Puyo

Forellenangeln in Rio Negro

Wasserfall in Rio Verde

Der höchste Berg der Welt? Der längste Fluss? Das größte Landschaftsgebiet? Dichteste Artenvielfalt?

Alexander von Humboldt bereiste um die Jahrhundertwende des 18./19. Jahrhunderts Südamerika und machte sich am 23.06.1802 auf, den Chimborazo zu besteigen, damals der höchste bekannte Berg der Welt mit 6.263m. Er schaffte es nicht bis zur Spitze, fehlende Ausrüstung, Schnee, Kälte und die Höhenkrankheit ließen ihn zwischen 5.600m und 5.900m die Besteigung abbrechen. Es war trotzdem die lange Zeit größte bergsteigerische Leistung eines Menschen. 50 Jahre später wurde der Mount Everest entdeckt, der heute mit 8.844m als höchster Berg der Welt gilt. Bei Höhenmessungen hat man sich irgendwann auf den Meeresspiegel als Bezugspunkt geeinigt. Würde man den Erdmittelpunkt verwenden, wäre der Chimborazo immer noch der höchste Berg der Welt, etwa 2km höher als der Mount Everest. Das liegt daran, dass durch die Erddrehung und damit die Fliehkraft das Meerwasser und der Meeresspiegel am Äquator nach außen geschleudert wird, während er an den Polen flacher ist. Der Chimborazo liegt wie ganz Ecuador (deshalb der Name) am Äquator, der Mount Everest liegt dagegen auf knapp 28° nördlicher Breite. 201 Jahre nach Humboldt sind wir mit dem Auto auf 4.350m Höhe zum Chimborazo gefahren. Höhenkrank waren wir nicht, aber bei unserem Taxi ließ sich in der Höhe der Rückwärtsgang nicht mehr einlegen. Später in den "normalen" Anden ging es dann wieder.
Kleinfamilienbild bei starkem Wind am Chimborazo
Am Fuße des Chimborazo liegt auf 2.750m die Stadt Riobamba am Fluss (Río) Chambo. Der Chambo fließt weiter in den Anden bis kurz vor Baños, wo er sich mit dem Río Patate vereinigt und ab dann zum Río Pastaza wird. Ab Baños fließt er östlich die Anden hinab, der Río Blanco (weiß) und der Río Verde (grün) mit seinem spektakulärem Wasserfall Pailón del Diablo fließen in den Pastaza, dann fließt er hinter Abuelitas (Omas) Haus in San Francisco vorbei, dann mündet der Río Negro (schwarz) in ihn. Es folgen der Río Puyo und weitere Zuflüsse, bis der Pastaza nach Peru fließt und dort in den Río Marañón fließt. Der Río Marañón verbindet sich in Peru mit dem Río Ucayali und heißt von dort an Río Amazonas, auch wenn er in Brasilien streckenweise Rio Solimões heißt. Der Amazonas streitet sich mit dem Nil um den Titel des längsten Flusses der Welt, unumstritten ist er der wasserreichste Fluss der Welt. Er ist mehr als fünfmal so lang wie der Rhein, führt aber (an der Mündung) die 70-fache Wassermenge. Das Amazonasbecken liegt in neun Staaten Südamerikas, ist 7 Mio. km² groß (was einem Zwanzigstel der gesamten Landfläche der Erde entspricht) und damit das größte zusammenhängende Landschaftsgebiet der Erde.
Wasserfall Pailón del Diablo am Río Verde
Das Amazonasbecken fängt also östlich der Anden an und zieht sich bis zum brasilianischen Atlantik hin. Der östliche Teil Ecuadors wird deshalb neben Oriente auch Amazonia oder Region Amazónica genannt. Der Yasuní Nationalpark in Amazonía ist einer der Biodiversität-Hotspots der Welt, die alle um den Äquator herum liegen. In diesem gleichmäßigen tropischen Klima entwickeln sich die Arten am besten, die Artenvielfalt pro Fläche ist am höchsten.
Das Amazonasbecken (Lizenz Creative Common, Kmusser 2008) inkl. Pastaza
 

Sonntag, 25. September 2022

Würfelfreuden 3: Einfache Zugfolgen ausdenken

Eine weitere Möglichkeit, Würfel zu lösen, ist einfache Zugfolgen auszuprobieren und zu schauen, was da passiert. Dazu muss der Würfel allerdings im besten Fall gelöst sein, dann sieht man die Veränderungen am besten. Sie laufen meist nach einem regelmäßigen Muster vor-vor-zurück-zurück ab, können mehrfach wiederholt werden und kommen meist irgendwann wieder in die Ausgangssituation zurück.

Beim Zauberwürfel gibt es z.B. den sogenannten "sexy move", der geht so:

Der sexy move: rechts oben, oben links, rechts runter, oben rechts

Wenn wir den 3x hintereinander anwenden, kommen wir auf dieses Ergebnis:

vertauscht 2 Ecksteine oben und 2 vorne

Das ist zwar recht mühsam, dafür ist die Zugfolge einfach zu merken. Und beim Pyraminx (Zauberpyramide) und Skewb kommt man mit dieser Kombination sehr schnell vorwärts!

Effizient beim Zauberwürfel ist folgende Kombination:

wobei die obere Ebene bei 2 und 4 jeweils um 180° gedreht wird.

Damit tauschen folgende 3 Kantensteine ihren Platz:


Zum Musterdrehen eignet sich die letzte der hier vorgestellten Folgen. Dabei kann man entweder hoch-hoch-runter-runter drehen oder immer hoch und dabei den Würfel jedesmal um 90° im Ganzen im Uhrzeigersinn drehen:


Heraus kommt ein Ringtausch der Mittelsteine:


Mit diesen drei Prinzipien habe ich bisher alle Puzzle gelöst bzw. nutze sie zum Musterdrehen. Man muss nicht viel behalten, nach ca. 35 Jahren Pause zwischen den Achtzigern und dem Lockdown konnte ich mich immer noch gut an sie erinnern...





