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Mittwoch, 23. März 2011

Ein kleiner großer Schritt...

Karlsbrücke, vor der Prager Burg

Als Vater erlebt man im ersten Jahr viele kleine und große Meilensteine, und alle sind sie kleine Wunder: das erste Sitzen, das erste Auf-den-Bauch-Drehen, das erste Fläschchen, der erste Brei, das erste Wort, das erste Krabbeln, der erste Zahn, das erste Mal Selber-mit-dem-Löffel-Essen das erste Stehen. Aber das bisher größte Ereignis war gestern, als Melissa das erste Mal freihändig gelaufen ist. Das ist ein Gefühl von neuer Unabhängigkeit, das das nächste Mal wahrscheinlich erst bei Melissas Führerschein wieder auftreten wird. Sie läuft noch wie betrunken, torkelt hin und her, und freut sich am Ende sehr, wenn sie in Mamas oder Papas ausgebreiteten Armen landet!

Ansonsten haben wir zwei schöne Wochenenden hinter uns. Am ersten waren wir bei strahlendem Sonnenschein in Prag, haben die Altstadt, Karlsbrücke, Burg, böhmischen Knödel und Kaffeehäuser genossen.

Die Karlsbrücke über der Moldau

Am zweiten Wochenende waren wir auf dem James-Blunt-Konzert in der Berliner O2-Arena. Einmal im Monat schenkt uns Amparo einen freien Abend und passt auf Melissa auf. Das ist immer sehr schön, dieses Jahr waren wir schon im Kino, in der Sauna und nun auch beim Konzert. James Blunt wirkte ganz natürlich, trat in Jeans und T-Shirt auf, lief zweimal durchs Publikum, und machte sich über die Bestuhlung in der Halle lustig: "Ich hoffe, Ihr bleibt hier nicht lange sitzen, so alt seid Ihr ja nicht..." Es hat gewirkt, am Ende standen alle, und James macht einen Schnappschuss der Zuschauer. Seine Fotosammlung der vergangenen Konzerte wurde vor der Aufführung gezeigt. Hier die beiden Zugaben:


Und was machen wir am kommenden Wochenende? Da feiern wir einen ganz besonderen Tag, der auch schon wieder genau ein Jahr her ist...

Sonntag, 30. Januar 2011

Allein unter Frauen

Es gibt Situationen und Orte, die man als Mann nie erleben wird, z.B. den Besuch eines Nagelstudios, einen Termin beim Frauenarzt, den Aufenthalt in einer überfüllten Damentoilette, das Umziehen in einer Mädchenumkleide oder die Übernachtung in einem Frauen-Studentenwohnheim. Es sei denn, man wird dafür komisch angesehen oder sogar strafrechtlich verfolgt. Und doch gibt es manchmal Umstände, in denen man(n) ganz legal und unverhofft in solche Situationen hereinschlittert. Besonders als Vater oder bei Auslandsaufenthalten...

Als Kind hatte ich lange Haare. Es waren die 70er Jahre und ich habe mich mit 10 Jahren im Aussehen an meine älteren Brüder gehalten. Auf dem Klassenfoto bin ich das Mädchen mit den langen blonden Haaren oben in der Mitte stehend. Für das Umziehen zum Sport hat mich der Hallenwart manchmal in die Mädchenumkleide geschickt. Nach dem ersten peinlichen Mal habe ich meine Anfrage "Wo ist denn hier bitte die Umkleide?" ergänzt um das Wort "Jungen-Umkleide?".

Sport in der 4. Klasse. Ich habe die blonde Löwenmähne in der Mitte.

15 Jahre später hatte ich einen Studienaufenthalt von 4 Monaten am MIT (Massachusetts Institute of Technology) in den USA bei Boston. Dort hatte ich eine Freundin Mindy, die im Frauenstudentenwohnheim auf dem Campus gewohnt hat. Sie meinte, Jungen dürften dort auch übernachten. Als ich das gemacht habe, hatte ich ein komisches Gefühl. Bevor ich in die Gemeinschaftsdusche gehen konnte, musste Mindy immer vorher schauen, ob alles frei ist und hat dann an der Tür ein Schild umgedreht ("Achtung Mann!").

Nach der Dusche im Mädchenwohnheim habe ich mich 1993 mit einem Handtuchturban getarnt.

Ins Nagelstudio wollte ich in Ecuador 2006 eigentlich nur aus Langeweile und Begleitung für Narcisa gehen. Warum ich dann hinterher auch pedikürt war, könnt Ihr hier nachlesen.

Termine beim Frauenarzt hatte ich 2009 öfters, als ich mit Silvia zu einigen Schwangeschaftsuntersuchungen mit gegangen bin. Natürlich wollte ich mir die Ultraschallbilder und das erste In-Bauch-Video von Melissa nicht entgehen lassen!

Der Ecuador-Stand auf der Grünen Woche, hinten sitzt Silvia mit Melissa

Warum ich den Artikel aber eigentlich schreibe, ist mein erster Besuch in einer völlig überfüllten Damentoilette gestern bei der Grünen Woche (Nahrungsmittelmesse) in Berlin. Silvia hat die Woche über spontan auf der Messe gearbeitet, da ihr Chef auf dem zuerst leeren Ecuador-Stand Panama-Hüte verkaufen durfte. Gestern habe ich sie dort besucht und habe dann mit Melissa die Hallen erkundet (es war sehr voll, so dass Silvia ihre Kollegin nicht alleine lassen konnte). Irgendwann kam dann natürlich auch die Zeit zum Windelwechseln. Nun gibt es auf dem riesigen Messegelände Hunderte von Toiletten, Wickelräume sind aber rar. Auf dem nördlichen alten Teil gibt es gar keine Räume, eine Hostess empfahl mir stattdessen die DRK-Sanitäterstation. Die war aber so überfüllt von teils ohnmächtigen Patienten, dass kein Platz zum Wickeln war. Nach einer Stunde hatte ich mich dann mit Kinderwagen durch die völlig überfüllten Hallen auf das neuere Südgelände vorgearbeitet. Dabei habe ich auch Kommentare wie "Es müsste mal einen Tag ohne Rentner und Kinderwagen hier geben, dann käme man besser durch!" gehört. Endlich sah ich dann das Baby-Symbol und ging in die Richtung. Allerdings führte das Schild direkt in die Damentoilette, und an der Herrentoilette war kein entsprechender Hinweis zu finden. Das Südgelände wurde in den 90er-Jahren gebaut, offensichtlich gab es damals noch keine Väter, die ihre Kinder gewickelt haben. Was nun? Nachdem ich schon im Vorraum der Damentoilette mit Kinderwagen stand, eine riesige Warteschlange und fragende Gesichter bei den Frauen sah, wollte ich eigentlich gleich wieder umdrehen. Ich hatte die amerikanischen Filme im Kopf, wo die Frauen hysterisch laut kreischen, wenn sie einen Mann auf der Toilette sehen. Dann hat mich aber eine freundliche Toilettenfrau, die wie eine Verkehrspolizistin die Koordination und Einweisung der Warteschlange durchführte, zu sich herangewunken, mich an der Schlange vorbei zu den Toilettenräumen gelotst, und tatsächlich, hinter der ersten Ecke rechts gab es versteckt einen Raum. Der hatte zwar nur einen blanken Tisch, immerhin einen Papierspender und einen offenen, stinkenden Windeleimer (Waschbecken? Wickelunterlage?), aber er erfüllte seinen Zweck. Beim Rausgehen war die Verkehrspolizistin verschwunden und ich musste mir selber meinen Weg gegen den Strom der entgegen drängenden Frauen suchen, aber das war nichts im Vergleich zum Gedränge oben in den Hallen...