Würfelfreuden 2: Die Parität

Wenn man sich das Gottes-Prinzip aus dem vorherigen Eintrag anschaut, fragt man sich vielleicht: Ok, mit diesem Prinzip kann man ja nur 3 oder mehr Steine gleichzeitig tauschen, da man den Zweiertausch ja immer zweimal anwenden muss. Gibt es nicht Situationen, wo am Ende nur zwei Steine übrig bleiben, die zu tauschen sind? Oder nur einer, der auszurichten ist? Was macht man dann?

Dieser Fall wird Parität oder oft auch englisch Parity genannt. Beim Standard-Zauberwürfel ist das kein Problem und wird intuitiv gelöst (ich erzähle gleich wie). Ab dem 4x4 Würfel und größer bereitet das einem aber Kopfzerbrechen, da man mit dem Gottes-Prinzip hier wirklich nicht mehr weiter kommt.

Bei der letzten Ebene des Zauberwürfels versucht man in der Regel, entweder zuerst die Ecken oder zuerst die Kanten an ihren richtigen Platz zu bringen. Dabei kann man auf folgende Anordnung treffen:

Zwei Ecksteine (bzw. Kantensteine) richtig, zwei nicht, was nun?

In diesem Fall dreht man die 3. Ebene meist intuitiv um 90° nach rechts oder links und probiert es dann. Und siehe da, jetzt kann man es durch einen 3er-Tausch lösen:
Dreht man die Ebene im Bild oben um 90° im Uhrzeigersinn, erhält man den unteren Kantenstein an der richtigen Stelle, die anderen drei müssen getauscht werden. Analog auch die Ecksteine.

Damit ist die Parität beim 3x3-Würfel ohne viel Nachdenken gelöst. Glücklicherweise tritt es für Kanten und Ecksteine gemeinsam auf, hat man es wie hier für die Kantensteine gelöst, tritt es auch nicht mehr bei den Ecksteinen auf. Der Fall, dass beim Ausrichten nur ein Stein übrig bleibt, tritt nicht auf.

Parität bei größeren Würfeln

Beim Lösen vom 4x4-Würfel stößt man dann irgendwann einmal auf folgende Situation:

Parität beim 4x4-Würfel

Das macht einen am Anfang wahnsinnig, da man vielleicht keine andere Lösung findet, als den Würfel wieder zu verdrehen und zu hoffen, dass die Parität beim nächsten Mal nicht mehr auftritt. Chance wahrscheinlich 50:50. Auch eine einfache Drehung der obersten Ebene um 90° oder 180° bringt hier anders als beim 3x3-Würfel keine Abhilfe. Was hilft, ist folgendes:

Drehung einer der beiden Mittelebenen um 90°

Danach muss man 4 Kantensteinpaare mit dem Gottes-Prinzip vertauschen und die verdrehten Mittelsteine wieder richten. Will man die Mittelsteine nicht ausrichten, kann man auch folgende Zugfolge ausführen:
  1. Drehen der Mittelebene wie im Bild oben
  2. Drehen der obersten Ebene um 180°
  3. Teil 1 und 2 insgesamt 4x ausführen
  4. Teil 1 ein 5. Mal ausführen
Dann sind insgesamt 5 Kantensteine am falschen Platz. Diese Kombination habe ich irgendwann einmal zufällig durch Ausprobieren gefunden, dazu mehr im nächsten Blog-Beitrag. Hiermit kann man die Parität bei allen großen Würfeln lösen.

Achso, wie vertauscht man Kantensteine, die wie jetzt über mehrere Würfel-Ebenen verteilt sind? Also z.B. das hier:

Die drei zu tauschenden Kanten liegen nicht alle in der obersten Ebene, und nun?

In dem Fall dreht man zuerst den gelben Kantenstein unten in die obere Ebene (Züge merken!), macht dann den Dreiertausch über zwei Paartausche und dreht dann rückwärts den nun grünen Kantenstein wieder zurück:

Drehen des unteren Kantensteins in die obere Ebene


Samstag, 24. September 2022

Würfelfreuden 1: Wie löst man beliebige Zauberwürfel?

Ich liebe Zauberwürfel, egal welche Größe und Form. Ich muss selten eine Lösungsmethode im Internet nachschauen, und als ich in den Achtziger Jahren angefangen hatte, gab es auch gar kein Internet im heutigen Sinne. Es gab Lösungen für den 3x3-Würfel (Spiegel vom 19.01.1981 oder Bücher), für die anderen Würfel war man damals im Prinzip auf sich selbst angewiesen. Der Zauberwürfel kam in Deutschland 1980 raus, meine Eltern schenkten ihn uns drei Brüdern zu Weihnachten. Ich war zwölf und konnte ihn nicht lösen, bis der Spiegel die Lösung heraus brachte. Später hatte ich eine Pyramide, Tonne, den 5x5-Würfel und einiges mehr. Heute habe ich zusammen mit meiner Tochter Melissa 24 Puzzle:

Familientreffen unserer Zauberwürfel, die Originale aus den Achtzigern in der Mitte

Ich bin nicht schnell, für den normalen Zauberwürfel benötige ich 2-3 Minuten, der Weltrekord liegt bei 3-4 Sekunden! Ich habe mich eher auf Muster spezialisiert und Freistil-Lösen von beliebigen Puzzlen. Im Lockdown habe ich das Hobby wieder reaktiviert. 

Wie löst man nun einen beliebigen Zauberwürfel? Ich gehe zweistufig vor: in der ersten Stufe löse ich intuitiv, so weit ich komme. Das war beim normalen Zauberwürfel früher die 1. (von den drei) Ebene sowie die zweite Ebene bis auf den letzten Randstein. Den letzten Randstein der 2. Ebene löse ich immer noch mit der Spiegelmethode von 1981, aber ich könnte hier auch schon aufhören und in die zweite Stufe eintreten. Dann bleibt noch die 3. und letzte Ebene übrig. Von hieran nutze ich ein universelles Prinzip, das ich Gottes-Prinzip nenne. Komischerweise habe ich dieses Prinzip im Internet kaum gefunden, deshalb kenne ich auch keinen offiziellen Namen dafür. Die einzige Darstellung habe ich hier entdeckt (sehr gute Erklärung auf englisch). Mir ist es in den Achtzigern irgendwann von alleine als Erleuchtung gekommen und von da an konnte ich z.B. den 5x5-Würfel selber lösen.

Das Gottes-Prinzip

Beim Gottesprinzip tauscht man 2 Randsteine oder 2 Ecksteine auf der 3. (letzten) Ebene, ohne den Rest der 3. Ebene zu verändern. Die Ebenen 1 und 2 werden dabei ganz schön verdreht, das ist aber egal. Man findet hier leicht intuitiv eine Zugfolge, denn man hat die 1. Ebene ja auch intuitiv gelöst. Zur Einfachheit dreht man den Würfel dazu auf den Kopf, so dass die gelösten beiden (1. und 2.) Ebenen unten sind, die ungelöste 3. oben. Was passiert nun, wenn man dieselbe Zugfolge genau rückwärts ausführen würde? Na klar: dann tauscht man die beiden Steine in der 3. Ebene wieder zurück und richtet automatisch die 1. und 2. Ebene wieder her.

So weit, so gut, aber was bringt uns das? Dann wären wir ja genau dort wieder, wo wir angefangen haben. Also kommt jetzt der Clou: bevor man die Zugfolge wieder rückwärts dreht, dreht man die obere 3. Ebene um 90° oder um 180°, danach führt man die Zugfolge rückwärts aus. Was passiert dabei? Unten wird die 1. und 2. Ebene wieder hergestellt, oben in der 3. Ebene tauschen aber zwei andere Steine als die beiden ursprünglichen. Zum Schluss dreht man die 90°- oder 180°-Drehung der obersten Ebene wieder zurück. Nun hat man den Würfel wieder wie vorher, außer dass man entweder in der 3. Ebene 4 Steine paarweise vertauscht (bei der 180°-Drehung) hat:


oder 3 Steine im Kreis (bei der 90°-Drehung):


Letztlich besteht die ganze Zugfolge aus 4 Teilen:

  1. Intuitive Zugfolge zum Vertauschen von 2 Steinen
  2. Drehen der obersten Ebene um 90° oder um 180°
  3. Zugfolge aus Teil 1 rückwärts
  4. Drehung aus Teil 2 rückwärts
Man kann das auf Kantensteine oder Ecksteine anwenden und damit die restliche Ebene lösen. Das Ausrichten von Steinen (Stein an der richtigen Stelle, aber verdreht) geht genauso: Man richtet erst den einen Stein intuitiv aus, dreht die oberste Ebene und richtet dann mit der gleichen Zugfolge rückwärts den 2. Stein aus.

Die Schwierigkeit reduziert sich damit darauf, sich die intuitive Zugfolge genau zu merken, damit man sie im 3. Schritt exakt rückwärts ausführen kann. Dafür versteht man bei jedem Zug genau, was man macht, die Züge ergeben einen Sinn (im Gegensatz zu auswendig gelernten Zügen aus Lösungsanleitungen) und man kann sie universal für alle Würfelgrößen und -formen anwenden.

Es gibt noch eine Besonderheit (die Parität) und eine weitere Herangehensweise für das Finden von einfachen Zugfolgen, über die ich in einem späteren Blogbeitrag schreiben will.

Wenn Ihr das Prinzip noch nicht gleich richtig verstanden habt, nicht schlimm. Lest Euch dann vielleicht die ausführliche englische Anleitung durch, die bestimmt verständlicher ist. Ansonsten gerne Fragen im Kommentar!

Freitag, 5. Februar 2021

Alltag im Lockdown II

Das Zeitalter der Aufklärung

Angela Merkel ist Physikerin und damit Naturwissenschaftlerin. Unter den Präsidenten und Premierministern der G8-Staaten ist sie damit alleine, die anderen sind alle Geisteswissenschaftler: Jura (4x), Philosophie und Politik (Macron), Literatur (Trudeau) oder Klassisches Altertum (Johnson). 

Die Naturwissenschaften prägen unser Weltbild seit dem Ende des Mittelalters, eine bedeutende Rolle nahm im 16. und 17. Jahrhundert Galileo Galilei ein, der beobachtete und Experimente durchführte, diese mathematisch auswertete und die daraus gewonnenen Ergebnisse über theologisch oder philosophisch begründete Aussagen stellte. So entwarf er sein Weltbild mit der Sonne im Mittelpunkt aus den Sternbeobachtungen und war damit im Widerspruch zur Kirche, die die Erde in den Mittelpunkt stellte. Das Ende kennt jeder: die Kirche machte ihm den Prozess, er musste widerrufen, behielt aber Recht und wurde 350 Jahre nach seinem Tod 1992 von Papst Johannes Paul II rehabilitiert.

Mein letzter Friseurbesuch war im Oktober, Vergleich mit heute...

Ich bin selber Physiker und natürlich von dieser Geschichte begeistert. Es setzte das Zeitalter der Aufklärung ein und die Naturwissenschaften konnten nicht alles, aber doch immer mehr Phänomene erklären. 

Über Angela Merkel kann man denken, was man will, ihr naturwissenschaftlicher, pragmatischer Ansatz hat ihr über alle Parteigrenzen und -ideologien hinweg Sympathien gebracht. In Umfragen finden 84% der Befragten ihre Arbeit eher gut als schlecht und im Vergleich hat sie meist die beste Note für deutsche Spitzenpolitiker. Sie hat die Atomkraftwerke abgeschaltet, die Ehe für alle ermöglicht und als kein passender CDU-Kandidat in Sicht war, auch Gauck und Steinmeier als Bundespräsidenten unterstützt. Bei den beiden größten Herausforderungen Klimakatastrophe und Massensterben der Arten ist sie allerdings zu spät dran oder untätig geblieben.

Verlockung im Lockdown

Was mir derzeit beim Lockdown Sorge bereitet, ist die Abwendung von immer mehr Menschen weg vom naturwissenschaftlichen Ansatz und hinein in ein Paralleluniversum von "alternativen Fakten" und Verschwörungstheorien. Ein in keinster Weise belegter Wahlbetrug wird ja z.B. nicht dadurch wahr, dass man das immer wieder wiederholt, bis einem die Kommunikationskanäle abgedreht werden. Sondern nur durch Fakten und Beweise, die es offenbar nicht gab. Dass diese Lügen einen Mob aufhetzen, der schließlich das Parlament erstürmt, ist unfassbar, ebenso, dass die Chancen für eine Bestrafung dieser Tat eher schlecht stehen.