Die Grünen interpretieren den Namen "Grüne Woche" auf ihre Art, hier Frau Claudia Roth. Das Wickelraum-Thema hätte sie vielleicht auch interessiert? Habe ich aber erst danach erlebt.

Sonntag, 14. November 2010

Kindergeburtstag

Melly pustet mit Mamas Hilfe die Kerze aus

Unsere meisten Bekannten sagen: "Oh, Melissa ist jetzt schon ein Jahr alt, die Zeit ist aber schnell vergangen!" Mir selbst erscheint die Zeit mit einem Leben ohne Melissa schon sehr lange her. Kein Wunder, rechnet man die Schwangerschaft mit ein, haben wir in der Zeit sehr viel erlebt: vom Geburtsvorbereitungskurs über die Renovierung und Umgestaltung der Wohnung, dem Auszug von Stephen und Amparo, meinem Vietnamaufenthalt, der Geburt, der Hochzeitsplanung und -durchführung bis hin zur Elternzeit in Ecuador und Melissas Taufe.

Melissa zeigt dem Nachbarsenkel Nick Omis Geschenk

Am 25. Oktober haben wir Melissas Geburtstag gefeiert. Es waren sieben Kinder (von 10,5 Monaten bis 4 Jahren) zu Besuch und 16 Erwachsene. Neben Luftballons, einer Girlande und vielen Papphüten haben wir auch eine Piñata bestellt. Dies ist ein lateinamerikanischer/spanischer Brauch, bei dem eine große Figur aus Pappmaché mit Süßigkeiten gefüllt und aufgehängt wird und eigentlich Kinder so lange mit einem Stock drauf schlagen, bis sie zerbricht und die Kinder dann die Süßigkeiten aufsammeln können. In unserem Fall gab es statt des Stocks Bänder zum Ziehen, wovon nur ein Band eine kleine Falltür geöffnet hat, so dass die Süßigkeiten auf den Boden fielen. Das Video zur Piñata seht ihr hier:



Das Öffnen der Piñata

Vorm Öffnen der Piñata

Sonntag, 26. September 2010

Paris

An der Seine vorm Eiffelturm

Es ist ja schon eine Weile her, aber in letzter Zeit komme ich kaum noch zum Bloggen... Ende Juli waren wir über Silvias Geburtstag zu dritt in Paris. Mit dem Auto hingefahren, da konnten wir öfter Pause machen und die Pausen ziehen sich mit Baby ganz schön in die Länge. Auf der Hinfahrt haben wir in Köln übernachtet, auf der Rückfahrt in Heidelberg. Ein Urlaub mit Kinderwagen ist zwar etwas anstrengend, aber wir haben doch erstaunlich viel gesehen. Sogar auf den Eiffelturm selbst konnte man den Kinderwagen mitnehmen, zusammen geklappt im Fahrstuhl, und in 115m Höhe gab es tatsächlich einen Wickelraum für Melissa! Sportlicher war es in Versailles, im Schloss waren Kinderwagen verboten, dafür draußen im weitläufigen Park gestattet.

Das Schloss Versailles

In der Stadt sind wir viel mit der Metro gefahren, um den Staus und der Parkplatzknappheit zu entfliehen. Das ist ein Abenteuer, da man mit dem Kinderwagen nicht durch die Drehkreuze kommt und immer jemanden finden muss, der einem die für diese Fälle gedachte Tür öffnet. Und danach gibt es oft sehr lange Gänge mit vielen Zwischentreppen. Rolltreppen oder gar Fahrstühle sind dabei ganz rar. Klar, dass man da kaum Kinderwagen bzw. Babys in der U-Bahn sieht, dafür waren aber die Fahrgäste umso freundlicher und haben Silvia immer sofort einen Sitzplatz angeboten. Die anderen Sehenswürdigkeiten haben wir im Schnelldurchgang und meist von außen gesehen: Triumphbogen, Champs-Élysées, Élysée-Palast, Place de la Concorde, Tuilerien, Louvre, Invalidendom, Centre Pompidou, Notre Dame, das Rathaus, Place des Vosges und natürlich die Kaufhäuser Galeries Lafayette und Printemps.

In Paris ist alles größer, sogar die Nutella-Gläser (in den Galeries Lafayette)

Womit vertreiben wir uns sonst die Zeit außer mit Melissa? Mit Kita-Besichtigungen, einer Goldenen Hochzeit, Steuererklärungen, der Nachbereitung unserer Hochzeit, in meinem Fall mit einem neuen Handy (Google Nexus One) und (diesmal ohne Zeitungsfoto) der zweiten IFA mit Melissa.

Neulich auf der Funkausstellung...

Sonntag, 4. Juli 2010

Fussball und Rückkehr nach Berlin

Inzwischen sind wir seit 10 Tagen wieder in Berlin und schon wieder voll zurück im deutschen Alltag, trotzdem möchte ich natürlich noch über eine Sache berichten:


An der Glienicker Brücke mit Melissa und Silvias Schwestern Alicia und Amparo
Fußball in Ecuador: Die ersten beiden deutschen WM-Spiele haben wir noch in Ecuador verfolgt. Wir (oder besser ich, Silvia interessiert sich nur mäßig für Fußball) hatten Glück, der einzige ecuadorianische Sender (Gama-TV), den man über Antenne (mit viel Schnee und Streifen) in San Francisco empfangen kann, war der offizielle WM-Sender in Ecuador. Die Kommentatoren entsprechen voll dem Klischee, sie reden ununterbrochen (wie in deutschen Radio-Übertragungen) und schreien lange GOOOOOOOOL, wenn ein Tor fällt. Ein krasser Gegensatz zu den deutschen Fernsehkommentatoren, die oft sekundenlang schweigen und im direkten Vergleich etwas unterkühlt wirken. Ungewohnt und etwas nervig sind die Werbeformen in Ecuador: neben den auch bei uns üblichen Einblendungen (im unteren Bildschirmdrittel, während das Spiel weiter läuft) wird die Werbung auch zusätzlich vom Reporter im Kommentar eingebaut: bei einem Angriff lautet der Kommentar z.B. "Und Deutschland greift an (span. "avanza"), Ecuador kommt voran (span. ebenfalls "avanza") mit Mavesa, weil Mavesa Hino ist und Hino ist Mavesa. Gehe in den Norden oder in den Süden von Ecuador, Mavesa ist die Kraft von Ecuador!". Mavesa = Hino ist ein Konzern, der Lastwagen und Busse herstellt. Die Eckbälle dagegen werden vom Mobilfunknetzbetreiber Porta gesponsert: "Ecke für Deutschland. Telefonieren Sie mit Porta, für nur einen Cent rufen Sie Ihre Freunde an. Laden Sie heute Ihr Guthaben auf und Sie erhalten für fünf Dollar zehn Dollar Guthaben!". Nach dem Australienspiel überschlug sich die Presse mit Lob für die deutsche Mannschaft, die erste "Goleada" (= Torreigen oder Kantersieg) der WM hatte stattgefunden. Nach der Serbien-Niederlage dagegen natürlich gleich der Dämpfer: "Deutschland verliert die Partie, seinen Protagonisten (Klose) und die Vorreiterrolle bei dieser WM".


Mashicunas in Aktion

Zurück in Deutschland ging uns die ecuadorianische Kultur nicht verloren, letzten Sonntag gab es im Haus der Kulturen Lateinamerikas ein Hoffest, auf dem auch Amparos Tanzgruppe Mashicunas getanzt hat. Wer die Tanzgruppe einmal live erleben möchte: am 28. August tritt sie beim nächsten Fest, der Fiesta Ecuatoriana, im Haus der Kulturen Lateinamerikas wieder auf. Und seit gestern ist Silvias Schwester Alicia aus Lanzarote bei uns für zwei Wochen zu Besuch.