Als beim ersten Lockdown Christian Drosten die Politik beraten hat, fand ich das gut. Dass er nicht unfehlbar ist und seine Meinung mehrfach gewechselt hat, ist auch einleuchtend, denn es gab ja noch wenig Erkenntnisse zur Virusausbreitung. Im zweiten Lockdown hat sich eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern gebildet und das Konzept NoCovid der Ministerpräsidentenkonferenz vorgeschlagen. Ich würde mir wünschen, dass auch bei der Klimakatastrophe die Wissenschaftler angehört werden.

Pflegeheime


Corona-Tote in Deutschland nach Alter, die Zahlen sprechen leider für sich

Der Umgang mit den alten Menschen im Lockdown ist im wahrsten Sinne des Wortes unerhört. Die Toten sind fast ausschließlich Alte (siehe Grafik oben), und es passiert einfach zu wenig. Im ersten Lockdown war es gar nicht möglich, ein Pflegeheim zu betreten, man konnte nur fensterln. Zum Glück hat mein Vater ein Zimmer im Erdgeschoss, wo man das problemlos durch die Balkontür tun konnte. Beim zweiten Lockdown waren ja dann die Schnelltests verfügbar, wurden aber nicht konsequent eingesetzt und angeboten. Erst eine Woche vor Weihnachten konnte ich meinen Vater nur noch mit Schnelltest besuchen, der auch zum Glück vor Ort im Pflegeheim durchgeführt wird. Bei anderen Pflegeheimen muss man sich den Test (kostenpflichtig) in der nächsten Apotheke besorgen oder auf regionale Angebote setzen wie in Berlin. Mein Vater ist schon zweimal geimpft, Losglück.

Mein Vater

Föderalismus

Deutschland ist ein Bundesstaat aus 16 Bundesländern. Das ist wohl selten so aufgefallen wie beim Lockdown. Man fühlt sich in die Kleinstaatlichkeit des 19. Jahrhunderts zurückversetzt, als in jedem deutschen Fürstentum andere Gesetze galten. Im Speckgürtel von Berlin muss man da ständig die Corona-Verordnungen von Berlin und von Brandenburg studieren und deren Unterschiede kennen, wenn man in Berlin arbeitet, dort ein Pflegeheim besucht oder die Tochter die Ballettschule besucht, sie aber in Brandenburg zur Schule geht, man in beiden Bundesländern Freunde trifft (in Berlin zählen aktuell Kinder bis 12 Jahre, aber nur bei bei Alleinerziehenden, nicht zur Kontaktbeschränkung, in Brandenburg Kinder unter 14 Jahren generell, ein Kindergeburtstag ist hier also möglich), joggen (war in Berlin über Weihnachten nachts möglich, in Brandenburg nicht, naja eher theoretisch zu sehen) oder spazieren gehen will, draußen einen Glühwein trinken möchte (was in Berlin möglich war, in Brandenburg nicht) oder zu Silvester wenigstens Wunderkerzen kaufen möchte (war in Brandenburg möglich, in Berlin nicht). 

Potsdam im Lockdown, darf ich da mit dem Fahrrad gerade hinfahren?

Manche sagen, die Corona-Regeln würden am Parlament vorbei im Hinterzimmer der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK), einem inoffiziellen Organ, entschieden. Das kann man so nicht sagen, sie werden in 16 Landesparlamenten entschieden und die regionalen Besonderheiten dabei berücksichtigt. Damit es nicht zu sehr ausufert, ist die Vorabstimmung in der MPK sinnvoll. 

Mittwoch, 3. Februar 2021

Alltag im Lockdown I

Heute fragt mich ein Freund über Messenger, wie es mir persönlich geht und wie ich vom Lockdown beeinträchtigt bin. Eine einfache Frage, die man gar nicht so schnell beantworten kann. Warum also nicht in dieser Ausnahmesituation ein Blog schreiben, wie ich es in Ecuador immer getan habe?

Hobbys

Was soll man machen, wenn man sein Zuhause nur mit triftigem Grund verlassen darf? Ich habe Hobbys wieder aufleben lassen, die ich schon fast vergessen hatte. Dazu gehören Zauberwürfel und Klavierspielen. Beim Klavierspielen hatte ich mich ja früher schon auf Elton-John-Stücke spezialisiert, da gibt es jede Menge von und mir wird nicht langweilig. Hier ein paar der Liederbücher:

Elton John Songbooks

Und dann kam Melly kurz vor Ostern mit meinem alten Zauberwürfel (Original von 1980 mit abgenutzten Aufklebern) aus der Schule zurück und wollte ihn erklärt haben. In ihrer Klasse war der gerade in Mode unter einigen Schülern. Die ersten beiden Ebenen konnte Melly schon und ich zeigte ihr, wie man die letzte Ebene löst. Nach ca.35 Jahren Pause fiel mir doch noch einiges ein. Zu Ostern gab es dann den 2x2, 4x4 und 6x6 "für uns beide" geschenkt, im Oktober und zu Weihnachten noch den 9x9 und ein paar Varianten (s. Bilder). Dann erinnerte ich mich an einen Tweet von einem Freund, der kurz vor Weihnachten 2019 eine neue Schnelllösemethode für den 3x3 gemeinsam lernen wollte und ich tauschte mich mit ihm aus. Im Schnelllösen wurde ich schnell von Melly abgehängt, sie löst den Würfel in 1 Minute, mein Freund in unter 30 Sekunden (und das mit gebrochenem Finger!), während ich 2:30 Minuten benötige. Also habe ich mich auf Muster drehen spezialisiert. Nach den ersten Instagram- und Facebook-Posts von den Ergebnissen habe ich gemerkt, dass das normale Publikum davon schnell ermüdet, während ich über Hashtags ein auf Würfelmuster spezialisiertes, internationales Publikum zusammengesucht habe und dafür einen eigenen Instagram-Account eröffnet habe. Hier ein paar Ergebnisse:

Mastermorphix, wechselt die Form

9x9 Würfel

Gigaminx, (Pentagon-)Dodekaeder mit 12 Seiten

Pyramide 4x4

Square1, ein auch ein Zauberwürfel, der die Form verändert

Je größer die Würfel werden, desto unübersichtlicher. Das Lösungsprinzip unterscheidet sich aber nicht sehr, im Prinzip kann man alle Würfel mit einer einzigen Methode lösen. Diese Methode ist mir in den Achtzigern einmal in einer Erleuchtung eingefallen. Es gab ja damals kein Internet wie heute, wo man sich die Lösung eines beliebigen Würfels googeln konnte. Legendär ist damals die Spiegellösung gewesen, so legendär, dass sie jemand nachträglich ein paar Jahrzehnte später hier beim Spiegel hochgeladen hat. Aber für die anderen Würfel (damals gab es u.a. die 3x3 Pyramide und den 4x4 und 5x5 Würfel) war man auf sich selbst angewiesen. Diese Lösungsmethode ist natürlich nicht nur mir alleine eingefallen, jemand anders hat sie hier recht anschaulich auf Englisch dargestellt. Im Wesentlichen beruht sie darauf, dass man zwei Steine in einer Ebene vertauscht (oder verdreht) ohne auf die restlichen Ebenen achten zu müssen, sich die Züge dabei merkt und danach nach einem Zwischenzug die Zugreihenfolge rückwärts wiederholt, die restlichen Ebenen stellen sich durch das Rückwärts wieder auf die Position vor der Zugreihenfolge zurück. Das trainiert das Gedächtnis (man muss sich was merken) und die Konzentration (bei großen Würfeln die Übersicht zu behalten, welche zwei Steine man gerade vertauscht und nicht in der Spalte oder Reihe durcheinander zu kommen). Die Krönung der Gedächtnisleistung wird übrigens erbracht, wenn gerade mitten im Zug der Paketbote klingelt. Auf den chinesischen Webseiten wird immer damit geworben, dass Zauberwürfel Alzheimer vorbeugen, ich glaube das gerne. Den 9x9 habe ich übrigens direkt in China bestellt während der Lieferschwierigkeiten durch die Lockdowns dort und hier. Nachdem ich das Geld schon abgeschrieben hatte und der Status der Trackingnummer nach zwei Monaten vom Radar verschwand, kam das Päckchen nach 2½ Monaten doch an, die Freude war groß. Angeblich hat der Würfel den größten Teil der Zeit beim Zoll am Frankfurter Flughafen verbracht, ob das wirklich stimmt werde ich nie erfahren.

Sport

Spaziergang von Teltow nach Heinersdorf

Eine besondere Form von Hobby ist natürlich der Sport, der durch mangelnde Bewegung im Homeoffice während des Lockdowns umso wichtiger wurde. Ich habe einfach mit meinem Triathlontraining weiter gemacht, obwohl 2020 beide gebuchten Triathlons (Krumme Lanke und Wannsee) auf 2021 verschoben wurden (und ich nicht sicher bin, ob es dabei bleibt). Auch der Firmenlauf mit Einlauf im Olympiastadion ist ausgefallen. Bei der Bahn gab es stattdessen eine Online-Lauf-Challenge über 5km, wo man den Screenshot seiner Lauf-App hochladen konnte und dann dafür wie jedes Jahr das Bahn-Laufshirt bekommen hat. Laufen und Radfahren ist ja zum Glück immer möglich (außer in der einen Winterwoche in Teltow mit Schnee und Temperaturen unter 0°C), das Schwimmen war dagegen (außer im See) oft eingeschränkt. Ich habe das Gefühl, dass mehr Menschen während des Lockdowns Sport und auch Spaziergänge machen. Der Körper dankt und braucht es und es entspannt die Situationen, wo durch Homeoffice und Homeschooling alle in der Familie am gleichen Fleck hocken. Mit Silvia gehe ich zeitweise jeden Abend spazieren.

Laufen über Feldwege um Teltow herum

Homeoffice, Homeschooling

In den vergangenen 11 Monaten war ich zweimal im Büro, einmal um Post abzuholen (die sich als Werbegeschenk entpuppte) und einmal, um die beim ersten Mal im Büro vergessene Webcam wieder abzuholen. Bei IBM hatten wir das Homeoffice schon vor 20 Jahren (das ist so lange, dass IBM vor Corona schon das Homeoffice wieder einschränken wollte, um seinem Ruf, der Zeit um mindestens zehn Jahre voraus zu sein, gerecht zu werden), bei der DB Systel wurde es vor sechs Jahren eingeführt. Ich genoss die Vorzüge (Arzt-, Handwerker- und Balletttermine) aber auch die 1-2 Tage pro Woche, die ich im Büro oder auf Dienstreisen verbrachte. Die eine Stunde Fahrt zur Arbeit empfand ich ebenfalls als Erholung (wenn sie nicht auf einer Dienstreise zwischen 5:00 und 6:00 morgens lag...), entweder mit Bewegung auf dem E-Bike (und dabei sehr Corona-konform) oder lesend in der S-Bahn. Dass diese "Wandertage" seit einem Jahr völlig weggefallen sind, ist mehr als schade. 

Früher hatte ich im Homeoffice unbewusst ein schlechtes Gewissen (weil ein Großteil der Büroarbeiter in Deutschland halt im Büro und nicht zu Hause arbeitet) und habe Webcams nicht gemocht, weil ich mit T-Shirt statt Hemd vor der privaten Schrankwand arbeite. Seit Corona ist das das neue Normal, jetzt gibt es neue Funktionen, die die private Schrankwand durch ein beliebiges Hintergrundbild ersetzen, keiner hat ein Hemd an, und manchmal (wenn auch selten) kommt es vor, dass ein Kollege die Hintergrundbildfunktion nicht kennt und seine Frau im Hintergrund die Wäsche aufhängt, weil sie die eingeschaltete Kamera nicht bemerkt. Durch das gleichzeitige Homeschooling kommen noch fragende Kinder dazwischen oder laute Druckergeräusche für Mellys neue Arbeitsblätter. 

Virtuelle Weihnachtsfeier der Jungs als Teams-Konferenz

Das Homeschooling ist für die Schulen gefühlt ein Quantensprung. Beim ersten Lockdown war das Hauptmedium noch E-Mail (natürlich die Adresse der Eltern) und der besagte Drucker zum Ausdrucken von Arbeitsblättern. Eine Schulcloud war erst im Aufbau (und jedes Bundesland hat da meines Wissens seine eigene Lösung), und einmal wurde eine Zoom-Konferenz angeboten. Die Deutsch-Lehrerin hat auch einmal ein Video selbst gedreht zu Satzteilen, das Weiterleiten und Aufrufen des Videos war nicht ganz einfach. Jetzt beim zweiten Lockdown ist die Schulcloud inkl. Konferenzsystem gesetzt, Zoom wegen Datenrechtsfragen an der Schule nicht mehr zugelassen und die Arbeitsblätter müssen nicht mehr zu Hause ausgedruckt, sondern können einmal wöchentlich in der Schule draußen auf dem Hof (oder durch ein Fenster) abgeholt werden. Die Konferenzen finden nun fast täglich statt und nicht mehr nur einmal in mehreren Wochen. Das hat aber auch zur Folge, dass Melly und Silvia, die denselben PC benutzen (Silvia zum Lernen im Home-Studium), sich gut abstimmen müssen. Aber zum Glück haben wir ein Haus mit drei Schreibtischen in drei getrennten Zimmern (wovon keines die Küche, das Ess- oder das Wohnzimmer ist). 

Sonntag, 18. August 2019

Mobilität


Wenn ich mal in Berlin bin, also meist nach der Arbeit auf dem Nachhauseweg, probiere ich unterschiedliche Verkehrsmittel aus. Um fit zu bleiben, habe ich mich z.B. bei Lidl Bike, der Berliner Variante von Call a Bike, angemeldet. Am Ostkreuz bei meiner Arbeit steht immer ein Rad innerhalb von 100 m zur Verfügung und so fahre ich abends bei gutem Wetter oft von Ostkreuz nach Südkreuz mit dem Rad statt mit der S-Bahn. Man muss sich einmal registrieren, was etwas aufwändiger war. Danach bucht man per App, abgerechnet wird im Halbstundentakt, einmal jährlich zahlt man 3€ im Basistarif. Für meine 45 Minuten wird mir eine Stunde abgerechnet, ich zahle 2€ (wenn ich das Rad an einer virtuellen Station abgebe, die man nur in der App, nicht real sieht und wo man sich deshalb schon mal vertun kann), außerhalb der Station 50c mehr. Die Räder sind robust, haben eine 7-Gang-Nabenschaltung und sind meist sehr gut in Schuss. Ein solides Angebot, preislich unschlagbar.

Als es in Berlin im Juni mit den Elektrorollern losging, habe ich mit Lime eine Fahrt vom Hauptbahnhof durch den Tiergarten zum Zoo unternommen. Die Anmeldung ging unkompliziert in der App, zum Fahren muss man allerdings erst einmal Guthaben von mindestens 10€ aufladen. Die Bedienung der Roller ist intuitiv, macht Spaß, das Fahren ist aber sehr ungewohnt und wacklig, vor allem in engen Kurven und auf Kopfsteinpflaster. Auf die Straße würde ich mich ohne weitere Übung erstmal nicht trauen. Aber gut, im Radfahren hat man meist auch jahrelange Übung, im Rollerfahren dagegen halt gar keine. Nach 19 Minuten und 4€ (die minutengenaue Abrechnung hat 20 Minuten draus gemacht, offenbar ein Bug in der jungen App) kam ich verkrampft am Zoo an. Ein teures und unbequemes Spielzeug für kurze Strecken. Damals hat eine Stunde 9€ plus 1€ pro Fahrt gekostet, also fünfmal so viel wie Lidl-Bike, inzwischen sind die Preise sogar noch angehoben worden (12€ plus 1€, 6,5 mal so viel wie Lidl-Bike).

Am Ostkreuz gibt es jetzt auch die neonroten Elektrofahrräder von Jump, einer Uber-Marke. Die Anmeldung ist ähnlich einfach wie bei Lime direkt über die Uber-App. Die Preise sind so hoch wie bei den Elektrorollern vor der Preiserhöhung: 1€ pro Fahrt, 15c pro Minute. Wenn man hier auf das Rad aufsteigt, kommt man sich vor wie Superman, Radfahren ist auf einmal so einfach und man überholt mühelos alle konventionellen Radfahrer. Man muss aufpassen, dass man nicht zu schnell fährt, obwohl man bei Jump nur eine 3-Gang-Schaltung hat. Als ich danach wieder auf meinem normalen Rad fuhr, dachte ich wirklich, es hätte einen Platten, so schwer kam es mir vor. 52 Minuten, 8,79€, hier kriegt man sogar 1c weniger berechnet. 25% günstiger als Elektroroller, aber viel bequemer und effektiver, eine gute Alternative zum Taxi innerhalb der Innenstadt auch für lange Strecken.

Anzumerken ist noch, dass ich alle drei Angebote mit schlechtem Gewissen, da ohne Helm, fahre. Es gibt jetzt schon Falthelme zu kaufen, die man immer im Rucksack haben kann. Ich denke, ich werde mir so einen zulegen.

Mittwoch, 24. Juli 2019

Alltag in Ecuador 2

Banken, Geldtransfer
Die Affen von Misahualli laufen nicht mehr auf dem Dorfplatz herum, aber im Wald sieht man sie noch auf den Bäumen
Es war nicht einfach, den Galápagos-Urlaub hier in Ecuador zu bezahlen. Gebucht hatten wir in einem Reisebüro in Ambato, das von außen durch ein verriegeltes Tor wie ein Privathaus wirkte, beim ersten Besuch war auch keiner da. Beim zweiten Mal hat es dann geklappt, die Reise war gebucht. Bezahlung war nur bar (beim Reisebüro oder Bareinzahlung bei der Hausbank) oder per Überweisung von einem inländischen Konto möglich, Kreditkarten wurden nicht akzeptiert. 600 $ waren am gleichen Tag als Anzahlung fällig, der Restbetrag fünf Tage später. Am Geldautomaten der Hausbank würde die Maestro-Karte nicht akzeptiert und das tägliche Limit für Kreditkarten Abhebungen liegt in Ecuador anscheinend bei 200 $, das wird einem aber nicht angezeigt, das kann man nur mit Trial and Error erforschen. Also zur nächsten Bank, die Maestro akzeptiert, da ist das Limit immerhin bei 500$ pro Tag. Dann mit vollen Taschen wieder zur Hausbank, Einzahlbeleg ausfüllen (ich habe nur zwei Formulare gesehen: Bareinzahlung und Barauszahlung, Überweisungen sind hier offenbar weiterhin die Ausnahme), an der Schlange von ca. 20 Leuten anstellen und nach zwanzig Minuten war die Anzahlung erledigt. Achso, per WhatsApp noch kurz das Reisebüro informieren und den Eingang bestätigen lassen. Für die Restzahlung mussten wir uns etwas anderes einfallen lassen, wir konnten schließlich nicht jeden Tag 30 Minuten nach Baños fahren, um Teilbeträge abzuheben und einzuzahlen. Also probierten wir Western Union online, einen Transfer vom eigenen Kontobach hier an Silvias Bruder oder Schwester. Hier ist für Transfers über 1.000 $ jedoch eine Online-Videochat-Zertifizierung notwendig. Der Chat baute sich immer auf, aber fror dann nach einigen Minuten wieder ein wegen der langsamen Verbindung hier. Er konnte nie zu Ende geführt werden. Als letzte Rettung half uns Silvias Schwester auf Lanzarote aus, sie schickte uns das Geld über Western Union, wir fuhren zwei Tage später nochmal  nach Ambato, Silvias Bruder hob das Geld ab und wir konnten nun erleichtert die Einzahlung in der Hausbank tätigen. Hier gibt es für alles eine Lösung!
Strand von Misahualli, Napo
Metro in Quito
Anflug auf Quito
Quito liegt zwischen zwei Anden-Bergzügen und kann sich deshalb nur in Nord-Süd-Richtung ausdehnen. So ist Quito 45km lang und nur maximal 5km breit. Der Verkehr wird über Busse und Autos abgewickelt und ist dementsprechend stets überlastet. Die beiden bisherigen Programme dagegen, Trolebus (Schnellbusse mit eigenen Fahrspuren und straßenbahnähnlichen Haltestellen, eingeführt 1995) und Pico y Placa (von der letzten Ziffer des Nummernschilds abhängiges Fahrverbot zu Stoßzeiten für einen bestimmten Werktag, eingeführt 2011) konnten wenig ändern, eine Trolefahrt vom Süden in den Norden dauert im Berufsverkehr 1,5 Stunden. Das soll sich ab Dezember 2019 (andere Quellen sprechen von März 2020) ändern, wenn die Metro von Quito eröffnet wird. Dann wird die Strecke mit 15 Stationen in 35 Minuten passierbar sein. 18 Züge mit je sechs Wagen sind dafür in Spanien bestellt worden, mindestens drei sind schon ausgeliefert worden.
Wassertaxis (gelb) auf Galápagos, Schiffe dürfen nicht direkt am Steg an!egen.
Freilaufende Hunde

Man sieht hier auf dem Land öfters freilaufende Hunde, was auch daran liegt, dass es wenig Zäune gibt. So ist der Nachbarhund manchmal in unserem Garten und die Autofahrer müssen immer achtsam sein. Einmal müsste ich beim morgendlichen Joggen meine erste Runde vorzeitig beenden, da zwei heftig bellende Hunde den Weg versperrten. Zum Glück waren sie nach der zweiten Runde nicht mehr da, ich wäre sonst gefangen gewesen.
Fritada (Schweinepfanne) und weiße Maiskolben

Donnerstag, 18. Juli 2019

Alltag in Ecuador

WhatsApp, Mobiles Internet

Bei meinem ersten Besuch 2006, das Smartphone wurde gerade erst erfunden, waren Blackberry-Handys hier am beliebtesten, wegen der Tastatur zum SMS Schreiben. Inzwischen gibt es hier einen WhatsApp-Boom. Taxifahrer chatten während einer Ampelpause, unser Hotel in Quito haben wir per WhatsApp gebucht, im Reisebüro wurden uns alle Vertragsunterlagen per WhatsApp zugeschickt, und auf der Taxifahrt zum Flughafen hat die Taxifahrerin uns gleich als Kontakt für die Rückfahrt mit Stammkundenrabatt aufgenommen ("Internationale Handyummer? Mit WhatsApp doch gar kein Problem..."). Mobiles Internet, vor ein paar Jahren hier noch unbezahlbar und ein Exot, kann man hier bei aufgeladenen Guthaben mit ein paar Eingaben in wenigen Sekunden tageweise dazubuchen. Auf unserer geliehenen SIM-Karte von Claro kostet eine Flatrate für Anrufe und SMS (die ja keiner mehr nutzt...) inkl. 1 GB Datenvolumen und WhatsApp unbegrenzt 3$ für drei Tage.
Halsenback, Abdichtband aus Deutschland wird hier gerne für Wasserhähne verwendet.
Richard Carapaz

Ecuador hat mit dem Radrennfahrer Richard Carapaz einen neuen Nationalhelden, nachdem dieser dieses Jahr als erster Ecuadorianer das Giro d'Italia gewonnen hat. Aufgewachsen in einem kleinen Andenbergdorf nahe Kolumbien in 2.900 m Höhe ist er nun Spezialist für Bergstrecken. Sein Bild wirbt für Movistar, den zweitgrößten Mobilfunkanbieter (nach Claro) in Ecuador. Silvias Onkel Daniel erzählt mir, dass er alle Etappen vom Giro d'Italia und nun von der Tour der France im Fernsehen verfolgt. Nur bei Marathon, dem Adidas Ecuadors, ist man darauf noch nicht eingestellt, Fahrradtrikots gibt es da noch nicht zu kaufen.
Richard Carapaz beim Giro d'Italia
Smalltalk

Wenn Silvias Tanten Mercedes (Miche) und Rosa zu Besuch kommen, ist für mich immer Smalltalk mit Onkel Don Daniel angesagt. Als ehemaliger Lehrer ist er einer der wenigen Ecuadorianer, die auch an internationalen Themen interessiert sind. So haben wir uns über Gelbwesten, Fridays for Future, Brexit und die nordirische Grenze, Radrennen, die Neue Seidenstraße Chinas und die Lage in Venezuela unterhalten. Auch wollte er wissen, was sich für mich seit dem letzten Besuch in Ecuador vor zwei Jahren verändert habe. Ich antwortete, dass es nun auch Pizza im Bus gäbe und im Zentrum von Puyo die oberirdischen Kabel jetzt unterirdisch verlegt würden.
Besuch der Tanten (3. Und 4. von links) in San Francisco, Don Daniel 6. von links
Die ecuadorianische Lösung für das Problem der in der Mitte ausgefranzten Kuchenstücke: das runde Mittelstück 
Venezulaner

Zur Zeit kommen viele venezulanische Flüchtlinge nach Ecuador. Viele reisten noch weiter nach Peru, das seit dem 15. Juni alle Venezulaner nur noch mit Reisepass und humanitären Visum (erhältlich in den peruanischen Konsulaten in Venezuela, Kolumbien und Ecuador) einreisen lässt. Flüchtlingsorganisationen organisierten dafür Bustransfers von der kolumbianisch-ecuadorianischen Grenze zur ecuadorianisch-peruanischen Grenze. Seit der peruanischen Entscheidung ist der Flüchtlingsstrom in Ecuador von 1.500 täglich auf über 4.000 angestiegen. Vorher hatte Peru zwei Jahre lang großzügig ca. 800.000 Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen an Migranten ausgegeben. Nach Schätzungen sind seit 2015 vier Millionen Venezulaner geflüchtet, 15% der Bevölkerung, 1,5 Millionen davon nach/über Ecuador, 300.000 leben in Ecuador. Im Januar 2019 kam es zu landesweiten Protesten gegen Venezolaner, nachdem eine junge, schwangere Ecuadorianerin von ihrem venezolanischen Freund erstochen wurde. Präsident Lenin Moreno führte daraufhin eine neue Spezialgrenzbrigade ein und fordert nun polizeiliche Führungszeugnisse für alle Einwanderer. In Quito haben wir Venezolaner im Busbahnhof gesehen, die Taxifahrerin erzählte, dass sie dort bis fünf Uhr morgens zum Schlafen geduldet werden.

"Wir schaffen das!", Chemnitz und bayerische Grenzpolizei: gibt es alles ähnlich in Peru und Ecuador.

Mittwoch, 17. Juli 2019

Galápagos

schläfriger Seelöwe

Flamingos
Galápagos-Schildkröten im Aufzuchtzentrum Isabela

Nach 13 Jahren kehre ich, diesmal mit Silvia und Melly, wieder nach Galápagos zurück. Wir haben wieder eine Tour für Einheimische gebucht, vier Tage Puerto Ayora auf Santa Cruz, davon 1,5 freie Tage. Am komplett freien Tag haben wir zusätzlich einen Ausflug nach Villamil auf Isabela gebucht, dort haben wir mehr Tiere gesehen als die anderen Tage zusammen: Auf der zweistündigen, bewegten Bootsfahrt dorthin Delfine, schon am Bootssteg Seelöwen und Meeres-Eidechsen, auf der vorgelagerten Insel Tintoreras noch mehr Eidechsen, Seelöwen, aber auch Pelikane, Tintoreras-Haie, Blaufußtölpel, Galápagos-Pinguine und beim Schnorcheln Fische und Meeresschildkröten, nach dem Mittagessen dann eine Aufzucht für die fünf Arten der Galápagosschildkröten auf der Insel Isabela (Isabela hat fünf Vulkane, jeder Vulkan beheimatet eine eigene Art der Schildkröten, sie vermischen sich nicht, da die Schildkröten nicht die spitzen Lavafelder zwischen den Vulkanen überqueren) und schließlich noch ein Dutzend der nur ca. 500 Flamingos auf Galápagos. Dann wieder Bootsfahrt zurück, abends Abschlussessen im besten Restaurant der Insel und wir konnten so gut schlafen wie noch nie. Der Ausflug begann um 6:30.
Die anderen drei Tage haben wir Ausflüge auf Santa Cruz gemacht, vormittags Beginn 7:30, Mittagessen im Hotel und nachmittags ein zweiter Ausflug um 15:30. So konnten wir die starke Mittagssonne etwas abfedern. Hier haben wir außer Schildkröten und Eidechsen mehr Geologie gesehen: Lavatunnel, Erdkrater, einen Salzsee, eine Grottenspalte, Kakteenwälder und wunderschöne Sandstrände. Das frühe Aufstehen hat sich immer gelohnt!
Lavaechse

Zwei Meeresschildkröten in Las Grietas, Santa Cruz

Playa de los Alemanes, Santa Cruz

Palo Santo (meist kahl, nur kurze Zeit Blätter)

Salzsee auf Santa Cruz

Umweltbewusstsein auf Galápagos

Die Zahl der Touriszen auf Galápagos steigt stetig, 2007 noch um die 100.000, in den letzten Jahren immer deutlich über 200.000. Die Zahl der Flüge wurde nun begrenzt auf maximal drei Flüge täglich pro Fluglinie, es gibt drei Fluglinien. Um die Auswirkungen auf die Umwelt einzugrenzen, wurde nun ein Verbot für bestimmte Plastikartikel eingeführt: Einwegflaschen für Cola und Bier (Wasser folgt wohl später), Strohhalme, Tüten und Styroporbecher und -verpackungen. Unser Lieblingsrestaurant El Muelle de Darwin hat weiterhin Strohhalme, aber kompostierbare. Touren sind nur mit Nationalpark-Führern möglich, Tieren darf man sich nur auf bis zu zwei Metern nähern. Bei den Seelöwen ist das manchmal gar nicht möglich, wenn sie einem den Weg versperren. Und Melly wies darauf hin, dass auch die Vögel sich nicht daran halten, wenn sie einem dicht über den Kopf fliegen. Der Hauptflughafen auf Baltra ist der erste ökologische Flughafen der Welt (nach einem US Label, naja) und seit 2018 CO2-neutral. Vor dem Flughafen stehen demonstrativ drei Windräder (das ist einer von insgesamt vier Windparks in Ecuador). Um Plastikflaschen zu reduzieren, bieten fast alle Hotels das kostenlose Auffüllen von Trinkflaschen mit Trinkwasser an. Es gibt erste Elektroautos und Scooter. Der Müll wird getrennt.
Kein Plastik bei der Einreise
Mülltrennung